Theorie der Zeit (II).

von Maciej Zasada

11.) These 1: Die Quantenmechanik ist eine Mechanik der Zeit.

12.) These 2: Betrachtet man die Quantenmechanik als eine Zeitmechanik, ist es möglich, mithilfe ihrer Gesetze, die Kausalität der Wirklichkeit zu erklären.

12.1) Bestünde die Welt A nur aus einer einzigen Kaffeetasse B, einem Tisch C, auf dem A stünde und einem unsterblichen Beobachter D und existierte das Ensemble B/C seit dem „Urknall“ der Welt A, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass Tasse B zerbricht, fest in die Wirklichkeit A implementiert. D.h. die Tatsache, dass die Kaffeetasse vom unachtsamen Beobachter vom Tisch gestoßen wird, würde immer wahrscheinlicher sein, je länger dieser Umstand nicht einträte.
Die logische Folgerung, welche D post factum ziehen könnte, die nämlich, dass in A der zweite Grundsatz der Thermodynamik offensichtlich gültig ist, wäre in dem Sinne verfrüht, in dem die in Scherben liegende Kaffeetasse ein intrinsischer Merkmal der Zukunft der Welt A gewesen wäre, und zwar seit dem Augenblick ihrer (der Welt und der Tasse) Entstehung.
Was ich damit sagen will ist, dass, wenn der quantenmechanische Zustand der Superposition die Zukunft der Systeme beschreibt und die Systeme, die sich in diesem Zustand befinden, Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse enthalten, welche sich mit bestimmter Sicherheit innerhalb bestimmter, in Zukunft liegender Gegenwart ereignen werden (oder auch nicht), dann erklären die Wahrscheinlichkeitsgesetze der Quantenmechanik und nicht die Postulate der Thermodynamik die Kausalität des Weltgeschehens (womit sich die Verbindung der QM mit der makrokosmischen Welt zeigt).
So würde Welt A aus quantenmechanischer Perspektive aussehen:

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12.2.) Quantenmechanische Begründung:
Bei einer bestimmten Gegenwart G treten ausschließlich die Ereignisse a,b,c ein, deren Wahrscheinlichkeiten a‘,b‘,c‘ in der Zeit bevor G sich ereignet, grundsätzlich vorhanden sind, ihre Wahrscheinlichkeitsdichte sich bis zum Augenblick G sukzessiv erhöht und im Augenblick G ihren höchstmöglichen Wert erreicht (im Augenblick G kollabiert ihre jeweilige Wahrscheinlichkeitsfunktion ψ: aus den Wahrscheinlichkeiten a‘,b‘,c‘ werden Ereignisse der Wirklichkeit: a,b,c).

12.3) Die beobachtete Erhöhung der Zustandsmöglichkeiten der Systeme (welche in der Thermodynamik als „Entropie“ bezeichnet wird), hätte dann mit dem Umstand zu tun, dass man nicht zwei mal in den gleichen Fluss steigen kann und nicht damit, dass das steigende Maß an Unordnung, ein Weltgesetz sei.
In der Welt wiederholen sich nämlich niemals genau gleiche Ereignisse derart, dass es möglich ist, dass ein gegebenes Ereignis der Vergangenheit zum wiederholten Mal und unter gleichen Umständen in der Zukunft stattfindet (panta rhei).
Der Unterschied zwischen der thermodynamischen und der quantenmechanischen Auffassung bestünde darin, dass es quantenmechanisch keine „Entropieregel“ geben muss, um die Kausalität des Weltgeschehens zu erklären und dass durchaus makrokosmische Entwicklungen denkbar sind, die vom Chaos in Richtung Ordnung führen (diese Symmetrie wäre nach dem Energieerhaltungssatz logisch einwandfrei).

Wir sehen: die Kausalität (der Wirklichkeit) mittels der Quantenmechanik zu erklären wird dann möglich sein, wenn Quantenmechanik endlich als das, was sie wirklich ist verstanden wird, als eine Mechanik der Zeit.