Theorie der Zeit (IX). Über die Gegenwart.

von Maciej Zasada

37.) Wenn wir sinnvoll über Gegenwart sprechen wollen, dann nur unter der Voraussetzung, dass sie nicht messbar ist. Ihre einzige Eigenschaft – die Existenz – offenbart sich ausschliesslich instanziell.

38.) Behauptung: Die Begriffe „Abstand“ oder „Dauer“ betreffen die Raumzeit und haben nur Sinn, wenn sie in Verbindung mit der Raumzeit verwendet werden.

39.) Konstruktion: Ich konstruiere zwei scharf voneinander getrennte Daseinsbereiche:

1. Den raumlosen Ort der Gegenwart (raumlos, keinen Raum beanspruchend, keinen Raum bietend…nur für etwas, was seinerseits keinen Raum benötigt…den Geist?) und
2. Den Ort der materiellen Raumzeit (die somit mit Vergangenheit gleichzusetzen ist).
Das, was sich mittels „Anzeige“ ablesen lässt ist messbar und gehört, wenn man es auf die Gegenwart bezieht, der Vergangenheit an. Grundsätzlich.

40.) Behauptung: Die Gegenwart offenbart sich singulär instanziell.

41.) Gleichung: „Geist und Materie“ = „Gegenwart und Raumzeit“.

 

42.) Über die Gegenwart.

In 35.) behaupteten wir: „die Gegenwart findet überall synchron im demselben (maximalen) raumzeitlichen Abstand zum Urknall statt.“

DIe Gegenwart ist aber nicht räumlich und (daher) ist sie keine Zeit (oder etwa ihr Bestandteil). Im Einzelnen: sie beansprucht keinen Raum und sie besitzt keine Dauer. Da sie keine Raumzeit in Anspruch nimmt kann sie durch beliebige Gegenwartsinstanzen repräsentiert werden. Ortsunabhängig.
Was aber in keinem Zusammenhang zu Raumzeit besteht (außer, dass es innerhalb der Raumzeit besteht…wie ein Fisch im Wasser – dieser könnte aber auch ein Mensch oder ein Skorpion im Wasser sein, welche in weitgehender Unabhängigkeit zu diesem Element als Umwelt bestehen), das kann nicht messbar sein.
Daher ist Gegenwart etwas anderes als Raumzeit. Etwas universelleres.

Nochmal anders:

Da die Uhr ein zeitmessendes Instrument und selbst materiell ist (aus Materie bestehend und auf innerhalb der Materie vorkommende Periodizität basierend, welche selbst keine Zeit ist, welche aber die angenommene Periodizität der Zeit „belegt“…), betrifft die „Zeit“, die sich mit Uhren messen lässt, Materie. Die Raumzeit betrifft den Raum der Materie (und unter dieser Voraussetzung betrifft sie den Abstand und die Dauer der Punkte der materiellen Raumzeit untereinander – „Abstand“ und „Dauer“ sind kommensurable Begriffe, solange sie auf Punkte der Raumzeit bezogen werden). Damit sind ihre Bedenken, Herr Wappler, zum Teil abgearbeitet, oder?

Denn weder „Abstand“, noch „Dauer“ können Eigenschaften der Gegenwart sein. Die Gegenwart hat nämlich eine einzige positive Eigenschaft: sie existiert. Diese Eigenschaft wird in ihrer Instanz registriert. Sonst nirgends.

Eine Uhr misst eine Uhrzeit, sonst stimmt die Definition der Gegenwart von oben nicht.

Die Zeit und die Uhrzeit (eine auf Periodizität basierende Vorstellung von Zeit) haben miteinander nichts zu tun.

Ob Zeit (als eine unabhängige physikalische Größe) existiert ist unbekannt.

Die Raumzeit – die existiert gewiß, als Wirklichkeit.

Die Begriffe Raum, Zeit und Vergangenheit sind äquivalent, besonders Raum, Zeit und Vergangenheit.

Was real existiert ist die Gegenwart.

Raum, Zeit und Vergangenheit sind bloß wirklich.

Die Ereignisse der Zukunft sind mehr oder minder wahrscheinlich.