Theorie der Zeit XXVIII. Über die Absolutheit (der Universalzeit). Über die Erkenntnis des Absoluten.

von Maciej Zasada

79.) Die im Kapitel Theorie der Zeit XXIII präsentierte Vorstellung der absoluten und universellen Gegenwart, macht gleichsam absolute und universelle Zeit vorstellbar.

Die Zeit als ein Phänomen scheint erst durch die als Information erkennbare und als Maßstab bewertbare Periodizität einen erfahrbaren Ausdruck zu bekommen (mit anderen Worten: es ist denkbar, dass die Periodizität das Wesen der Zeit ausmacht). Die Veränderung (der Wert der Entropie pro Zeiteinheit) scheint darin zusätzlich eine maßgebliche Rolle zu spielen.

Die Veränderung und ihr Maßstab dürfen aber für die Statuierung der Universalzeit irrelevant sein, denn auch diejenigen Maßstäbe, welche notwendig überall im Universum dieselbe Periodizität anzeigen (molekulare oder atomare Schwingungsquellen liefern überall im Universum identische Oszillationsperioden) unterstehen, anhand der seriellen Information-Übertragungsordnung, welche offensichtlich innerhalb des materiellen Universums gilt (und welche letztendlich auch dafür verantwortlich ist, dass überall im Universum eine endliche und eine universell gültige, d.h. überall identische Grenzgeschwindigkeit der Informationsübertragung gemessen wird), den relativistischen Verschiebungen.

79.1) Keine Periodizität innerhalb des materiellen Universums kann daher als universal (im Sinne allgemeingültig) und absolut gedacht werden, außer der Periodizität des Universums selbst.

Besitzt das Universum als Ganzes nämlich einen Spin oder eine Dauer, welche sich womöglich noch zyklisch wiederholt (wie etwa sich abwechselnde Entfaltungs- und Kontraktionsphasen), dann wäre das Modell einer absoluten und einer universell gültigen Zeit denkbar (diese würde auf der jeweiligen Periodizität des gesamten Universums und nicht auf der Periodizität der darin fortschreitenden Prozesse fußen).
Wenn für Instanzen der universalen Gegenwart keine Effektzeit, keine Kausalität der Ereignisse (ja keine Ereignisse mehr), keine Vergangenheit und keine Zukunft gilt (Theorie der Zeit XXVII / 78.1.5); wenn sie außerhalb der Zeit, daher ewig und unveränderlich sind, dann kann man sich durchaus vorstellen, dass eine besondere Zeitordnung existiert, welche speziell für sie gültig und verbindlich sei. Diese könnte durchaus als „universal“ bezeichnet werden, denn sie gälte zugleich für das Universum als Ganzes, als auch für die Instanzen, welche gerade darin, nicht aber innerhalb der Effektzeit stattfinden und mit sich selbst- sowie wechselseitig identisch, d.h. nicht unterschiedlich sind (Theorie der Zeit XXIII / 62.) – wobei „nicht unterschiedlich“, bzw. „identisch“ nicht unbedingt eine formelle Identität meint, sondern vielmehr das Fehlen eines erkennbaren Sinnes für die Markierung eines Unterschieds.

79.2) Vorbereitung des logischen Durchbruchs: Den Unterschied zu erkennen, auch den wichtigsten: den zwischen dem eigenen, schützenswerten „Ich“ (oder „wir“) und der Außenwelt; den Unterschied (beispielsweise sprachlich) zu markieren, d.h. von der Zweckmäßigkeit und von der Notwendigkeit überzeugt sein, das Absolute am Unterschied eindeutig erkennen und bezeichnen zu müssen ist der Zweck und der Existenzgrund der ausschliessenden Wahrheitslogik.
Die Erkenntnis, dass ein parallel gültiger Raum der logischen Wechselwirkung existiert, in dem diese Zweckmäßigkeit, bzw. Zweckdienlichkeit nicht vorhanden ist, ist gleichbedeutend mit der Gründung einer neuen Qualität der logischen Resonanz mit dem, was wirklich, und mit dem, was an sich ist.

79.3) Behauptung: Die Existenzdauer des Universums zwischen dem zyklisch aufkommenden höchsten und dem niedrigsten Entropiegrad ist die Oszillationsperiode der Universalzeit.

Mit dieser Behauptung begründen wir nicht nur den mechanischen Sinn der Universalzeit, wir befreien uns somit von der dominierenden Gültigkeit der „Logik der Werte“, in welcher Bedeutungen und Unterschiede (und Grenzen zwischen ihnen) für die Erkenntnis kritisch (explizit, fundamental) sind.
Die aussagenlogische Perspektive (und ihre Sprache) benötigt stets externe Bezugspunkte um Dinge innerhalb der Kontexte zu positionieren. Sowohl materielle, wie ideelle Dinge benötigen, um erkannt und benannt zu werden, einen konkreten Platz im Netz von Bedeutungen, Orten und Zeit.
Dies führt aber grundsätzlich und natürlich zu Widersprüchen, denn gerade die eindeutige präzise Objektivierung der Dinge sowohl in Bezug auf sie selbst (wann beginnt und wann endet eine Sekunde, wann genau beginnt die andere? / ist eine unvollständige (und in der Zahl ihrer Bestandteile stets abnehmende) Existenz eine vollständige? Ab welchem Grad der Unvollständigkeit ist sie es nicht mehr?), als auch auf ihren Kontext (was macht den Unterschied aus, zwischen den Menschen, denen wir im Alltag und denen wir im Traum begegnen? Was ist die Wirklichkeit und was die virtuelle Wirklichkeit des Traums, der Lüge etc? Wo genau verläuft die Grenze zwischen ihnen?) sehr problematisch, bzw. grundsätzlich nicht möglich ist.

Um über die absolute und universelle Gesamtheit, in Kategorien des Absoluten und des Universellen zu sprechen, wird kein externer Bezugspunkt, der das Gesagte relativieren und im Netz der Kontexte positionieren würde, benötigt. Indem wir die Grenze des Denkbaren mittels einer (nun) universellen Sprache erreichen und überwinden (indem wir eine Logik entwickeln, welche unabhängig von der Logik der Wahrheitswerte operiert (indem wir eine Logik gründen, welche keine Regeln enthält, über die Entscheidung des Wahrheitsgehaltes der Aussagen, indem wir grundsätzlich sämtliche Aussagen, die in Kontext dieser Logik getroffen werden, für wahre Aussagen halten [indem wir nämlich entscheiden, dass sämtliche Aussagen, unabhängig von ihrem Wahrheitswert, apriorisch, bedingt durch Kategorie, deren sie allesamt angehören (nämlich die Kategorie der Information), grundsätzlich wahr sind] (siehe: Über die Universalität der Universallogik“, siehe: Theorie der Zeit XXX) {indem wir schliesslich die semantische Rückkopplung und Rückkopplungsschleife als das erkennen, was sie wirklich sind, siehe das Ende des vorliegenden Kapitels}, erreichen wir das mittels der Wahrheitslogik generell unerreichbare Absolute.

79.4) Die Wahrheit der Falschheit.
(Die Falschheit zu erkennen heißt das Wahrsein des Falschen zu erkennen. Das Erkennen ist nämlich grundsätzlich ein Akt der positiven Identifizierung, auch dann, wenn es sich bei dem Erkannten / Identifizierten um eine Falschheit handelt.
Es ist offensichtlich, dass die Gegenüberstellung der Wahrheitswerte ‚wahr‘ und ‚falsch‘, welche die Grundlage der
ausschliessenden Wahrheitslogik bildet, keine gültige Gegenüberstellung der sich ausschliessenden Wahrheitswerte im logischen Sinne ist.
Jede erkannte Falschheit ist nämlich zugleich als Produkt eines Erkenntnisprozesses zu bezeichnen. Am Ende eines jeden abgeschlossenen Erkenntnisprozesses steht aber eine positive Erkenntnis: eine erkannte Wahrheit.
Jede erkannte Falschheit ist daher desto gültiger (‚gültig‘ im Sinne ‚als wahr erkannt und als wahr geltend‘), je mächtiger sie als eine positive Erkenntnis (erkannte Wahrheit) ist. Es ist sinnlos über Wahrheit zu sprechen, wenn eine erkannte Falschheit wahr ist.

(Das Attribut der Universalität wird der Wahrheitslogik aberkannt.)

Wenn allerdings erkannt wird, dass sämtliche logischen Aussagen grundsätzlich wahr sind, dann ergibt sich konsequenterweise kein Grund für eine präzise Konnotation und für eine eindeutige Unterscheidung, dann aber ergibt sich auch kein Grund für die Erkennung eines bestimmten Zustandes und seiner in der Effektzeit erfolgenden Veränderung mitsamt ihrer Maßstäbe und Einheiten. Es ergibt sich kein Grund für die Legitimierung der logischen Analyse, welche an sich destruktiv ist, und geradewegs in die Desemantisierung der Begriffe der Sprache führt.
Diesen nachvollziehbaren Erkenntniszustand zu erreichen, bedeutet nicht weniger als den absoluten Einblick in die universelle Struktur der Realität zu erhalten.
Jetzt ist die Vorstellung der Universalzeit nicht bloß denkbar – sie ergibt sich als notwendige Konsequenz der errungenen Einsicht.

Der ultimative Punkt, den der maximal fortgeschrittene Geist mittels der wahrheitslogischen Erkenntnis erreichen kann, ist die Erkenntnis, dass das Schweigen der höchste Ausdruck der absoluten Erkenntnis (Wittgenstein: ‚Tractatus‘ als Ausdruck der absoluten Erkenntnis), oder dass die absolute Erkenntnis, die notwendige Nichtexistenz der absoluten Erkenntnis sei. (Die absolute Erkenntnis kann jedenfalls nicht mittels der Sprache der Wahrheitslogik formuliert werden, denn sie lässt sich nicht mit Worten ausdrücken, welche sie nicht absolut präzise bezeichnen. Am Ende jeder logischen Wortanalyse steht aber die vollkommene Desemantisierung der Sprache – es lassen sich keine Bedeutungen aufrechterhalten – was eine Erscheinung einer „roten Rose“ ist und was, im Unterschied dazu, eine sprachliche Bezeichnung der „roten Rose“, was die Bedeutung der Farbe „rot“, welches „rot“ entspricht genau der Bezeichnung „rot“ und wo verläuft genau die Grenze zwischen „rot“ und „fast rot, doch etwas bläulich, nicht wahr?“ und warum verläuft sie für mich anders als für Tercep Yadiridim Erdogan?  Die ausschliessende Wahrheitslogik verlangt per definitionem formelle Präzision des Ausdrucks, die logische Sprache (auch eine vollständig formalisierte, mathematische) liefert höchstens eine endlich feine Auflösung der Annäherung der Bezeichnung an das Bezeichnete. Das Gebot des Schweigens erscheint hier nur konsequent zu sein.)

Der ultimative Punkt, an dem wir uns jetzt, im Entwicklungsursprung der Universallogik befinden, versetzt uns sprunghaft in die Lage, über das Absolute nicht nur klar zu denken, sondern auch unsere Gedanken darüber klar (und mutig) auszudrücken, womit klar wird, dass das Gebot des Schweigens überwunden wurde: wir stehen unbeschädigt da und reden klar.

Wir denken also über die Zeit nach, und wir erhalten die Möglichkeit, über die Zeit differenziert nachzudenken. Gleichzeitig erkennen wir aber, dass wir dadurch in die Lage versetzt werden, über alles andere differenziert(er) nachzudenken. Dies ist der Nebeneffekt und die Konsequenz der Weiterentwicklung des inneren Widerspruchs, der ursprünglichen Schleife, welche uns im Grunde zu dem macht, was wir sind (am Anfang des differenzierten Denkens steht die Fähigkeit, den primitiven, den ursprünglich jedem Tier angeborenen Mechanismus der Reaktion auf Reize und Stimuli der Umwelt rekursiv auf sich selbst zu richten und auf sich selbst (und auf das eigene Denken) zu beziehen – das differenzierende Denken besteht darin, die selbstbezügliche Rückkopplungsschleife dieses Mechanismus, ihre Resonanz, zu perfektionieren, d.h. in eine Harmonieschwingung mit der Resonanz der empfangenen Information zu bringen).