Theorie der Zeit (V). Die Zeitordnungen und die Entstehung des Raumes.

von Maciej Zasada

31.) Theoreme und Definitionen.

 31.1) Definition der Kausalität II:
Die Kausalität hat mit der zeitlichen Reihenfolge von Ursache und Effekt zu tun. Wir sprechen von einer kausalen Folge dann, wenn die Ursache dem Effekt vorausgeht und wenn sie die Entstehung von Effekt unmittelbar zufolge hat.

(p → q) → (p = Ursache, q = Wirkung)

31.2) Definition der Kontrakausalität:
Zwei kausal gebundene Ereignisse (kausal gebunden sind Ereignisse, von denen das eine die Ursache des anderen ist) geschehen kontrakausal, wenn die Ursache in der kausalen Folge nach dem Auftreten des Effektes stattfindet.

(p ← q) → (p = Ursache, q = Wirkung)

Bild: Im Sprachlichen haben wir ständig mit Kontrakausalität der (Teil)Sätze zu tun.

31.3) Definition der Akausalität:
Zwei Ereignisse erfolgen dann akausal, wenn zwischen ihnen keine kausale Verbindung besteht.

(p q) → ¬(p = Ursache, q = Wirkung)

31.4) Definition der kausalen Verbindung:
Die kausale Verbindung besteht zwischen der wirkenden Ursache und dem bewirkten Effekt (der Grund, warum wir die Bezeichnung „Effekt“ statt „Wirkung“ benutzen ist: im Ursache-Wirkung-Prinzip wirkt die Ursache, nicht der Effekt!).

31.5) Definition der Kausalkonformität:
Die Ereignisse erfolgen kausalkonform, wenn sie in Übereinstimmung mit (ihrer) Kausalität erfolgen.

31.6) Theorem 1: Der dreidimensionale Raum lässt sich als ein Koordinatensystem der Zeit darstellen, denn jede Entfernung darin, auf die konstante Lichtgeschwindigkeit im Vakuum bezogen werden kann: 1m = 1 / 299 792 458s.

31.7) Theorem 2: Es existiert keine universelle Ordnung der Zeit (Ordnung der Zeit im Sinne der „Richtung des Zeitverlaufs“). Alle Zeitordnungen sind Konventionen (Beweis: parallele Existenz der kausalen und der deterministischen Ordnung der Zeit).

Wenn Theorem 1 gültig ist, dann sind Raum und Zeit substanziell identisch. Dann gilt: Genauso wenig, wie ein räumliches Koordinatensystem eine universelle Gültigkeit besitzen kann, kann eine Ordnung der Zeit eine universelle Gültigkeit besitzen. Daraus folgt:

31.8) Theorem 3: Die Gegenwart des Beobachters sollte der Ursprung jedes Koordinatensystems und der Referenzpunkt jeder Messung sein.

32.) Die Ordnungen der Zeit.

32.1) Die Kausale Ordnung der Zeit.
Wir erkennen drei valide Zeitordnungen. Die erste ist die uns vertraute Ordnung des kausalen Verlaufs. Mit Hilfe dieser Ordnung lässt sich die Kausalität der Ereignisse und der Prozesse erkennen und systematisieren. Dank der kausalen Ordnung, lässt sich Zeit als Dimension konstituieren.

Bild: Grafische Darstellung der Kausalen Ordnung der Zeit.

32.2) Die Deterministische Ordnung der Zeit.
Die andere Ordnung der Zeit bezeichnen wir als „deterministisch“, denn sie lässt uns sowohl den Determinismus der Entstehung einzelner Ereignisse, als auch den Determinismus ihrer singulären Gegenwart als Effekte eines quantenmechanischen Vorgangs erkennen. Hier wird die Grenze der Kausalität von Ursache und Wirkung überschritten. Die Ursache eines Ereignisses B liegt sowohl in der Vergangenheit (in der B eine zunehmende Tendenz besitzt, sich in Zukunft wirklich zu ereignen), als auch in der Zukunft (in der alle potenziellen Zustände von B existieren, welche dann, in einer bestimmten Aktualität, als ein einzelner, singulärer Ereignis B manifest werden)

Die deterministische Ordnung der Zeit ist kontrakausal und bezieht sich auf die konkreten Ereignisse, auf ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir situieren darin die Zukunft der Ereignisse in ihrer Vergangenheit und die Vergangenheit der Ereignisse in ihrer Zukunft. Die so entstandene Ordnung erlaubt uns die Kausalität der Entstehung der Ereignisse und die Kausalität des Universums aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen.


Bild: Grafische Darstellung der Deterministischen Ordnung der Zeit mit ihrem kausalen Bezug.

32.2.1) Definition der deterministischen Ordnung der Zeit.
Aus der Perspektive der Zukunft liegt das Ereignis B in der Vergangenheit, aus der Perspektive der Vergangenheit liegt das Ereignis B in der Zukunft. 

Ausschliesslich aus der Perspektive der Gegenwart kann von der Zukunft und von der Vergangenheit in einem kausalen Zusammenhang gesprochen werden. Die perspektivische Sicht bestimmt die Form der deteministischen Ordnung der Zeit.

33.) Die Entstehung des Raumes I. 

Durch die Entdeckung der deterministischen Zeitordnung entsteht die Möglichkeit, über das Universum und über die Entstehung des darin enthaltenen Raumes, anders als bisher zu sprechen. Die Gegenwart und die Vergangenheit haben nämlich aus der Perspektive der deterministischen Zeitordnung ihre Ursache in der Zukunft.

Die Existenz der Ursache ist zwar die Voraussetzung der Existenz des Effektes, aber anhand der Existenz des Effektes lässt sich die Verbindung mit seiner Ursache und mit den Ursachen der Ursachenexistenz bis hin zum ersten Ereignis in der Zeit zurückverfolgen.

33.1) Theorem 4: Jedes Ereignis der Gegenwart ist die Konsequenz des allerersten Ereignisses im Universum.

Die Rückverfolgung kann ausschliesslich im Raum der Vergangenheit erfolgen. Dies ist zwar, solange es um die menschliche Erinnerung oder solange es um die erinnerte Vergangenheit der Menschheit auf Erden geht, nicht direkt einsehbar, denn der hier für Aktionen zur Verfügung stehende Raum, begrenzt ist und die Ereignisse gegebener Epochen sich geografisch oder chronologisch überschneiden, doch betrachtet man den Raum der Vergangenheit universell, beginnen wir die Verbindung des Raumes mit der Vergangenheit zu erkennen.
Bevor sich nämlich die Erde zu formen begann, musste bereits der Raum für ihre Protoexistenz vorhanden sein und dieser entstand in der Vergangenheit des Universums. Jedes einzelne Lichtjahr, mit dem die Entfernung der Himmelskörper voneinander gemessen wird, ist der zeitliche Ausdruck der Verbindung des Raumes mit der Vergangenheit.

33.2) Theorem 5: Der Raum ist der manifeste Zustand der Vergangenheit.

33.3) Theorem 6: Der Zustand der quantenmechanischen Superposition ist der manifeste Zustand der Zukunft.

33.4) Theorem 7: Die Gegenwart ist der manifeste Zustand der Realität.

33.5) Theorem 8: Die Vergangenheit ist der manifeste Zustand der Wirklichkeit.

33.6) Theorem 9: Die Zukunft ist der manifeste Zustand der Wahrscheinlichkeit.

34.) Behauptungen.

i

34.1) Behauptung 1. Der Raum entstand nicht vollständig im Urknall. Die Entstehung des Raumes ist ein bis heute fortdauernder Prozess.

Den Raum bezeichnen wir zwar als den manifesten Zustand der Vergangenheit, die Ursache des Raumes liegt aber nicht in der Vergangenheit selbst. Das Modell des Urknalls entstand als Folge der Entdeckung der Universumsexpansion (Lemaitre 1927). Es erschien logisch, dass die Expansion der auseinander driftenden Galaxien irgendwann in der tiefsten Vergangenheit einen gemeinsamen Ausgangspunkt hatte, in dem die gesammelte Masse des Universum in einem Punkt versammelt gewesen ist. Aus dieser Überzeugung war man nur einen Schritt davon entfernt, die Idee des Urknalls zu entwickeln.
In dem heutigen Modell des beschleunigt expandierenden Universums wird dieses Bild (leider) weiterentwickelt.
Das Universum ist, wie ich denke, in jeder Hinsicht ein dynamisches Gebilde (Friedmann 1922). Die Entscheidung der Frage, ob seine Dynamik expansiv oder kontraktiv ist, ist allerdings nicht möglich, denn diese Dynamik sehr von der Perspektive der Betrachtung abhängig ist. Betrachten wir nämlich das Universum kausalkonform (im Sinne der kausalen Ordnung der Zeit), so stellen wir seine in die Zukunft gerichtete kontraktive Dynamik fest. Betrachten wir das Universum kontrakausal (im Sinne der deterministischen Ordnung der Zeit) erhalten wir das Bild seiner in die Vergangenheit gerichteten Expansion.

Unabhängig davon, welche Sicht wir für richtig halten, eins ist sicher: das klassische Modell eines aus dem Urpunkt expandierenden Universums ist falsch. Diese Behauptung kann bewiesen werden.

Beweis
Die beobachtete Expansion bezieht sich auf die Regionen des Universums, die in der tiefsten Vergangenheit liegen und sich teilweise in den Anfängen des Universums abgespielt haben. Je tiefer wir nämlich in den Raum blicken, desto ältere Schichten des Universums sichtbar werden. Kausalkonform betrachtet, ergibt sich daraus das Bild eines in die Zukunft kontrahierenden Universums. An seinem Anfang muss also (wenn wir die Logik der kausalen Verbindung Lemaitres benutzen wollen) kein explosives, sondern ein implosives Akt der Entstehung stattgefunden haben.


Dies ist der heilige Gral der modernen Kosmologie –

Wikipedia:
„Die Beobachtungen weit entfernter Supernovae vom Typ Ia unter anderem im Rahmen des Supernova Cosmology Project, für deren Auswertung die Astronomen Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam Riess den Nobelpreis für Physik des Jahres 2011 zugesprochen bekamen,[2] zeigen, dass die Expansion des Universums heute [was soll das bedeuten??? Purusha] beschleunigt abläuft. Diese Ergebnisse stimmen überein mit Untersuchungen der kosmischen Hintergrundstrahlung, beispielsweise mittels des WMAP-Satelliten. Als Ursache wird Dunkle Energie angenommen[…] Dunkle Energie konnte bislang nicht direkt nachgewiesen werden; ihre einzigen derzeit beobachtbaren Auswirkungen beziehen sich auf die Expansion des Universums sowie die Strukturbildung im Universum.“

Mit unserem Modell stellen wir nicht gerade wenig infrage, das vorweg.
Lassen sich die Beobachtungen (deren empirischer Wert ausdrücklich nicht infrage gestellt wird, derer Interpretation jedoch sehr wohl) mittels unseres Modells besser, d.h. einfacher interpretieren?

Der „verkehrte“ Urknall, bei dem der Lauf der Kontraktion des Universums seinen Anfang nahm, war zwar kein explosives, aber ein genauso dramatisch verlaufendes, implosives Ereignis. Seine Spuren könnten die Hintergrundstrahlung genauso gut erklären, wie das heutige Modell des expandierenden Universums, an dessen Anfang eine Urknallexplosion stand. Die Gründe für die beschleunigt erfolgende „Expansion“ des Universums könnten mithilfe unseres Modells sogar „besser“ erklärt werden.
Die Beobachtung der Signale der Supernovae von Typ Ia ergaben, dass das Universum „heute“ beschleunigt „expandiert“. Drei Physiker erhielten für die Entdeckung dieses Phänomens den Nobelpreis. Soso.
Wir interpretieren die beschleunigte „Expansion“ damit, dass wir die beschleunigt expandierenden Bereiche des Universum unter den schwindenden Einfluss des Urknalls und seiner implosiven Dynamik setzen. Die abnehmende Geschwindigkeit der Kontraktion des Unversums würde demnach unmittelbar durch diese Dynamik bedingt. Und was die Behauptung angeht, dass das Universum „heute“ beschleunigt expandiert, so ist festzustellen, dass die Objekte, welche dazu dienen, die kosmischen Entfernungen zu bestimmen, ihr Licht gerade in der Zeit emitierten, als sich unser Sonnensystem gerade zu formen begann und nicht „heute“. Ihre heute beobachtete Charakteristik lässt auf den Zustand des Universums zur Zeit der Emission ihrer Signale schließen, nicht auf seinen heutigen. Von dem Zustand des heutigen Universums kann sich jeder gerne überzeugen, indem er das Fenster aufmacht und guckt, wie das Wetter ist.

Bild: Wir sehen, dass die steigende Geschwindigkeit mit der das Universum expandiert, als abnehmende Geschwindigkeit mit der das Universum kontrahiert interpretiert werden kann. Der Vorteil unserer Interpretation liegt darin, dass die oben erwähnte „Dunkle Energie“ nicht dazu benötigt wird, um die ungewöhnliche Dynamik des Universums zu erklären. Diese Dynamik ist in unserem Modell keineswegs ungewöhnlich und wird dadurch erklärt, dass die beobachteten Supernovae, die sich von uns scheinbar beschleunigt entfernen, in Wirklichkeit (kausalkonform) ein Bestandteil einer, der Expansion entgegengesetzten Dynamik des Urknalls sind, und dass sie zusammen mit dem gesamten Universum in Richtung der Gegenwart kontrahieren.

Ende des ersten Teils des Abschnitts  “ Die Entstehung des Raumes I“:  „Die Entstehung des Raumes II“