Universalgültige Definition der Gegenwart.

von Maciej Zasada

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Definition der absoluten Gleichzeitigkeit von M. Zasada (Fig. III):
Ereignisse geschehen gleichzeitig, wenn sie innerhalb einer und derselben Gegenwart an verschiedenen Orten stattfinden.

Definition der universellen Gleichzeitigkeit von M. Zasada (Fig.I, II, III):
Ereignisse geschehen gleichzeitig, wenn sie innerhalb einer und derselben Gegenwart geschehen.


Definition der materiellen Begegnung:


x,y,z,t = x‘, y‘, z‘, t   (t = t)

Der Begriff „Begegnung“ bedeutet im physikalischen Sinne, dass Körper innerhalb einer und derselben Gegenwart (maximal) approximieren.

Eine Begegnung ist eine „Annäherung“, eine „Berührung“ oder eine Koinzidenz zweier oder mehrerer Körper. Sie kann auch eine Kollision sein (beispielsweise die zweier Atomkerne im Teilchenbeschleuniger-Experiment). Eine „Begegnung“ könnte sogar die gegenseitige Vernichtung zur Folge haben, doch nimmt man, wie Einstein, das Modell eines unendlich dichten Koordinatennetzes für gegeben an, so ist trotzdem keine Identität (x,y,z,t = x‘,y‘,z‘,t‘) der beteiligten Körper, im Sinne einer Koordinatenidentität, denkbar. Koordinatenidentität zweier Punkte wäre der Ausdruck ihrer absoluten Identität, nicht ihrer Differenz. Die Formulierung „Koordinatenidentität zweier Punkte“ ist daher an sich widersprüchlich (die Identität differenter Punkte, wie etwa {1 = 2}).


Prinzip der Gleichzeitigkeit von M. Zasada:

Zwei oder mehr Ereignisse geschehen nur dann gleichzeitig, wenn sie räumlich distant sind (ihre Gleichzeitigkeit gilt ausschließlich für Koordinaten des Arrangements A).

A: (x,y,z,t) = (x‘, y‘, z‘, t), wobei t = t, t ≠ t‘.

Die Folge des Einsteinschen „Punktarguments“ [P: (x,y,z,t) = (x‘, y‘, z‘, t‘)] wäre eine solipsistische Wirklichkeit, in der keine Welt außerhalb des Beobachters existieren dürfte (eine universelle Identität aller Orts- und Zeitkoordinaten). Dann nämlich müsste die Welt mit dem räumlichen Referenzpunkt der Beobachtung identisch sein. Die rechte Seite der Gleichung P: (x‘, y‘, z‘, t‘) definiert nämlich keinen bestimmten, „nächst gelegenen“ Koordinatenpunkt, sondern jeden beliebigen Koordinatenpunkt der Welt.
Die Gleichung (x,y,z,t) = (x‘, y‘, z‘, t‘) definiert also einen perfekten Solipsismus: der Solipsismus wäre auch die Konsequenz der unkritischen Rezeption des Ausdrucks:

„Physikalische Erfahrungen sind immer Konstatierungen der Koinzidenzen. (zeitlich-räumliche Koinzidenzen) Diese finden darin Ausdruck, dass zwei oder mehr Ereignisse dieselben Koordinaten (x, y, z, t) […] haben“.

Der Wortlaut dieses Ausdrucks sollte daher derart  m o d i f i z i e r t  werden:

„Physikalische Erfahrungen sind immer Konstatierungen der Koinzidenzen. Diese (:Konstatierungen der Koinzidenzen:) finden darin Ausdruck, dass zwei oder mehr Ereignisse gleichzeitig an einem Ort mit Koordinaten (x, y, z, t) […]konstatiert werden“.

Mit anderen Worten: Konstatierungen der Koinzidenz sind nicht „Ereignisse der Koinzidenz“, sie sind vielmehr „Ereignisse der Konstatierung der Koinzidenz“. Die Bezeichnung „Ereignis der Koinzidenz“ meint immer nur die vom Punkt ihrer Konstatierung verschiedene, aus der singulären Perspektive dieses Punktes gleichzeitig erfolgend erscheinende Ereignisse (A und B)…

Erst als wir gelernt haben, die Begriffe „Ereignis der Koinzidenz“ und „Ereignis der Konstatierung der Koinzidenz“ voneinander zu unterscheiden, können wir verstehen, warum an einem einzigen Punkt mit Koordinaten x,y,z,t die Konstatierung der Koinzidenz tatsächlich stattfinden kann, ohne dabei das ‚Prinzip der Gleichzeitigkeit‘ zu verletzen.

Es ist uns nun möglich, eine gültige Definition der Koinzidenz zu formulieren.


Definition der materiellen Koinzidenz von M. Zasada:
Ereignispunkte koinzidieren dann, wenn sie sich innerhalb einer Gegenwart begegnen oder dann, wenn ihre Gleichzeitigkeit innerhalb der Gegenwart eines Referenzsystems konstatiert wird.

Erst jetzt ist es uns auch möglich, folgenden Satz richtig zu verstehen.
A. Einstein: „Alle unsere zeiträumlichen Konstatierungen laufen stets auf die Bestimmung zeiträumlicher Koinzidenzen hinaus. Bestände beispielsweise das Geschehen nur in der Bewegung materieller Punkte, so wäre letzten Endes nichts anderes beobachtbar, als die Begegnungen zweier oder mehrerer dieser Punkte. Auch die Ergebnisse unserer Messungen sind nichts anderes als die Konstatierung derartiger Begegnungen materieller Punkte unserer Maßstäbe mit anderen materiellen Punkten, bzw. Koinzidenzen zwischen Uhrzeigern, Zifferblattpunkten und ins Auge gefassten, am gleichen Orte und zur gleichen Zeit stattfindenden Punktereignissen.“


Universalgültige Definition der Gegenwart:
Ein Ereignis geschieht innerhalb der Gegenwart, wenn es innerhalb seines exklusiven  raumzeitlichen Standortes mit keinem anderen Ereignis identisch ist.

Diese Definition ist universalgültig, denn sie entspricht sowohl dem Begriff der Gegenwart im Sinne der Relativitätstheorie, als auch dem Begriff der absoluten Gegenwart.

Definition der relativen Gleichzeitigkeit (allgemeingültig, d.h. gültig bezüglich ruhender und bewegter Systeme):
Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse A,B,C ist dann relativ, wenn sie sich entweder auf die Gegenwart eines Referenzsystems bezieht, und/oder* aus der Gegenwart dieses Systems konstatiert wird.

*) Abhängig davon, ob es sich um ruhende oder bewegte Referenzsysteme handelt.