Einstein: Reloaded.

von Maciej Zasada

Für Resi

Aussage 1: A. Einstein

„Physikalische Erfahrungen sind immer Konstatierungen der Koinzidenzen. Diese finden darin Ausdruck, dass zwei oder mehr Ereignisse dieselben Koordinaten xyzt bzw, x1…x4 haben“.

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Es stimmt nicht ganz, dass die physikalischen Erfahrungen immer nur Konstatierungen der Koinzidenzen sind. Die physikalischen Erfahrungen haben ja auch mit der Erfahrung des Universums als Ganzes zu tun. Gerade diese Erfahrungen waren beispielsweise für die Formulierung des Äquivalenzprinzips oder des Relativitätspostulats massgeblich.

Wir stellen uns mechanisch vor, wie die Welt funktioniert und bilden in unseren Modellen die Mechanismen ab, von denen wir glauben, dass sie beim Funktionieren der Welt eine Rolle spielen. Dies ist auch Physik. Aber auch in dem Fall, in dem die Modellvorstellung nichts mit der Physik zu tun haben soll, wenn unsere Vorstellungen nur metaphysisch sind, dann nennen wir halt dies, womit wir uns hier beschäftigen Metaphysik und üben unsere Wirkung auf die Physik von Außen aus, ich habe nichts dagegen.

Zurück zum Thema:

These z:Zwei oder mehrere Ereignisse können nicht dieselben Koordinatenwerte x1…x4 besitzen. Das Postulat Einsteins, dass „physikalische Erfahrungen immer Konstatierungen der Koinzidenzen sind, welche ihren Ausdruck darin finden, dass zwei oder mehr Ereignisse dieselben Koordinaten xyzt bzw, x1…x4 haben““ muss daher falsch sein.

Beweis 1: Drei Definitionen der Gleichzeitigkeit von Zasada.

Wir haben das Thema der Gleichzeitigkeit bereits ausführlich behandelt (hier). Wenn zwei oder mehrere Ereignisse dieselben Koordinaten besitzen, dann müssen sie gleichzeitig an einem Ort stattfinden. Es ist zwar vorstellbar, aber praktisch unmöglich, wenn das Postulat der Identität der Sache mit sich selbst seine Gültigkeit beibehalten sollte (siehe unten). Auch die Gleichzeitigkeit scheint hier eine unüberwindbare Hürde zu sein…

Definition der Gleichzeitigkeit von Einstein:Es seien A, B zwei Punkte des Inertialsystems K, etwa die Endpunkte eines relativ zu K ruhenden Stabes, dessen Mittelpunkt M sei. Von M werde ein Lichtsignal nach allen Seiten ausgesandt. Das Prinzip der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zwingt uns zu der Festsetzung, dass die Ankunqft des Lichtsignals in A und die Ankunft in B gleichzeitig seien. Damit haben wir eine physikalisch sinnvolle Definition der Gleichzeitigkeit gewonnen.“

Bitte beachten:
Diese Definition, obwohl durchaus sinnvoll, gilt nur für statische, unbewegte Inertialsysteme (die Gleichzeitigkeit ist auch für Einstein relativ). Außerdem koinzidieren hier nicht die Punkte A und B jeweils miteinander (im besagten Punkt mit Koordinaten xyzt), sondern die jeweiligen, um die Strecke A-B voneinander entfernten Anzeigen der „Gleichzeitigkeit“. Dieser Umstand zeigt, dass die obige Definition als Indikat der raumzeitlichen Koinzidenz unbrauchbar ist, und, ferner, dass ausschliesslich Ereignisse, welche voneinander entfernt sind, gleichzeitig geschehen können.

Die „Gleichzeitigkeit“ bedeutet wohl etwas anderes, als Einstein im Sinn hatte.

Definition der Gleichzeitigkeit 1:Zwei Ereignisse geschehen gleichzeitig, wenn für sie beide in keinem einzigen Bezugssystem innerhalb des gesamten Universums eine physikalische Möglichkeit besteht, den Augenblick des jeweils anderen Ereignisses wahrzunehmen, bzw. diesen Augenblick aus ihrer aktuellen Position zu registrieren (sprich: zu messen), denn egal wo und wann ihre Gleichzeitigkeit stattfindet, findet sie innerhalb einer und derselben Gegenwart statt.

Unabhängig davon, ob gleichzeitig erfolgende Ereignisse in verschiedenen Galaxien stattfinden oder in unmittelbarer Nähe zueinander, sie finden innerhalb einer einzigen Gegenwart statt. Allein dies ist entscheidend dafür, dass die Feststellung ihrer Gleichzeitigkeit prinzipiell unmöglich ist, nicht etwa die relative Entfernung der Ereignisse voneinander oder die Tatsache, ob sie sich geradlinig und gleichförmig bewegen oder nicht.

Die Unmöglichkeit der Feststellung der Gleichzeitigkeit bei weit voneinander entfernten Ereignissen leuchtet jedem ein. Es erreichen uns keine Signale von der Andromeda-Galaxie, welche dortige Gegenwart für uns beobachtbar, messbar und vergleichbar mit der Gegenwart irdischer Ereignisse machen würden. Man bemüht sich aber die Gleichzeitigkeit der Ereignisse zu bestimmen, welche in einer überschaubaren Entfernung zueinander stattfinden. Ich behaupte, dass generell keine Gleichzeitigkeitsmessung gelingen kann, denn „Gleichzeitigkeit“ schlicht „in der gemeinsamen Gegenwart erfolgend“ bedeutet.

Definition der Gleichzeitigkeit 2:Ereignisse geschehen gleichzeitig, wenn kein kausaler Zusammenhang zwischen Ihnen besteht, denn egal wo und wann ihre Gleichzeitigkeit stattfindet, findet sie innerhalb einer und derselben Gegenwart statt.

Wenn Ereignisse gleichzeitig geschehen, dann geschehen sie innerhalb einer und derselben Gegenwart. Dies bedeutet, dass die kausale Verbindung zwischen ihnen aus Prinzip ausgeschlossen ist, denn die Existenz einer kausalen Verbindung die Existenz einer zeitlichen Dauer voraussetzte, innerhalb derer, die Kausalität dieser Verbindung sich entfalten könnte, was im Fall der Gegenwart aus Prinzip unmöglich ist.

Definition der Gleichzeitigkeit 3: Ereignisse geschehen gleichzeitig, wenn kein zeitlicher Zusammenhang zwischen ihnen besteht, denn egal wo und wann ihre Gleichzeitigkeit stattfindet, findet sie innerhalb einer und derselben Gegenwart statt.

Dass eine Gleichzeitigkeit innerhalb der Gegenwart stattfindet, bedeutet, dass sie keine messbare Zeitlichkeit auszeichnet. Wäre es der Fall sein, müsste die Gegenwart einen messbaren zeitlichen Wert besitzen, also keine Gegenwart mehr sein.

Fazit zur Definition 3: Jede Diskussion über den jeweiligen Stand der Anzeige in den synchron laufenden, ruhenden oder bewegten Uhren ist, bezogen auf die Gleichzeitigkeit der Ereignisse, sowie auf ihre Gegenwart sinnlos, denn sowohl die Gleichzeitigkeit, als auch die Gegenwart mit der Zeit im Sinne einer messbaren Größe nichts zu tun haben.(

Fazit zu These z: Wenn zwei Ereignisse exakt dieselben Koordinaten haben, dann muss es sich bei ihnen um ein Ereignis handeln, nicht um mehrere.

Beweis 2: Postulat der Identität der Sache mit sich selbst: Ein Ereignis ist dann und nur dann mit sich selbst identisch (wesensgleich), wenn es (innerhalb seines Koordinatensystems x,y,z,t) nur aus sich selbst besteht.

Besteht ein Ereignis A aus mehreren Erscheinungen p,q,r, welche gleichzeitig mit ihm an einem und demselben Ort stattfinden (dies müsste der Fall sein, wenn A und p,q,r dieselben Koordinaten x,y,z,t besitzen), so ist A identisch mit p,q,r. Von einem selbstidentischen Ereignis A oder einer Koinzidenz des A mit p,q,r, kann dann keine Rede mehr sein: A und p,q,r sind dann identisch.

Aussage 2:A. Einstein

„Es zeigte sich, dass die Aussage der Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse nur in bezug auf ein Koordinatensystem (und nicht in bezug auf einen materiellen Bezugskörper! Anmerkung: mz) Sinn habe, dass die Gestalt von Messkörpern und die Ganggeschwindigkeit der Uhren, von deren Bewegungszustand (in bezug) zum Koordinatensystem (und nicht in bezug zum materiellen Bezugskörper: mz) abhängen müsse.“

Diese Aussage stellt unsere „Kritik“ in rechtem Licht.
Es zeigt sich, dass A. Einstein genauso dachte wie wir…
Es wurde bloß vergessen, und/oder von ihm selbst geschickt „verschleiert“. Die Bezugskörper (Bahn, Bahndamm, Mann, Kasten) verlieren ihren Sinn, wenn man mit gaußschen Koordinatensystemen arbeitet. Diese sind dann allgemeingültige Bezugssysteme…
Versteht das jemand da draußen?

Das eine ist die Koinzidenz oder die Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse A und B, das andere ist die Übereinstimmung beider Ereignisse in bezug auf ihre Koordinaten. Es ist durchaus möglich, dass Ereignisse in bezug auf die Koordinatenzeit gleichzeitig erfolgen, aber sie erfolgen dann an zwei verschiedenen (beliebigen) Orten des Koordinatennetzes. Wenn Koordinatennetz ein Bezugssystem der Koinzidenz ist, und nicht die Bezugskörper füreinander, dann ist die zeitliche Koinzidenz zweier Eregnisse selbstverständlich denkbar, allerdings für Ereignisse, welche räumlich voneinander entfernt sind (dass A und B gleichzeitig und an einem Ort stattfinden ist wg. Beweis 1 und 2 ausgeschlossen).

Verwandt: Prinzip der Gleichzeitigkeit