Über die Notwendigkeit der Veränderung des logischen Referenzrahmens der Menschheit.

von Maciej Zasada

Was ich vorschlage, sind definitiv nicht die interessantesten Themen, die für den durchschnittlichen Internetfresser von Interesse sind. Die Menschen sind normalerweise an einfachen Lösungen, an einfachen Informationen interessiert.

Was ich schreibe, betrifft indes eines der wichtigsten Dinge, die sich heutzutage abspielen und entscheiden – aus diesem Grund sollten sie eigentlich jeden interessieren…wäre mein Gegenstand nicht abstrakt…

Wir sehen, was in der Welt passiert. Ob es am Coronavirus oder an untergehenden Werten oder an der instabilen wirtschaftlichen Situation liegt – es stehen uns wohl einige endgültige Entscheidungen bevor. Diese werden u.a. die Umstände der gesamten Menschheit betreffen.

Den Grund dafür sehe ich darin, dass wir an einem Punkt angelangt sind, an dem die Effizienz unseres logischen Systems ihren höchsten, unüberschreitbaren Wert erreicht hat. Die Logik folgt nicht mehr der Realität. Die Dinge entziehen sich der Vernunft…Entgegen der Vorstellung ist dies ein gutes Zeichen. Es läutet nämlich das baldige Ende des archaischen Zeitalters auf diesem Planeten ein.

Wenn wir einsehen, dass „die Grenzen unserer [Logik] bedeuten die Grenzen unserer Welt“ (paraphrasiert nach L. Wittgenstein), dann konstatieren wir konsequenterweise, dass wir in Wirklichkeit in einer zweidimensionalen Welt leben. Gleichzeitig erkennen wir selbstverständlich, dass die logische Zweidimensionalität nichts mit der Dimensionalität der beobachtbaren Welt zu tun hat. Somit erkennen wir, dass unsere Logik grundsätzlich nicht zur Realität passt, in der wir się benutzen. Sie ist eine archaische Logik, welche bereits zu jener Zeit gut funktionierte, als wir gerade rational denkende Wesen geworden sind, und unser Bewusstsein als Reaktion auf raue Lebensbedingungen strikte Befehle erteilte: „Ja-Nein“, „Run-Fight“ oder „Freund-Feind“, „wahr-falsch“. Das Leitprinzip dieser Logik – das Prinzip des ausgeschlossenen Dritten – ermöglichte es unter allen Umständen, eine dualistische Haltung gegenüber der Welt einzunehmen. Und es ist eben diese primitive, damals durchaus sinnvolle Logik, die wir bis heute verwenden. Sollten wir etwa erstaunt sein, dass auch unsere Computer eine binäre Logik benützen? Mich verwundert das jedenfalls nicht.

Vielen von uns ist die Notwendigkeit der Veränderung nicht bewusst. Schließlich wird Logik nicht als entscheidend eingestuft, und wenn schon – wir sind mit der Logik zufrieden, die wir verwenden. Mit Hilfe dieser Logik sind wir imstande miteinander zu kommunizieren und manche von uns erreichen sogar die dialektischen Höhen der Sprache. Was würde ein Paradigmenwechsel auf der logischen Basis der Menschheit verändern, wozu sollte dieser gut sein?

Nun, es stellt sich heraus, dass man für alles bezahlen muss. Der Preis für das Verbleiben im komfortablen, bekannten, vertrauten dualistischen System besteht darin, seine archaischen Mechanismen und Merkmale in Kraft zu erhalten. Mit all den Konsequenzen für uns alle.

Und die Konsequenzen sind, dass wir trotz all der Zivilisierung dieselben Menschen wie vor 1000 oder 10.000 Jahren sind. Heute wie damals sind wir in der Lage, uns binnen Sekunden in blutdürstige Bestien zu verwandeln.

Der Glaube, dass wir uns in dieser Hinsicht von unseren entferntesten Vorfahren unterscheiden, der Glaube, dass Kultur, Bildung und gesellschaftliche Ordnung uns irgendwie verändert haben, ist ein Mythos. Die Regel ist dagegen, dass unsere „Menschlichkeit“ genauso schnell und genauso leicht durch animalische Reflexe ersetzt wird, wie es in der frühesten Menschheitsgeschichte der Fall war. Der Grund dafür ist, dass für uns heute dieselbe Logik gilt, die seit jeher für jedes menschliche Wesen auf Erden gültig gewesen ist. Diese archaisch-dualistische, das Dritte ausschließende Konfrontationslogik ist der Grundpfeiler der Menschheit.

Die primitiven Reflexe, welche durch das zweiwertige System der Logik in uns überdauern, sind in einer uns feindlich gesinnten Welt nicht ohne Bedeutung…. Es bleibt zu fragen: Warum meinen wir, die Welt stünde uns feindlich gegenüber, entspricht dies etwa der Wahrheit?

Jeder von uns ist ja bis zu gewissem Grad für seine Welt selbst verantwortlich und kann sie zudem beliebig gestalten. Diejenigen Menschen, die das Böse fürchten, werden auch vom Bösen auf Schritt und Tritt verfolgt – sie leben natürlich in einer anderen Welt als diejenigen, welche der Welt offen und tolerant gegenüberstehen.

Obwohl sich beide Welten objektiv voneinander nicht unterscheiden (die Welt verändert sich nicht, es verändern sich vielmehr Vorstellungen und Perspektiven), so entstehen darin diametral unterschiedliche Lebensräume und Lebensbedingungen für die unterschiedlichen Teilnehmer. Diese werden wie gezeigt eher konstruiert als gegeben.

Die Welt des Ängstlichen erfordert Vorbereitung auf die Gefahren und die Fähigkeit, auf sie schnell zu reagieren. Sie erfordert kurze Wege und schnelle Entscheidungen. Andererseits ermöglicht die Welt, in der liberale Werte gelten, die Konzentration auf wichtigere Dinge als den meist gar nicht notwendigen Kampf um das nackte Überleben oder um die Dominanz über die Schwächeren.

Das liberale Modell erscheint deshalb aus evolutionärer Sicht sinnvoller zu sein. Aber nicht darüber wollte ich sprechen – ich sagte bereits, dass selbst ein seiner Welt freundlich gesinnter Mensch, je nach den Umständen sich wie ein bedrohtes Tier verhalten kann. Der Grund dafür ist, dass wir unabhängig vom vertretenen Weltbild ausnahmslos denselben Gesetzmäßigkeiten und Regeln der archaischen Logik folgen. Die Tatsache, dass nicht alles für Jeden schwarz und weiß erscheint, dass es Menschen gibt, die keine Angst vor Fremden und keinen Hass auf Andere haben, grenzt beinahe an ein Wunder. Wir sind nämlich alle mit den gleichen archaischen Mechanismen ausgestattet, welche dann aktiviert werden, wenn sie „gebraucht“ werden.

Unsere Logik teilt die Welt in zwei Bereiche: das, was wir „Ich“ und das, was wir „nicht-Ich“ nennen. Die Konsequenzen dieser primären Trennung sind alle folgenden: Wir teilen in „Unsere“ und „Fremde“, in „Freunde“ und „Feinde“, in „bedrohlich“ und „gleichgültig“, in „gut“ und „böse“. Wir unterscheiden immer symmetrisch zweiwertig, wie es uns die zweiwertige Logik vorschreibt.

Behauptung: Die Logik bestimmt den übergeordneten Wert aller Werte.

Es ist die Logik, die es uns ermöglicht, uns in der Welt zu installieren, es ist die Logik, die die Bezugspunkte festlegt, auf deren Grundlage wir uns selbst und andere betrachten, es ist schließlich die Logik, die es uns ermöglicht, uns zu verbinden und voneinander zu trennen, die Wahrheit zu akzeptieren und auf Falschheit hinzuweisen, unsere eigenen Freunde zu erkennen und die Anderen als Feinde zu definieren. Es ist Logik, die uns diejenigen hassen lässt, die sich von uns unterscheiden. Unsere Logik lässt Andere für alles Böse verantwortlich machen, und uns selbst und „unsere“ in rosa Farben zu sehen.

Und das Schlimmste ist, dass wir überzeugt sind, dass es so sein muss.

Wie wichtig ist das, was ich schreibe, ist an dieser Stelle zu erkennen:

Es ist nämlich gar nicht wahr, dass es so sein muss. Man muss kein Dualist sein, um gut mit der Realität umgehen zu können.

In einer Welt, in der unter bestimmten Umständen jeder gegen jeden spielt und der Verlauf der Frontlinien durch die lokale Stammeszugehörigkeit bestimmt wird, ist archaische Logik die Logik der ersten Wahl. Diese Logik bleibt jedoch immer ein untrennbares Element der archaischen Welt, einer Welt, die in einem rücksichtslosen Kampf um Einfluss, Macht, Ressourcen, Vorherrschaft und Exklusivität besteht. Indem wir ihre Gesetze, ihre Regeln und ihr Leitprinzip des ausgeschlossenen Dritten akzeptieren, akzeptieren wir die archaische Qualität der von uns bewohnten Welt.

Dies ist der Preis, den wir zahlen, um ein logisches System zu verwenden, an das wir uns schon lange gewöhnt haben, und in dem wir uns wie Fische im Wasser fühlen.

Und trotz der Tatsache, dass wir uns in Richtung der evolutionär und zivilisatorisch günstigen Mustern entwickeln, bleibt unsere Welt im Wesentlichen dieselbe wie immer – wir gehen nicht über ihre Grenzen hinaus – wir sind Monster, die angesichts günstiger Umstände vergessen, wer sie in Wirklichkeit sind, aber zugleich jederzeit bereit sind, sich daran zu erinnern. Dadurch, dass unsere Welt durch archaische Logik bestimmt wird, ist und bleibt sie archaisch.

Mein Vorschlag ändert diesen Zustand.

Die universelle Logik Gottes verändert den Referanzrahmen meiner Welt. Für Gott sind beispielsweise Konflikte, die uns lokal beschäftigen, sinnlos – es muss für ein universelles Wesen grundsätzlich sinnlos sein, sich selbst zu bekämpfen.

Man muss kein Gläubiger sein, um axiomatisch die Existenz einer universalgültigen logischen Instanz anzunehmen. Wie diese jeweils definiert wird, ist zweitrangig. Man kann sie entweder mit Gott, mit dem Absolut, mit dem Universum oder schlicht mit einem logischen System und seinen universellen Prinzipien und Regeln identifizieren…Diese Instanz ist jedenfalls, wie Gott, ein universalgültiger Bezugspunkt.

Um diese Instanz innerhalb unseres dialektischen Systems zu konstruieren, muss nur eine Frage beantwortet werden. Diese erstellt eine völlig neue Perspektive, und stellt die Grundlage für weitere Überlegungen.

Ich frage, wie denkt Gott – welche dialektische Position nimmt er beispielsweise im Streit ein?

Die Antwort ist einfach, aber dies ist bereits der erste Schritt, um die archaische Welt zu verlassen. Wir konstruieren nämlich einen properen Bezugspunkt, der sich außerhalb von zweiwertigem Paradigma befindet.

Als Agnostiker behandle ich meine Philosophie nicht gerade spirituell. Ich bleibe möglichst nüchtern , was nicht etwa zu bedeuten hat, dass ich nicht prinzipiell in der Lage wäre, Gottes Existenz für meine Zwecke anzunehmen, insbesondere dann, wenn sie mir nützlich ist. Die bloße Vorstellung einer göttlichen Instanz ist nämlich als Bild viel einfacher als die Vorstellung eines logischen Raumes innerhalb des Absoluten. Auf jeden Fall liegt uns die Instanz und das Bild Gottes näher als die Beschreibung abstrakter logischer Ordnungen.

Deshalb wähle ich die „göttliche Narration“ – gerade um die von mir aufgeworfenen logischen Fragen für den Leser so einfach wie möglich zu gestalten. Es geht schließlich darum, einige universell gültige Gesetze des Absoluten zu artikulieren. Wie ich dieses Ziel erreiche, ist mehr oder weniger egal. Das Wichtigste ist, dass ich verstanden werde. Denn ich bin der erste, der sich diese Fragen in dieser Form stellt, und ich weiß, wie schwierig es ist, sich an die einfachsten Gedanken über das Absolute und seine Regeln zu gewöhnen, wenn man fest am Boden der dualistischen Aussagenlogik steht. Glauben Sie mir, dies ist für mich genauso schwer und genauso neu wie für meine Leser, außer dass es in meiner Verantwortung liegt, die Gedanken zu artikulieren … diese entstehen nämlich in meinem bescheidenen Kopf.

Die erste Stufe des paradigmatischen Übergangs besteht darin, sich Gottes Wesen und seine Perspektive vorzustellen.

Die Axiomatik:

Wir gehen davon aus, dass Gott unsterblich ist und dass seine Erfahrung in der historischen Abfolge aufeinanderfolgender menschlicher Generationen und Ereignisse kumuliert (ich schlage vor, dass wir aus Gründen der Klarheit den Umfang unserer Untersuchung künstlich auf die Erde und die Menschheit beschränken).

Fügen wir hinzu, dass Gott ein universelles Wesen ist, d.h. eines, für das lokale Werte und Perspektiven aufgrund ihrer logischen Unvollständigkeit keine Rolle spielen.

Die Vorstellung:

Unsere Konflikte werden lokal ausgetragen, denn sie betreffen höchstens die Erdkugel – sie tangieren Gott nicht.

Wir können uns dennoch vorstellen, dass Gott einige seiner Erfahrungen an uns weitergeben möchte, um uns vor beklagenswerten, sich zyklisch wiederholenden Fehlern zu bewahren …

Dazu müsste er sich auf unser Niveau herablassen und auf eine für uns verständliche Art artikulieren. Dies würde mehrere Probleme verursachen:

✧ Die Ausdrucksmittel, die Gott vorbehalten sind, müssen ja universalgültig sein (seine Aussagen müssen logisch vollständig, nicht an die Ausschlusslogik und ihre Zweiwertigkeit und nicht an die zweiwertige Moral von Gut und Böse gebunden sein). Die Aussagen Gottes sind daher aus Prinzip besonders anfällig für Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Sie müssen nämlich in die Sprache der archaischen Logik übersetzt und in ihr gespeichert werden. Dieses führt geradewegs in die Dualität der Zweiwertigkeit, also in den Konflikt und in die Ausgrenzung. Jeder Versuch, Gottes Wort richtig zu interpretieren, steht also bestenfalls auf derselben dialektischen Ebene wie die Interpretationen, die abweisend oder unvereinbar mit der göttlichen Absicht sind. Die meisten Versuche einer verständlichen Informationsübertragung zwischen Gott und den Menschen müssen also zum Scheitern verurteilt sein, denn Sprache Gottes entspricht nicht dem aussagenlogischen Standard, oder genauer gesagt: seine Art zu kommunizieren, kann nicht durch seine hiesige „Empfängerschaft“ eindeutig verstanden werden.

Selbst dann, wenn Gott seine Universalität zur Seite schiebt und sich auf folgende unmißverständliche Weise ausdrückt:

„Töte nicht!“

Selbst dann entsteht auf Seiten des Empfängers eine ganze Reihe möglicher Interpretationen, die je nach den Umständen in die Richtung Gottes oder in eine völlig entgegengesetzte führen. Ich möchte nicht die Geduld des Lesers mit Geschichten über Soldaten, Henker oder „Ritter der guten Sache“ strapazieren, die vom Automatismus der göttlichen Direktive großzügig ausgeschlossen werden, aber ja – das ist in der Tat das Problem – es entstehen sofort Ausnahmen von göttlichem Verbot.

Gott, wenn er existiert, kolportiert universalgültig, er kolportiert keine relativen, unvollständigen, interpretations- oder vervollständigungsfähigen Wahrheiten.

✧ Gott ist eine Instanz, zu der auf jeder Seite der Barrikade hochgeschaut und gebeten wird. Jeder usurpiert für sich das ausschließliche Recht in seiner Gunst zu stehen („Gott mit uns“, „Deus Vult“ …). Jeder vertraut sein Schicksal seinem Willen an. Dieser fällt natürlich mit dem Willen der führenden Köpfe und Marschälle zusammen, welche die jungen Menschen in die Schlacht führen wollen. Es ist logisch – Gottes Wille kann nicht unerfüllt bleiben – folgen wir ihm, führen wir seinen Namen im Schilde, so folgen wir seiner Absicht…deshalb gewinnen wir. Notwendig. Es ist zugleich ein Dogma, wie eine Flunkerei: schließlich besitzt niemand Gottes Handynummer, um zu fragen, was er wirklich will.

✧ Das nächste Problem betrifft die Wahrhaftigkeit der Aussagen. Wer behauptet, die endgültige Wahrheit mit den Mitteln der zweiwertigen Logik erlangen zu können, der lügt.

Bestimmen wir die Logik des ausgeschlossenen Dritten als Grundlage für unsere Überlegungen und Argumente, so determinieren wir vielmehr, dass unser logisches Referenzsystem aus Prinzip lokal verankert und deshalb unvollständig ist (der Haupt-Referenzpunkt innerhalb der Aussagenlogik ist das ‚Ich‘ – der Inbegriff der Lokalität). Unsere Überlegungen und Argumente können daher grundsätzlich nicht von universellem Wert sein. Alle lokalen Wahrheiten erweisen sich nämlich in Bezug auf das Absolute logisch unvollständig (siehe: „Verallgemeinerung der gödelschen Sätze„). Das, ob wir Recht haben oder nicht, stellt sich erst nach dem Verlassen des lokalen Bezugsrahmens heraus.

Deshalb ist es erstaunlicherweise durchaus sinnvoll, die Wahrheit in Gott zu suchen, allerdings unabhängig davon, ob er existiert oder nicht, und vorausgesetzt, dass wir ihn nicht als in unsere Spielchen auf unserer Seite involviertes Menschlein, sondern als eine universelle Instanz, die keine Partei ergreifen wird, verstehen (es ist dabei notwendig, den Unterschied zwischen der Lokalität des menschlichen Referenzsystems und der Universalität des Göttlichen zu erkennen – darüber in Folgendem).

✧ Das Thema der Superiorität der universellen Perspektive gegenüber der lokalen wurde hier noch nicht explizit behandelt, daher bedarf es einer gesonderten Erklärung:

Die einfache Frage, ob die Sonne auf- und untergeht, beantworten wir wahrheitsgemäß mit „ja“, ohne irgendwelche Bedenken zu haben. Die Wahrhaftigkeit dieser Aussage ist jedoch in Wirklichkeit relativ (und, wie sich gleich herausstellen wird, logisch unvollständig), da es sich lokal auf die Oberfläche unseres Planeten bezieht und nicht universalgültig ist. Die objektive und universell bindende Wahrheit ist nämlich, dass die Sonne ein Stern ist. Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge werden also nur auf Erden beobachtet – nicht im Weltraum. Dies ist der Unterschied zwischen einem lokalen und einem universellen Referenzsystem, und dies ist auch der Unterschied zwischen der logisch unvollständigen Wahrheit (die Wahrheit innerhalb eines lokalen Bezugsrahmens ist nicht falsch – sie ist unvollständig) und der endgültigen Wahrheit, die universalgültig ist (diese gilt in jedem Referenzsystem). Darin besteht auch die Überlegenheit der universellen Perspektive gegenüber der lokalen.

Ich gehe davon aus, dass die lokale Perspektive aus Prinzip nicht erlaubt, logisch vollständig zu artikulieren. Das simple Beispiel der Sonnen Auf- und Untergänge illustriert dabei perfekt den Zustand der logischen Unvollständigkeit. Die Wahrhaftigkeit der unvollständigen Aussagen scheint zwar aus der lokalen Perspektive unwiderlegbar zu sein, doch dieselbe Wahrhaftigkeit entpuppt sich aus der universellen Perspektive als überholt. Das Problem ist nichttrivial, es betrifft nicht nur die offensichtliche Abhängigkeit der logischen Werte von der Beobachterperspektive, sondern auch die Beschaffenheit der Wahrheit (in Paradoxien beispielsweise)

Wie hoch ist die Zahl der Wahrheiten, deren Falschheit aus universeller Perspektive evident ist, während sich dieselbe lokal nicht nachweisen lässt, überlasse ich der Phantasie der Leser…

Eine universelle Perspektive ist notwendigerweise wertvoller als eine lokale, denn sie ist aus Prinzip mit mehr Information ausgestattet. Die Informationsmenge ist aber entscheidend, denn es ist stets besser viel zu viel zu wissen, als einen kleinen Hauch zu wenig.

In jeder Hinsicht ist universalgültige Perspektive der lokalgültigen zu bevorzugen. Auch was Ethik angeht.


Was ist der Sinn?

Das Ziel ist es, das universelle Weltbild in Einem zu entwerfen – sich von seiner eigenen, lokalgültigen ursprünglichen Ich-Perspektive zu entfernen und die Welt und sich selbst aus universellen Perspektive zu betrachten.

Als eine Instanz des Absoluten könntest du nämlich unmöglich behaupten, du wärst besser als die Anderen, oder die Anderen wären im Gegensatz zu dir böse. Das könntest du nicht, weil du wie die Anderen wärst, weil du den Unterschied zwischen dem Besten von ihnen und dir selbst und zwischen dem Schlechtesten von ihnen und dir selbst prinzipiell nicht erkennen könntest.

Dies wäre die Konsequenz.

Du bist nämlich alles. Und es geht hier nicht mehr bloß um Logik.

Imperativ: Du bist die hohe Instanz des Absoluten. Handele danach.