Theorie der Zeit XXII. Definition der Zeit II: die „Lochstreifen“-Metapher.

von Maciej Zasada

Ich habe festgestellt, dass meine „Definition der Zeit“ (Die Zeit ist diejenige Ebene der Wirklichkeit, in der die Informationen über sämtliche Werte der Veränderung kodiert sind), den meisten Kommentatoren Schwierigkeiten bereitet. Zur Verzweiflung gebracht, ersann ich eine Metapher, die das Problem zusammenhängend erklärt und für die meisten Interessierten ausreichend beleuchtet.

Die Zeit im Sinne meiner Definition könnte man sich als ein in der frühen Computertechnik zur Datenspeicherung verwendetes Lochstreifen-System vorstellen. Auf einem solchen Lochstreifen wäre jedes Ereignis und jeder einzelne Schritt eines jeden Veränderungsprozesses beobachterunabhängig kodiert (kodiert als ein im Lochstreifen ausgestanztes Loch, das mittels eines Auslesemechanismus und gleichmäßig gegenüber dem Auslesemechanismus bewegten Lochstreifen, in den Kontext sämtlicher Veränderungswerte der übrigen Löcher der Wirklichkeit / der Zeit gesetzt worden wäre). Die gleichmäßige Bewegung des Lochstreifens gegenüber des Auslesemechanismus (Auslesemechanismus als „Gegenwart“ einer Zeit, in die sämtliche vergangenen und zukünftigen Ereignisse „kodiert“ /“gestanzt“ wären) wäre darin die beobachtete, von uns wahrgenommene und diesseits (von dem sich auf dem Lochstreifen befindenden Standort aus) messbare Effektzeit. Aufgrund der „diesseitigen“ Gültigkeit dieser Effektzeit, ließe sich zwar die Position einzelner Löcher auf dem Lochstreifen rekonstruieren(!), die Rekonstruktion erfolgte jedoch ihrerseits bereits beobachterabhängig – in Abhängigkeit zum Beobachtungszeitpunkt und zum Beobachtungsort (Beobachtungszeitpunkt/Beobachtungsort: die Position der einzelnen Beobachter-Löcher auf dem Lochband in Relation zu den jeweiligen Loch-Repräsentanzen des Beobachteten).

Ob die Ereignisse in der Zeit gleichzeitig stattfinden oder nicht, ließe sich ausschließlich primär, anhand der Position der Ausstanzungen auf dem Lochstreifen (beobachterunabhängig) feststellen. Jede durch eine lokale Messung erfolgende Rekonstruktion der Lochposition des Beobachteten, erfolgte effektzeitabhängig, subjektiv und in Relation zum Zeitpunkt der Beobachtung (ihrer sich auf dem Lochband befindenden Ereigniszeit-Repräsentanz) und zum Standort der Beobachtung (ihrer sich auf dem Lochband befindenden Ereignisort-Repräsentanz).

In der Lochband-Metapher enthaltene Botschaft ist: das Lochband enthält objektive, universell gültige Information; die Messung der Lochabstände und das In-Verhältnis-Setzen der Ergebnisse der Messung, welche aus der (diesseitigen) Position auf dem Lochstreifen selbst erfolgt, liefert ausschliesslich lokal gültige, subjektive Information.

Der Unterschied zwischen den universell-gültigen und den lokal-gültigen Zeitwerten.
Die universellen Zeitwerte entstehen im Lochstreifen-Auslesemechanismus. Dieser setzt die einzelnen Löcher auf dem Lochstreifen in eine universelle Beziehung zueinander.
Die lokalen Zeitwerte entstehen durch die lokal durchgeführte Messung, die unabhängig vor dem universellen Auslesemechanismus auf dem Lochband selbst stattfindet (auf dem Lochband selbst bedeutet: „von einem Loch des Lochbandes aus, sich auf ein anderes Loch / andere Löcher des Lochbandes beziehend“)

Die lokal gültige Information, welche durch die lokale Messung geliefert wird, nenne ich „diesseitige Information“;

Die universelle Information, welche durch den Lesekopf des Auslesemechanismus der „Lochbandmaschine“ erhoben wird, nenne ich „jenseitige Information“.

F. Wappler (http://www.scilogs.de/uhura-uraniae/the-science-of-time/#comment-6059)

Ein solches Lochband insgesamt entspricht (im Wörterbuch, das Übersetzungen in „meine“ praktisch seit jeher gepflegte Terminologie liefert) einem bestimmten Beteiligten/Beobachter“

Aber dann würde sich doch nichts verändern und der Sinn meiner Definition und der Lochstreifen-Metapher besteht gerade darin, eine neue Perspektive auf das Zeitphänomen zu ermöglichen. Darin postulieren wir u.a. die Existenz einer „Effektzeit“*, welche die von uns erfahrbare und gemessene Zeit ist, und welche aus Prinzip alle relativistische Standpunkt-Abhängigkeiten einerseits hervorruft andererseits diesen unterworfen ist.
Das „Lochband“ entspricht insgesamt, wie in meiner Definition der Zeit festgelegt (‚Informationen über sämtliche Werte der Veränderung‘) der gesamten Wirklichkeit. Damit entstehen zwei deutlich voneinander getrennte Ebenen der Zeit (und der Realität: Realität/Wirklichkeit), welche einerseits dem „Wirklichen“/“Wirkenden“, andererseits dem „Programmierten“/“Kodierten“ (dem letztendlich deterministisch Realen) entsprechen.

F. Wappler

aber der vorgesehene technische Einsatz von Lochstreifen bestand eben (vor allem) in der Benutzung von jeweils nur einem allein, weitgehend unabhängig von allen anderen, ganz im Gegensatz zu den mehreren Beteiligten (A, B, M …) die sich z.B. in den typischen Einsteinschen Gedankenexperimenten in Zusammenhang beobachten.“

Mehrere Beteiligte sind als Ereignisse (als Loch-Reihen-/Prozesse) auf dem Lochband repräsentiert und wirken aufeinander / beeinflussen sich gegenseitig / sich gegenseitig zusammenhängend beobachten auf der Ebene des Lochstreifens (wirken auf der relativistischen Ebene der diesseitigen Wirklichkeit / auf der diesseitigen Zeitebene). Darin ändert sich durch die Einführung der Lochstreifen-Metapher nichts. Das, was sich ändert ist das, was wir in der Lochstreifen-Metapher ausdrücken – es existiert eine Metaebene der Realität, in welcher die Zeit als ein Speicherort (Lochband) der Ereignisse dient (‚Die Zeit ist diejenige Ebene der Wirklichkeit, in der die Informationen über sämtliche Werte der Veränderung kodiert werden‘).

Die Lochband-Metapher enthält einen durchaus maschinellen Kontext. Dieser kann analog dahin geführt werden, wohin sich die Lochband-Technologie mittlerweile, seitdem sie selbst überflüssig geworden ist, entwickelt hat (und darüber hinaus). Insgesamt ein sehr weit tragendes, spannendes Thema. Praktisch grenzenlos. „Gar nicht so-o schlecht“

*) Definition der Effektzeit: Die Effektzeit ist ein jeweilig geltendes, von einer beliebigen Periodizität abhängendes Zeitwert-Modell, das für die Erstellung lokal gültiger Zeit- und Kausalitätsvorstellung von einem beliebigen Beobachter verwendet wird. Die Effektzeit ist lokal gültig, ihre Maßstäbe beliebig. Die Haupteigenschaft der Effektzeit ist ihre relative Gleichmäßigkeit.

Metaphorisch: die Effektzeit ist die auf der Ebene des Lochstreifens erreichbare Projektion der Zeit.