Theorie der Zeit XXVI. Die Zeit tickt nicht. Über Kausalität im Kontext der Zeit. Def. des Universums I.

von Maciej Zasada

Der Begriff „Zeit“ war übrigens bisher, noch bevor die zeitbezogene Lochstreifen-Metapher formuliert wurde, semantisch unteilbar. Eine begriffliche Differenzierung des Phänomens war folglich beinahe unmöglich. Dies hat sich nun geändert – es ist leichter geworden, das, was wir undifferenziert als „Zeit“ bezeichnen, aufzuspalten und seine Bestandteile einzeln und aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Dadurch entsteht die Möglichkeit, das Phänomen „Zeit“ zu objektivieren. Diese Möglichkeit nutzen wir nun, soweit es uns möglich ist, aus.

69.) Postulat: Mit der Sentenz ‚Die Zeit tickt nicht‘ drücken wir aus (postulieren wir), dass das Ergebnis der Messung, welche mittels einer Uhr durchgeführt wird, nicht einfach als „Zeit“ zu bezeichnen ist.

Das Ergebnis der Messung, welche mittels einer Uhr durchgeführt wird (sg. „Zeitmessung“), ist im gleichen Sinne keine „Zeit“, wie das Ergebnis der Messung, welche mittels einer Waage durchgeführt wird, keine „Masse“ ist.

Sowohl das Ergebnis einer mittels einer Uhr, als auch das mittels einer Waage durchgeführten Messung sind variable Ordnungswerte, welche von dem jeweiligen Rahmenbedingungen [von der Schwerkraft des Himmelskörpers, auf dem gewogen wird beispielsweise, oder von der Relativität (der Zeit in den beteiligten Bezugssystemen)] abhängig sind.

70.) Perspektive: Das Ergebnis der Messung, welche mittels einer Waage durchgeführt wird, bezeichnen wir als (ermitteltes) „Gewicht“.

Das Gewicht eines Gegenstandes hat zwar mit seiner Masse zu tun, es wird aber durch die wirkende Schwerkraft des Himmelskörpers bestimmt, auf dem gewogen wird. Somit beträgt das Gewicht eines bestimmten Gegenstandes auf dem Mond ca. acht Mal weniger als auf Erden.

70.1) Das Gewicht eines Gegenstandes ist von seiner Masse abhängig, seine Masse ist jedoch unabhängig von seinem Gewicht – die Masse ist nämlich eine physikalische Größe, die auch in der Schwerelosigkeit relevant* ist, also gerade dort, wo die Gegenstände überhaupt kein Gewicht besitzen (also dort, wo der funktionelle und der logische Sinn einer Waage nicht existiert). Das Gewicht ist daher eine Größe, welche nur unter bestimmten Bedingungen messbar ist, und Wirkung zeigt (die Wirkung des Gewichts bezogen auf die Messung ist der Ausschlag einer Waage, der sich unter dem Einfluss der Gravitation vollzieht).
Erst das absolute, das invariante „Gewicht“ kann (und muss) als Masse bezeichnet werden.
Das Gewicht ist daher in demselben Sinne ein ortsabhängiger Effekt der invariablen Masse, wie die Effektzeit ein ortsabhängiger Effekt der invariablen, absoluten Universalzeit ist.

71.) Gegenperspektive: Wir bezeichnen den ermittelten Wert der Messung, welche mittels einer Uhr durchgeführt wird, als eine „Dauer“ oder als einen „Zeitpunkt“. Die Dauer und der Zeitpunkt eines Ereignisses haben zwar unmittelbar mit der Zeit zu tun, sie werden aber durch die relativistische Effekte (die Bewegung des Messsystems relativ zu dem Gemessenen, die Bewegung des Gemessenen relativ zu dem Messsystem, allgemein: Standort-und Zustandsrelativität) bestimmt.

71.1) Konsequenz: Wenn das Gewicht im gleichem Verhältnis zur invariablen Masse steht, wie die Effektzeit zur Universalzeit, dann sollte die invariable Universalzeit unabhängig von der Effektzeit sein – die invariable Universalzeit galt nämlich bereits vor der Entstehung des materiellen Universums, also dann, als noch keine observablen „Ereignisse“ stattfanden (also dann, als die Effektzeit als ein Effekt der räumlichen Verteilung der Ereignisse nicht vorhanden war…da der logische Sinn der Effektzeit >wie der Sinn einer Waage in der Schwerelosigkeit< fehlte)

71.1.1) Beweis: den Beweis für 71.1) enthalten Kapiteln: 54.) / 54.1) / 54.1.1)

72.) Behauptung: Einsteins „Definition“ der Zeit als einer „Stellung des kleinen Zeigers meiner Uhr“, gilt ausschliesslich innerhalb der Effektzeit.

Eigenschaften der Effektzeit: Kausalität, Wirklichkeit, Raum, (fortlaufende) Zeit, Materie, Ereignisse.
Eigenschaften der Unversalzeit: Gegenwart, Ewigkeit, Unveränderlichkeit.

72.1) Wenn eine Messung, welche mittels einer Uhr durchgeführt wird, keine Zeit sondern „Dauer“ oder relativen „Zeitpunkt“ der Ereignisse misst, dann wäre die Uhr kein Detektor der unabhängig existierenden Zeit, sondern, wie eine Waage, die einen lokal gültigen Wert des Gewichtes angibt, ein Indikator eines lokal auftretenden Effektes einer universal gültigen Größe.

72.2) Beides, die Dauer und der Zeitpunkt der Ereignisse sind daher standortabhängige Effekt-Werte, anhand derer sich ausschliesslich auf den lokal geltenden Relativitätswert der Zeit schliessen lässt (womit der direkte Zugang zur universellen Information der Zeit verunmöglicht wird).
(Allgemein gilt nämlich: wird eine bestimmte Information von vielen ausgewählt, werden die übrigen ausgeschlossen).

72.3) Der Satz „In der Ordnung der Zeit offenbart sich die kausale Ordnung der Wirklichkeit“ ist genauso richtig oder falsch wie der Satz „Durch die kausale Ordnung der Wirklichkeit offenbart sich die Zeit“ oder „Es gibt keine Zeit, nur die „kausale“ Ordnung der Ereignisse, welche einander vorausgehen oder einander folgen und (bezogen auf ihre jeweilige Gegenwart) niemals gleichzeitig geschehen)“.

72.4) Behauptung der Kausalität innerhalb der Effektzeit: Die kausale Ordnung des Geschehens ist sequenziell. Eine Gleichzeitigkeit findet grundsätzlich nicht statt.

72.5) Konsequenz: jedes Geschehen ist kausal bedingt. Jedes Ereignis ein Effekt einer bestimmten, in der Zeit kodierten Ursache.

73.) Wenn Dinge grundsätzlich nicht gleichzeitig geschehen, dann muss sich eine (kausale) Ordnung ihrer Reihenfolge automatisch ergeben (Manches geschieht nämlich vor dem Augenblick einer singulären Gegenwart, Manches danach), doch diese Ordnung ist nicht Zeit – sie entsteht unabhängig von der Zeit, und zwar indem eine sequenzielle Ordnung des Geschehens erkannt und einer lokal gültigen Periodizität angepasst wird.

73.1) Die sich somit ergebende kausale Ordnung ist ein Effekt der sequenziellen Prozessordnung der Wirklichkeit.

73.2) Behauptung: Die sequenzielle Prozessordnung der Wirklichkeit ist die Daten-Übertragungsordnung der Effektzeit
(Eigenschaften: Singularität der individuellen Gegenwart / Kausalität)

73.3) Behauptung: Die parallele Prozessordnung der Wirklichkeit ist die Daten-Übertragungsordnung der Universalzeit.
(Eigenschaften: Parallelität der Gegenwartsinstanzen / universelle Gleichzeitigkeit der Gegenwart)

74.) Die Kausalität. Es existieren zwei perspektivische Ordnungen der Kausalität:

1. die Perspektive eines unbeteiligten Beobachters
2. die Perspektive eines unmittelbar Beteiligten.

Ad 1. Das Bezugssystem der perspektivischen Beobachterordnung ist Stand- und Zeitpunkt abhängig (der unbeteiligte Beobachter als variables Bezugssystem des Geschehens: standpunktabhängige Relativität (der „Zeitigkeit“), sowie die Gleichzeitigkeit der Ereignisse sind möglich).
Die perspektivische „Objektivität“ ist eine „Eigenschaft“ der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters.

Ad 2. Das Bezugssystem der perspektivischen Beteiligten-Ordnung ist absolut und bezieht sich auf die jeweilige Gegenwart des Beteiligten (der Beteiligte als Beobachter: Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse ist möglich, seine Gegenwart gilt aber als invariables Bezugssystem der „Zeitigkeit“ des Geschehens. Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse und der eigenen Referenzgegenwart ist unmöglich).

75.) Definition des Universums I: Das Universum ist ein allumfassender Prozess, bei dem es sich um die allmähliche Vervollständigung des endgültigen Endzustandes handelt.

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*) Impuls und kinetische Energie eines sich in Bewegung befindenden Systems stehen stets in Proportion zu seiner Masse.