ÜBER DIE REALITÄT DER SEELE. Über Koinzidenz, Gleichzeitigkeit, Gegenwart und Raumzeit.

von Maciej Zasada

Frank Wappler schrieb:

„Wenn zwei gegebene, (selbst-) identifizierte Beteiligte, J und K, koinzident waren, d.h. falls J eine bestimmte Anzeige (J_K) hatte, die Js Wahrnehmung beinhaltete, dass K die Anzeige J_K wahrnahm, und K eine bestimmte Anzeige (K_J) hatte, die Ks Wahrnehmung beinhaltete, dass J die Anzeige K_J wahrnahm,
dann ist zu schließen, dass J und K gemeinsam am selben Koinzidenz-Ereignis E_{JK} teilgenommen hatten;
und der Abstand jeweils eines Ereignisses zum selben Ereignis ist Null.“

Maciej Zasada schreibt: Das Ereignis, an dem beide Teilnehmer JK beteiligt gewesen sind und von dem sie als von einem gemeinsam erlebten singulären Ereignis sprechen, ist dennoch nicht mit sich selbst identisch, denn seine „Identität“ nicht singulär ist (wenn zwei Beobachter über die nötige Selbstidentität verfügen, heißt es noch lange nicht, dass die Koinzidenz, an der sie gemeinsam teilnehmen „selbstidentisch“ ist).
Der Begriff der „Koinzidenz“ muss deutlicher formuliert werden. Als Koinzidenz-Ereignis kann nämlich auch eine Kollision zweier Galaxien bezeichnet werden. Dann jedoch ist die Behauptung „der Abstand jeweils eines Ereignisses zum selben Ereignis ist Null“ absurd, denn es lässt sich kein eindeutiger raum-zeitlicher Ort der Kollision bestimmen – die Koinzidenz ist ein Ereignis innerhalb der Raumzeit.

Definition der Koinzidenz:
Eine Koinzidenz ist ein Ereignis der Raumzeit, an dem, an einem eindeutig gegebenen Ort im Raum und zur selben Zeit, mindestens zwei Systeme beteiligt sind.

Wir wissen, dass der raumlose Punkt der Gegenwart keine Systeme der Raumzeit enthalten kann. D.h. wenn ein Ding innerhalb der Raumzeit existiert, existiert es nicht innerhalb der Gegenwart und umgekehrt (hier haben wir es begründet).

Dadurch, dass an einer Koinzidenz mind. zwei Systeme beteiligt sind, ist diese immer ein Ereignis, das innerhalb der Raumzeit stattfindet. Eine Koinzidenz besitzt daher keine singuläre Gegenwart – sie findet im Raum statt.

Der Unterschied zwischen den Systemen der Raumzeit und den Systemen der Gegenwart besteht darin, dass die Systeme der Gegenwart selbstidentisch sind (§2.), was die Systeme der Raumzeit nicht sein können (§3.)

§2. Das Wesensmerkmal der Systeme der Gegenwart ist ihre singuläre Selbstidentität.

Und wie wir wissen, ist die Selbstidentität dafür, was real ist, entscheidend (hier haben wir es begründet). Bedeutet die Selbstidentität der Systeme der Gegenwart und das Fehlen der Selbstidentität bei den Systemen der Raumzeit etwa, dass die Raumzeit nicht real wäre?

Wir nähern uns einer wichtigen Erkenntnis.

Warum können die Systeme der Raumzeit nicht selbstidentisch sein?
Systeme der Raumzeit setzen sich aus Teilen zusammen.
Das, was aus seinen Bestandteilen zusammengesetzt ist, zerfällt in seine Bestandteile. Dies ist die Prozess-Vorschrift.
Aus Teilen setzt sich das Ganze zusammen.
Das Ganze, das sich aus Teilen zusammensetzt, ist nicht selbstidentisch, denn in jedem Augenblick befindet es sich in einem Prozess, sei es in einem Prozess der Entstehung, sei es in einem Prozess des Zerfalls.
Das Ganze, das sich aus Teilen zusammensetzt ist auch das Universum und all seine Bestandteile.

§3. Das Wesensmerkmal der Systeme der Raumzeit ist ihre Existenz innerhalb eines Prozesses, was ihre Selbstidentität unmöglich macht.

Wenn Neutrinos nur aus sich selbst bestehen und keine Substrukturen aufweisen, dann bedeutet gerade die Tatsache, dass sie sich verwandeln (s. Neutrinooszillation – der diesjährige Physik-Nobelpreis), dass sie als Bestandteile der Raumzeit nicht selbstidentisch sind, und es beweist umgekehrt, dass das Merkmal der Selbstidentität, ausschließlich den Systemen der Gegenwart vorbehalten ist (auch wenn Neutrinos die grundlegenden Strukturen der Materie sind, die mit sich selbst identisch sein könnten, so sind sie durch das Wesen der Raumzeit dazu „gezwungen“, sich prozessual zu verändern, um nicht selbstidentisch zu sein).
Die Bedingung der Selbstidentität der Systeme der Gegenwart bedeutet, dass es für die Systeme der Raumzeit unmöglich ist, innerhalb der Gegenwart zu existieren.
Eine Verschmelzung der an die Grenze der Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Teilchen (Stichwort: LHC) findet bekanntlich nicht statt. Warum die im LHC beschleunigten Teilchen, bei ihrer „Koinzidenz“, in andere Daseinsformen zerfallen und nicht miteinander „Verschmelzen“ oder ineinander übergehen liegt vielleicht daran, dass sie an die unsichtbare Grenze der Realität stossen? Vielleicht erreichen sie die unüberwindbare Grenze der Gegenwart…?