Theorie der Zeit XXIII. Definition der Zeit II. „Lochstreifen-Metapher“: über die universelle Gleichzeitigkeit der Gegenwart.

von Maciej Zasada

Die Gleichzeitigkeit der Gegenwart ist im Modell des kontrahierenden, anders als in dem des expandierenden Universums, eine logische Voraussetzung seiner logischen Gültigkeit. Die Gegenwart im Modell des kontrahierenden Universums muss nämlich unbedingt als universell angenommen werden. Sie bildet schließlich innerhalb dieses Modells den diesseitigen „Rand“ des Universums, der unmöglich asynchron (im Sinne „nicht überall gleichzeitig“) verlaufen kann (es träten sonst unüberwindbare Wirklichkeits- und Zeitparadoxa auf.
Da es aber offensichtlich unzählige Entitäten existieren, welche im Raum verteilt, eine individuelle „Version“ der Gegenwart „erfahren“, entstand hier die Systematik der individuellen Gegenwartsinstanz.

Eine im Raum verteilte Gegenwart wäre aber im Rahmen der Relativitätstheorie (anhand der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit als Grenzgeschwindigkeit im Universum) ausschliesslich asynchron vorstellbar. Eine segmentierte Gegenwart wäre innerhalb der Raumzeit standpunktbezogen und nicht „absolut“. Die absolute und universelle „Gleichzeitigkeit“ der Gegenwart, welche die Grundbedingung des Modells des kontrahierenden Universums ist, hätte eine andere theoretische Grundlage benötigt.

Wie ließe sich dann der Mechanismus der Aufspaltung (und des Übergangs) der universellen und absoluten Gegenwart in die individuell erfahrbare, raumzeitliche (und standpunktbezogene) Gegenwart der Gegenwartsinstanz denken?

Die Lösung des Problems bietet der Mechanismus, welcher in der Lochstreifen-Metapher deutlich geworden ist. Dieser erklärt hinreichend die Mechanik des Übergangs, gründet aber zugleich eine neue Perspektive auf die Wirklichkeit als solche und auf die Zeit; eine Perspektive, die sich von der relativistischen Sicht deutlich unterscheidet, denn wird eine absolute und universell gültige Gegenwart denkbar, so kann man sich eine absolute und universell gültige Zeit sehr gut vorstellen. Diese Vorstellung dürfte aber die essenziellen Grundlagen heutiger Physik sprengen.

 

61.) Universalzeit und Effektzeit innerhalb der Lochstreifen-Metapher.

Wir behaupten also, dass der „Wert“ der Gegenwart in ihrer jeweiligen Instanz singulär ist: wir behaupten die singuläre Selbstidentität einzelner Gegenwartsinstanzen (was durchaus konform mit den Vorschlägen der Relativitätstheorie ist), andererseits aber postulieren wir die Existenz der universellen Gegenwart und die absolute Identität der Gegenwartsinstanzen untereinander (was der Relativitätstheorie widerspricht, was aber eine Grundvoraussetzung unseres Modells ist und bleibt). Die Zusammenführung dieser zwei Gegenwartsordnungen müsste unvermeidlich zu Widersprüchen führen, denn dies würde nicht nur die physikalischen, sondern auch die logischen Grundlagen der Wirklichkeit, wie wir sie verstehen, infrage stellen.
Dank der „Lochstreifen-Metapher“ sind aber auch diese zwei Ordnungen zugleich denkbar geworden. Demnach existierte zum einen die Ebene der Effektzeit, in der die Relativitätstheorie Anwendung fände und in der eine konkrete Gegenwart eine unikale Singularität innerhalb des gesamten Universums besäße (die Ebene des „metaphorischen“ Lochstreifens); zum anderen existierte die Ebene der Universalzeit, in der eine absolute Gegenwart gälte, und zwar für sämtliche Gegenwartsinstanzen des gesamten Universums (die Ebene des „metaphorischen“ „Ausleseapparates“/“Lesekopfes“, an dem entlang, der Lochstreifen sich gleichmäßig bewegen würde). Die Ebene der Universalzeit bildete eine Instanz der Gültigkeit der gemeinsamen Gegenwart sämtlicher Gegenwartsinstanzen des gesamten Universums.
Es entsteht somit eine gemeinsame logische Plattform der absoluten Gegenwart der Universalzeit und der relativen Gegenwart der Effektzeit.
Die einzelnen Gegenwartsinstanzen, obwohl innerhalb des Raumes voneinander entfernt und daher aus Prinzip in relativistischen Beziehungen zueinander stehend, können daher zugleich sowohl als sich selbst (relativ), als auch gegenseitig (absolut) identisch betrachtet werden.

 

62.) Die Behauptung der Identität sämtlicher Gegenwartsinstanzen im Universum.

Behauptung: Dadurch, dass die Gegenwart auf der universellen Ebene der Wirklichkeit absolut ist, müssen sämtliche Gegenwartsinstanzen im gesamten Universum nicht nur selbst-, sondern auch gegenseitig identisch sein.

Dies ist der Grund, warum die archaische Welt so viel Unsinn enthält: wir haben miteinander viel mehr zu tun, als es uns gemeinhin scheint und als es uns manchmal lieb ist. Wir sind offenbar auf eine gewisse Art dasselbe, und nicht nur wir Menschen – jedes Lebewesen, und nicht nur hier auf Erden – überall im Universum. Diese Verwandtschaft verbindet uns viel tiefer als unsere Familienbande, sie ist eine gegenwartsbezogene Selbst-Identität.
Kriege miteinander zu führen, sich gegenseitig ausnutzen, voneinander klauen, einander berauben, vergewaltigen, morden, kann daher, anhand des logischen Folgerns und nicht bloß anhand der ethischen Begutachtung, als reiner Unsinn bezeichnet werden.

Zur Erinnerung (und als Hinweis, dass nichts hier aus der Luft gegriffen wird):

35.) Behauptung: Im gesamten Universum gilt eine einzige Gegenwart.

Unabhängig davon, wo sich ihre jeweiligen Instanzen (im Raum) befinden: die Gegenwart findet überall synchron im demselben (maximalen) raumzeitlichen Abstand zum Urknall statt. Das heißt, dass die Gegenwart ein Phänomen ist, das zwar ein integraler Bestandteil des Universums ist, das aber keine Schnittmenge mit der Raumzeit besitzt (womit klargestellt wird, dass sie Materie nicht betrifft).

35.1.) Definition der Gegenwart: Die Gegenwart ist ein geometrischer Punkt am Ereignishorizont (im Brennpunkt) des kontrahierenden Universums. Sie ist der raumlose Ort, an dem die quantenmechanische ψ-Funktion kollabiert und der einzige Ort, an dem Realität stattfindet.

35.1.1) Anmerkung i: die Gegenwart ist nicht räumlich, sie muss daher nicht an einem (einzelnen) Ort stattfinden. Besäße sie räumliche Eigenschaften, müsste sie es notwendig.

35.1.2) Anmerkung ii: die Gegenwart besitzt Instanzen, sie selbst ist aber keine singuläre Instanz. Der Raum des Universums entstand aus dem Grund, dass die Gegenwart keine Instanz ist und dass sie keinen Ort besitzt. Besäße Gegenwart einen singulären Ort, wäre ein materielles Universum, in dem die Gegenwartsinstanzen im Raum (verteilt) existieren, nicht möglich.

35.1.3) Anmerkung iii: es ist offensichtlich der Fall, dass die Gegenwart Ortsunabhängig ist (es gibt nämlich räumlich getrennte Gegenwartsinstanzen).

35.2) Definition der Gegenwartsinstanz: Eine Gegenwartsinstanz ist eine immaterielle Entität, die an den Ereignissen der Realität unmittelbar beteiligt ist.

35.3) Jede Gegenwartsinstanz ist von der Raumzeit umgeben.

35.4) Die Raumzeit, welche die Gegenwartsinstanzen umgibt und untereinander trennt, bewirkt, dass Gegenwartsinstanzen füreinander in der Vergangenheit stehen, obwohl ihre Realität an sich synchron abläuft und ihre Gegenwart absolut gleichzeitig stattfindet.
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50.) Definition der Zeit I.

Anhand der festgestellten Selbstidentität der Gegenwart und ihrer (die Zeit begründenden und in der Zeit erfolgenden) Iteration, lässt sich Zeit als Prozess definieren, in dem nach jedem Iterationsschritt ein Raumquant entsteht, der mindestens eine Gegenwartsinstanz beinhaltet und sich bereits, bezogen auf die Gegenwart dieser Instanz, in der Vergangenheit befindet.
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Anhand dieser Definition entsteht ein schlüßiges Wirklichkeitsmodell, in dem sich sowohl Zeit und Raum, als auch Gegenwart und Vergangenheit, als auch Geist und Materie als gleichwertige Bestandteile des kontrahierenden, idealsymmetrischen Universums (kodierte Realität und wirkende Wirklichkeit) beschreiben lassen.