Drei endgültige Argumente gegen den konservativen Idealismus…und gegen alles, was man aktuell so glaubt und so denkt.

von Maciej Zasada

 

1. Warum die heutigen Religionen und Ideologien nichts taugen?

Keinem einzigen Propheten ist es bisher gelungen, die Menschenwelt nach dem „göttlichen Plan“ zu ordnen und sie besser zu machen (unabhängig davon, was ihre jeweiligen Anhänger behaupten: wäre es der Fall, müsste diese Welt ein anderer Ort sein).
Die Lehren Mohammeds oder Jesus‘ waren und sind offenbar nicht immun gegen den entstellenden Einfluss der vergleichenden Auslegung.
Es konnte leider nicht anders kommen, denn als Gebilde der Wahrheitslogik waren sie stets ihren ausschließenden Mechanismen und ihrer zweiwertigen Dialektik unterordnet. Durch den Einfluss der Wahrheitslogik verwandelten sie sich allesamt in eine teuflische Farce. Der „göttliche“ Universaleinfluss, sollte es ihn irgendwann tatsächlich gegeben haben, ging verloren.
„Teuflische Farce“ ist ein verdammt guter Ausdruck für die Beschreibung des aktuellen Zustandes der Welt, nicht wahr? (Dieser Ausdruck stammt ursprünglich aus der Feder von Fjodor Dostojewski („Die Teufel“) und beschreibt hier, wie ich meine zutreffend, nicht nur die „aktuelle“ Islam-Auslegung des Islam Staates, er beschreibt auch treffend die „aktuelle“ Auslegung der Lehren Christi (evangelikale Bewegung in den Staaten; das, was die Evangeliken den Katholiken übel nehmen und umgekehrt), die Institution „Kirche“ als solche, den Banker-Kapitalismus, die allgemeine Ordnung der heutigen Welt…ohne auf die Einzelheiten einzugehen).

 

2. Der Affe in uns.

Auch wenn manche behaupten, sie persönlich wären außerstande, die Handlungen der IS-Anhänger zu wiederholen oder bloß nachzuvollziehen, gehe ich davon aus, dass wir uns evolutionär auf derselben Stufe befinden als diejenigen, welche den „Ungläubigen“ die Köpfe abschneiden und dass wir zu ihren Gräueltaten jederzeit fähig wären (vorausgesetzt die „Wahrheit“, die „Gerechtigkeit“ und die „Vernunft“ auf unserer Seite…dass sich die „Wahrheit“ und die „Gerechtigkeit“ beliebig gestalten lassen, wird gegenwärtig und wurde in der Vergangenheit vielerorts bewiesen…und denken Sie bloß nicht, die IS-Soldaten wären vom tiefen „Sinn“ ihres Handelns und von der eigenen „Vernunft“ nicht restlos überzeugt).

Alle bisherigen Gesellschaftsformen sind gescheitert. Alle künftigen Gesellschaftsformen werden scheitern, solange sie auf der Grundlage der „Wahrheitslogik“ aufgebaut sind.
Jeder Idealismus gehorcht derselben logischen Mechanik, welche das Verhalten der abschlachtenden IS-Soldaten steuert und welche dieses Verhalten (für sie selbst) irgendwie plausibel macht.
Genau deshalb (logische Mechanik) verwandelt sich jeder Idealismus früher oder später in einen Totalitarismus (deshalb war jeder Totalitarismus am Anfang idealistisch) und genau deshalb gibt es auf diesem Planeten gar keine stabilen ideologischen Unterschiede.
Jede Ideologie, jede Religion, welche nach den Gesetzen der Wahrheitslogik funktioniert ist jeder anderen, nach den Gesetzen der Wahrheitslogik funktionierenden Ideologie oder Religion, gleich.
Die kulturellen Unterschiede, welche sich hie und da zeigen und welche (vielleicht) die (sowohl lächerliche, wie ausschliessende!) Behauptung rechtfertigen mögen, das „wir“ tatsächlich etwas „besser“ sind, als „diese Unmenschen“, spielen bei harter ideologischer Auseinandersetzung keine Rolle, denn sie entsprechen nicht den Gesetzen der Wahrheitslogik – sie sind in ihrem Sinne irrational (völlig rational im Sinne dieser Logik ist dagegen die Behauptung „wer nicht mit uns ist, ist gegen uns… tertium non datur“).
Die einzige Möglichkeit die Menschenwelt zu verändern, kann deshalb nicht darin bestehen, etwas Neues (was bisher etwa übersehen wurde) der aktuellen Ordnung hinzuzufügen, sondern darin, die logische Grundlage der Vernunft zu ersetzen.
Indem dem Affen die logische Grundlage entzogen wird, indem seine Eigenperspektive in die gesunde Relation zu den Perspektiven Anderer und indem die nichtexistenten Unterschiede von ihm als solche erkannt werden, wird gleichsam der Sinn des Affenmenschen auf Erden infrage gestellt.
Es ist durchaus denkbar, dass es, noch innerhalb unserer Lebensspanne, einen Tag geben wird, in dem wir als Affen aufwachen und uns als Menschen schlafen legen, denn Es ist bereits unter uns.
Das Kind, das in den Krieg zieht.

 

3. Die logische Grundlage des Glaubens.

Es ist aus der Sicht der Logik unerheblich, ob man die Existenz Gottes, oder ob man die Existenz einer idealen (apriorisch universellen) Ebene der Vernunft postuliert – es existiert kein Unterschied zwischen demjenigen, der auf der Suche nach Gott und demjenigen, der auf der Suche nach der universellen Logik ist, denn zwischen Gott (als dem „Inbegriff des Seins“) und Logik (als der Grundordnung des Seins), kein Unterschied besteht (erinnern wir uns an dieser Stelle an die Metapher, in der wir die Logik als Summe aller Strassenverbindungen beschrieben haben, welche das Einschlagen jeder Richtung und das Erreichen jedes Ziels ermöglicht, ohne dass sie dabei eine explizite Richtung besitzt und ohne dass sie ein explizites Ziel verfolgt – diese Metapher trifft notwendig auch auf Gott zu – Gott als einen „Inbegriff des Seins“ – Logik und Gott sind dasselbe.
Somit ist das, worum es mir geht, in gewissem Sinne heilig, denn indem eine universelle Logik anvisiert wird, wird der Grund für denjenigen vorbereitet, dem es irgendwann gelingen soll, die Gottesordnung (besser: Gottesfreiheit) auf diesem Planeten einzuführen.
In dem Fall, in dem sich die heutige Gottesvorstellung und die heutige Religionsform als inadäquat auf der Ebene der universellen Ordnung erweist, wird sich ihre Inadäquanz eindeutig zeigen und die Entstehung neuer (positiven) Assoziationen und Vorstellungen begünstigen.
Das Archaische gehört notwendig überwunden. Für jeden Preis.

PS: für diejenigen, die mir die Eingleisigkeit vorwerfen mögen:
Es ist nicht etwa Mathematik, deren Erforschung das „Wissen“ vorantreibt – die Logik ist keine Grundstruktur der Mathematik, welche kraft der Mathematik überwunden wird.
Die Mathematik ist nichts anderes, als angewandte Logik, denn die komplexeste mathematische Gleichung, den einfachsten Gesetzen der Logik entsprechen muss.
Ich habe somit jeden Grund, mich ausschliesslich mit der Logik zu befassen. Tue ich es, bin ich imstande, die Welt als Ganzes und nicht nur in all ihren Einzelheiten zu erfassen. Ich sehe das Strassennetz als eine übergeordnete Verbindung, nicht nur als eine explizite Verbindung zwischen den expliziten A’s und B’s.
Meine Perspektive erweist sich als universell.