Theorie der Zeit (I).

von Maciej Zasada

5.) Die Welt zerfällt in drei Teile:

 Realität 
(zeitliche Instanz ist nicht vorhanden, räumliche Instanz ist nicht vorhanden. Der verfügbare Daseinspunkt: die Singularität der Gegenwart)

Wirklichkeit 
(zeitliche Instanz ist die Vergangenheit, räumliche Instanz ist das Universum. Es gilt: Raum = Vergangenheit (Zeit) = Wirklichkeit)

Wahrscheinlichkeit 
(zeitliche Instanz ist die Zukunft der deterministischen Ordnung der Zeit, räumliche Instanz ist die Vergangenheit der kausalen Ordnung der Zeit. Der verfügbare Daseinzustand: die Superposition innerhalb der Zustandswahrscheinlichkeit, die durch ψ-Funktion ausgedrückt wird).

6.) Die Welt realisiert sich innerhalb der Zeit:

In der Vergangenheit realisiert sich die materielle Wirklichkeit.
In der Gegenwart realisiert sich die immaterielle Realität.
In der Zukunft realisiert sich die Wahrscheinlichkeit.

7.) These: Der Begriff der Zeit als eines Parameters oder als einer Messgröße ist nur innerhalb der Wirklichkeit sinnvoll.

7.1) Beweis: Wenn angenommen wird, dass Raum und Zeit äquivalente Begriffe sind, dann bedeutet das, dass Vergangenheit und Zeit ebenso äquivalente Begriffe sind (dies wegen unserer Definition des Raumes).
Wenn Vergangenheit und Raum dasselbe bedeuten und wenn Raum und Zeit dasselbe bedeuten und wenn Wirklichkeit und Vergangenheit dasselbe bedeuten, dann bedeutet Wirklichkeit und Zeit notwendig dasselbe.
Wir können folglich von der Zeit nur dann sinnvoll sprechen, wenn wir von der Zeit innerhalb der Vergangenheit sprechen.
Wir sehen: Der Begriff der Zeit als eines Parameters oder als einer Messgröße ist nur innerhalb der Vergangenheit sinnvoll, was zu zeigen war.

7.1) Die Zeit betrifft nicht die Ereignisse der Zukunft und die Zeit wird nicht in der Zukunft gemessen.

7.2) Wenn es trotzdem von der Zeit der Zukunft gesprochen wird, dann wird von der Zukunft der deterministischen Ordnung gesprochen, dann werden Ereignisse gemeint, die noch nicht erfolgt sind (es heißt dann, dass die aktuelle Gegenwart des Beobachters, bezogen auf die Wahrscheinlichkeit des Eintreten dieser Ereignisse, in der Zukunft liegt, und zwar solange, bis sich die Wahrscheinlichkeit ihres Eintreten in die Tatsache ihrer Existenz verwandelt. Dann jedoch, im Augenblick der Entstehung ihrer wirklichen Existenz werden sie immer noch „nur“ Bestandteile ihrer jeweiligen Gegenwart und nicht der „Zukunft“ sein. Wir sehen, dass die kausale Zukunft der Zeit ein Konstrukt ist und dass die Ereignisse der Zukunft nicht real existieren – die „Zukunft“ ist immer nur die Wahrscheinlichkeit ihrer Existenz.

8.) These: Der Ort, an dem jegliche Messung erfolgt, befindet sich im Ursprung des jeweiligen Koordinatensystems oder schlicht dort, wo sich die Instanz der Messung zur Zeit der Messung befindet.

8.1) Eine Messung erfolgt mit Bezug auf die Gegenwart der Messung, nicht mit Bezug auf die Gegenwart der zu vermessenden Objekte oder Ereignisse.

9.) Der Ort, an dem sich sämtliche Objekte der Messung befinden, liegt immer innerhalb der Raumzeit (jede Messung betrifft die Ereignisse der Raumzeit)

Begründung:
Wie wir erkennen, besteht die Welt, wie die Zeit, aus drei Teilen: aus der Realität (Gegenwart als Daseinszustand), aus der Wirklichkeit (Vergangenheit) und aus der Wahrscheinlichkeit (Zukunft). Die Realität beherbergt in der jeweiligen Gegenwart zwei Instanzen des Geistes – Instanz des Seins und Instanz der Wahrnehmung.
Innerhalb der materiellen Wirklichkeit existieren all die räumlichen Bestandteile des Universums und der Raum selbst.
Innerhalb der Zukunft existieren alle möglichen Zustände und alle Wahrscheinlichkeiten, im unscharfen Zustand der Superposition.
Alle potenziellen Objekte der Messung oder der Beobachtung befinden sich innerhalb der Wirklichkeit. Sie sind räumlich und zeitlich voneinander getrennt und „dimensional“.
Eine Zeitmessung betrifft ausschließlich solche Objekte und Phänomene, die innerhalb der Raumzeit ihre Koordinaten verändern (und zwar bezüglich des relativ unbewegten Referenzpunktes der Messung).
Eine Messung kann weder die Gegenwart, noch die Zukunft der Objekte der Messung betreffen.
Innerhalb der Gegenwart erfolgen keinerlei Zustandsveränderungen und es existiert kein Raum und keine Zeit, wodurch eine Messung innerhalb der Gegenwart keinen Referenzpunkt und keinen Maßstab besitzen würde (Bemerkung: obwohl eine Messung stets aus der Perspektive der Gegenwart erfolgt und obwohl der Raumzeitliche Punkt der Gegenwart als Referenzpunkt der Messung dient, so betrifft jede erfolgte Messung die Ereignisse der Raumzeit und nicht die Gegenwart selbst).
Der physikalische Existenzzustand der Systeme und Ereignisse der Zukunft ist die Superposition.
Die innerhalb der Gegenwart erfolgende Messung kann bezogen auf die Zukunft nur bestimmen, mit welcher Wahrscheinlichkeit, die Zustände künftig eintreten werden (ψ-Funktion).
Dies ist der Gegenstand der Quantenphysik.

9.1) Dass das Licht Zeit benötigt, um auch die kleinste Entfernung zwischen zwei Punkten zu bewältigen ist selbstverständlich. Wäre es nicht der Fall, müsste es Entfernungen geben, welche innerhalb der Gegenwart bewältigt werden könnten. Solange jedoch Gegenwart punktförmig im euklidischen Sinne ist, nimmt die Bewältigung jeder Strecke Zeit in Anspruch, selbst dann, wenn es sich um Mikrometer-Entfernungen, die mit Lichtgeschwindigkeit bewältigt werden, handelt.

9.2) Wenn das Licht, als schnellster Informationsträger, Zeit benötigt, um auch die kleinste Entfernung zwischen zwei Punkten zu bewältigen, dann betrifft die „Zeit“ die Vergangenheit, denn wenn es keine Minimalentfernung gibt, die vom Licht ohne Zeitverlust bewältigt werden kann, dann existiert, außer in der Vergangenheit, kein Licht in der bekannten Form, denn dann findet jede Bewegung, auch die eines Photons, ausschließlich innerhalb der Raumzeit statt.
Nichts anderes ist zu erwarten, nachdem wir erkannt haben, dass die Gegenwart kein Bestandteil der Raumzeit ist.

9.3) Zwischen dem Versenden und dem Empfangen desselben Lichtsignals, das zwischen zwei minimal entfernten Punkten ausgetauscht wird, wird immer eine bestimmte Zeit gemessen, und zwar dadurch, dass die Lichtgeschwindigkeit einen endlichen und keinen unendlichen Wert besitzt.
Die Messung der Zeitdauer, die das Licht dafür benötigt, die Strecke zwischen zwei minimalentfernten Punkten zu bewältigen, betrifft, wie die Messung der Zeitdauer, die das Licht dafür benötigt, die Strecke zwischen zwei maximalentfernten Punkten zu bewältigen, den Raum (Beweis: Wird eine geringste Entfernung bewältigt und vergeht bei der Bewältigung dieser Entfernung auch nur minimalste Zeit, dann haben wir bereits mit der Bewegung innerhalb der Raumes zu tun). Wo die Zeit vergeht, dort entsteht die Vergangenheit (Raum).

10.) These: Die bekannten Naturgesetze gelten ausschließlich innerhalb der Wirklichkeit. Innerhalb der Realität gelten diese nicht, denn die Gesetze der Realität gelten primär.

Wir haben die Wirklichkeit als einen Bereich charakterisiert, dessen Bestandteile im Gegensatz zur den Bestandteilen der Realität nicht real existieren.

Wäre deshalb nicht die Annahme berechtigt, dass sich die Naturphänomene, wie das Licht, nur scheinbar den Gesetzen der Raumzeit unterordnen, obwohl diese sie gar nicht zu binden vermögen (weil sie eben sekundär sind, bezogen auf die Gesetze der Realität)
Purusha wird sich nun zurückziehen.