Universallogik: Die Beschreibung des Absoluten – Bemerkungen über die Exoperspektive Gottes. Der Verzicht auf den Wahrheitsbegriff in der Logik…und seine Konsequenzen.

von Maciej Zasada

Wenn die absolute Wahrheit nicht existiert, dann ist der Wahrheitsbegriff sinnlos.

108.) Die Paradoxie der absoluten Wahrheit: Wenn es keine absolute Wahrheit gibt, dann ist eben die Falschheit absolut.

(…denn was nicht wahr ist, ist falsch…und wenn allgemein nichts endgültig und vollständig wahr sein kann, erweist sich alles früher oder später als falsch, nicht wahr meine lieben Logiker?)

Gegen dieses tautologische Paradoxon lässt sich nicht sinnvoll argumentieren. Wenn sich keine Wahrheit abschließend behaupten lässt, weil sie sich früher oder später als unvollständig erweist, und wenn dadurch angenommen werden muss, dass jede behauptete Wahrheit falsch ist, dann ist die Falschheit der absolute (definitiv erreichbare) Erkenntniszustand.

These: Der endgültige Zweck der klassischen Logik besteht (daher) darin, die Falschheit jeder behaupteten Wahrheit aufzuzeigen.

Dies wäre aber die dialektische Katastrophe schlechthin.

Um sie zu vermeiden wäre die Errichtung eines widerspruchsfreien Systems der Falschheit oder der Verzicht auf die Wahrheitswerte überhaupt ist daher innerhalb der Logik notwendig. Die Errichtung eines widerspruchsfreien Systems der Falschheit ist aus offensichtlichen Gründen nicht realisierbar…was bleibt übrig?

109.) Grundannahme Z: Ex falso Quodlibet. 

Selbst wenn wir die prinzipielle Gültigkeit der „Grundannahme Z“ für jede Logik annehmen würden (und das tun wir sehr wohl), so könnte Z in ihrer klassischen Form nicht universell gültig sein, denn genauso wenig wie die Wahrheit, kann eine Falschheit innerhalb einer (universellen) Logik existieren (s.o./s.u.).
Wenn Sie den Grund dafür noch nicht begreifen, dann stellen Sie sich die universelle Logik als eine göttliche Rationalität, als eine mächtige Exoperspektive vor. Der Sinn dieser Operation bestünde darin, eine für Menschen unerreichbare, maximale Perspektive zu simulieren, mit dem Zweck, die eigene, fest mit dem menschlichen Wesen und mit der Oberfläche des Planeten verbundene Perspektive (die Perspektive eines Frosches) zu verlassen.

Ausgestattet mit dem maximal vorstellbaren (aber durchaus denkbaren) Überblick, könnten wir uns vorstellen, was Gott als ein universelles Wesen, als ein allmächtiger Schöpfer eines vollkommenen Gebildes über sein Werk denkt…und wir würden konstatieren (müssen), dass Gott darin keine Falschheit erkennen kann (denn sonst würde die Welt erkennbar Fehlerhaft sein, was sie wahrscheinlich nicht ist). Könnte Gott aber keine Falschheit der Welt erkennen, so könnte Er auch keine besondere Wahrheit darin sehen. Gott als die höchste logische Instanz müsste nämlich eine ausgewogene, universell gültige Rationalität auszeichnen. Schwer vorstellbar, in der Tat, aber wollen Sie wirklich Ihren Gott als ein kleinliches, rach- und selbstsüchtiges, in den sinnlosen Positionskampf verwickeltes Männchen ansehen?
Wenn Sie die Vorstellung einer Exoperspektive Gottes in Ihrem privaten Denkraum zulassen (die Gläubigen unter uns werden damit effektiv kein Problem haben, die übrigen überzeugt vielleicht die Tatsache, dass die Existenz Gottes innerhalb dieses perspektivenlogischen Modells keine Notwendigkeit ist – es handelt sich nur um die Vorstellung einer absoluten Instanz), dann lösen sich die meisten Probleme, die Sie mit der Welt haben in der Luft auf.

Seien Sie daher großzügig in Ihrer Vorstellung, lassen Sie `Gott`, als einer potenziell mächtigsten Bewusstseinsinstanz, den maximalen Wirkungsraum, unabhängig davon, ob Sie gläubig sind, oder nicht. Es geht einzig um den ideologischen Vorteil, den die Zulassung einer Exoperspektive (Gottes) mit sich bringt (dies ist allerdings der maximal mögliche Vorteil). Denken Sie jedenfalls nicht über Gott, wie Sie über Ihren Nachbar denken. Befreien Sie Ihn von der Krypto-Menschlichkeit und Sie befreien sich selbst davon. Woran Sie auch glauben mögen, übernehmen Sie die Perspektive Gottes – seien Sie nicht in der Lage, irgendeine Falschheit zu erkennen und vor allem assoziieren Sie diese nicht mit dem Bösen, denn gerade damit tun Sie Ihrem Gott und sich selbst (in der Vorstellung) Unrecht, denn gerade damit bescheinigen Sie sich die universelle Ignoranz, die Sie verachten und der Sie zu entkommen wünschen…

Die Vorstellung göttlicher Rationalität, erweist sich als ein Prisma, an dem sich das Licht der Erkenntnis bricht und in all seinen Primärfarben leuchtet. Nicht das Glauben an die Existenz Gottes (die im Licht dieser Erkenntnis freilich zweitrangig ist) ist hier der Schlüssel, sondern die Vorstellung eines an der Wirklichkeit universell teilnehmenden Wesens. Diese Vorstellung gerade, katapultiert in den Kosmos. Unabhängig davon, ob Gott in Wirklichkeit existiert oder nicht, völlig unabhängig davon, ob Du religiös bist, oder nicht: stell dir die Perspektive Gottes vor und übernimm sie als eigene Kategorie des Betrachtens und des Denkens. Du wirst dadurch freilich kein Gott sein, doch wie ein Gott zu denken, kann dir selbst Gott nicht verbieten.

Aus der Perspektive Gottes sind die Menschen nicht etwa deshalb keine ebenbürtige Gesprächspartner, weil sie besonders dumm sind – der Grund dafür, liegt allein in der Endlichkeit menschlicher Existenz. Es fehlt uns einfach die Sicht auf die großen und kleinen Zusammenhänge, welche einem ewigen Bewusstsein mit der Zeit klar werden (müssen). Die menschliche Lebenserfahrung und die Erfahrung darin, die Welt zu wahrzunehmen, geht zusammen mit dem betroffenen Einzelleben größtenteils verloren. Innerhalb der knappen Lebensspanne erkennen wir die Muster nicht, welche erst innerhalb der groß angelegten Zeiträume erkennbar sind. Wir sammeln die Erfahrung, werden u.U. klug, indem wir manches durchblicken, aber zusammen mit dem Körper, verliert sich die Spur unserer wesentlichen Weisheit im Nichts…und jeder von uns fängt immer und immer wieder bei Null an. Die Erfahrung und die Weisheit Gottes entstehen und bestehen dagegen fortwährend.

Die Idee der Exoperspektive Gottes ist eine evolutionäre Singularität, denn sie ist in der Lage, alles zu verändern…und sie ist dazu noch extrem virulent…wie die Singularität, die sich innerhalb eines Schwarzen Lochs befindet.

Messe deinen Denkraum in Parsec, nicht in Metern…


Die Vorbereitung der universellen Exoperspektive. Der Verzicht auf die Gültigkeit der logischen Wahrheitswerte.

Die Wahrheitskategorien sind unzertrennlich mit der klassischen Logik verbunden. Die Wahrheitsentscheidung ist der ganze Sinn und Zweck dieser menschlichen Logik und der Grund, warum sie nicht universell gültig sein kann.
Die Logik ist aber unmittelbar dafür verantwortlich, in welcher Wirklichkeit gelebt und gedacht wird.

Ist Dir, geschätzter Leser, überhaupt klar, wieviel Böses allein aus dem Grund generiert wird, dass sich die Wahrheit als ein unverzichtbarer Teil der logischen Entscheidungsmechanik etabliert? Ist Dir klar, wieviel Falschheit gleichzeitig mit Wahrheit entsteht (Falschheit, welche die logische Symmetrie stört und mühsam „bekämpft“ werden „muss“)?

109.1) These: Das Kriterium der Wahrheit ist aber keine notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Logik (mit anderen Worten: die Logik kann auch ohne den Maßstab der Wahrheit gültig sein und funktionieren).

Mehr noch:

109.2) These: Der Begriff der Wahrheit ist absurd.

Das Konzept einer aus Prinzip lokal und temporär gültigen Wahrheit, deren absolute Geltung einerseits ausgeschlossen ist, deren „Wahrheit“ andererseits sich logisch einwandfrei beweisen lässt und quasi absolut gilt, ist geradezu grotesk.
Die Störung der archaischen Ordnung ist daher Pflicht eines Jeden, der in der Lage dazu ist.

Wissen Sie, was ich von der Wahrheit, welche nicht absolut ist, denke? Ich denke, dass eine solche Wahrheit ganz einfach falsch ist. Und ich muss diese Behauptung nicht einmal mit Beweisen stützen – die Beweispflicht liegt nämlich bei denen, die das Gegenteil behaupten, denn was kann man schon gegen den Gedanken einwenden, dass jede aktuell geltende Wahrheit, deren Falschheit erst in Zukunft erkannt wird, bereits jetzt falsch ist?

110.) Chronologischer Beweis der Falschheit jeder zeitbezogen geltenden (nichtabsoluten) Wahrheit.

110.1) These: Wäre eine Behauptung C hier und jetzt als wahr erkannt und in Zukunft um die neuentdeckten oder dann geltenden Aspekte vervollständigt, wäre sie bereits hier und jetzt unvollständig, d.h. C wäre bereits in ihrer aktuellen Form (in Bezug auf ihre künftige Form) falsch.

110.1.1) Beweis: Jeder heutige Zustand wird in Zukunft nicht mehr aktuell sein; seine künftige Form wird daher in Relation zu den in Zukunft jeweils aktuellen Zuständen stehen und sich anpassen, und entweder (effektiv) differiert überdauern oder unverändert untergehen müssen – dass sich Dinge wie Wahrheitskriterien verändern ist also sicher – daher ist es sicher, dass sich die Wahrheiten mit der Zeit verändern und nicht absolut sind, qed.

110.1.2) Konsequenz: Wenn eine Wahrheit W zum Zeitpunkt t ausgesprochen oder erkannt wird, deren Form oder Inhalt im Laufe der Zeit variieren, dann ist sie keine absolute Wahrheit, sondern eine, die, um weiterhin als Wahrheit zu gelten, um neue Aspekte oder Verbindungen vervollständigt werden muss, dann ist W aber bereits zum Zeitpunkt t unvollständig und als solche per se keine Wahrheit. Wäre W absolut, wären ihre Form und Inhalt unabhängig von Raum und Zeit unveränderlich.

110.1.3) Konsequenz: Wird eine erkannte und/oder ausgesprochene Wahrheit invariant konserviert (beispielsweise in Form einer „heiligen Übertragung“ wie die Bibel oder der Koran es sind), verliert sie mit der Zeit die Verbindung mit den Aspekten der Zukunft, welche potenziell in der Lage wären, sie zu vervollständigen. Ohne diese Verbindung wird sie zunehmend unfähig, noch als eine Wahrheit zu funktionieren… Konservatismus ist nämlich, und zwar angesichts der Ewigkeit, kein realisierbares Projekt.

Gibt es aber die absolute Wahrheit, bzw. gibt es die absolute Erkenntnis der Wahrheit?

Das Konzept der Wahrheit an sich ist absurd – dies ist wohl die absolute Erkenntnis, welche die Wahrheit betrifft.

111.) Universallogische Alternative: Innerhalb der Universallogik wird das Maß der Adäquatheit nicht durch die Wahrheit, sondern durch die Vollständigkeit der Aussagen ausgedrückt.

Ich kann akzeptieren, dass sich die Gläubigen aller Richtungen mit den logischen Argumenten für die Superiorität ihrer jeweiligen „Wahrheit“ mehr oder minder erfolgreich und mehr oder minder kultiviert überwerfen, aber ich werde nicht akzeptieren, dass für ihre Bemühungen die Logik missbraucht (entstellt) wird. Denn dann müsste ich akzeptieren, dass zwischen dem Glauben und der Logik kein Unterschied besteht. Ich aber bin der Meinung (um in der Metaphysik des Glaubens zu verbleiben), dass wenn schon Logik mit etwas identisch sei, dann mit Gott und nicht mit Religion (hört mir zu, Ihr üter des „einzig Wahren“, Eure jeweilige Religion ist nicht mit Gott und nicht mit Logik identisch.  Ich entreisse Euch das Unverzichtbare und den Schatz, mithilfe dessen, die Massen geblendet und versklavt werden: die Wahrheit und ihre Endgültigkeit, denn diese selbst für Gott keinen Wert besitzen…nur für Euch…einen wahrlich unermesslichen Wert…der zwar reell nicht existiert…der aber in Eurem Namen, den Wahnsinn fortbestehen lässt.)

Schluss damit. Schluss mit der archaischen Welt.