Die Habgier als (einzige) Ideologie.

von Maciej Zasada

Folgende kritische Betrachtung ist bewusst und gewollt holzschnittartig.

Es wird auf die vollständige Darstellung der besprochenen Systeme, ihrer Vor- und Nachteile und ihrer einzelnen Aspekte verzichtet, denn um sie vollständig beschreiben zu können wäre ein unendlicher Aufwand notwendig. Dieser würde, einmal gestartet, der Betrachtung selbst im Wege stehen.
Hier geht es einzig und allein um KLARHEIT.

Teil I – Der Kommunismus

Wenn ich an den Kommunismus denke, dann sind meine Gedanken nostalgisch-warm, denn ich bin im Kommunismus geboren und aufgewachsen (die Paradoxie solcher Sätze zwingt zum Nachdenken – nur weil man in einem bestimmten gesellschaftlichen System aufgewachsen ist, sollte man nicht behaupten dürfen, es war angenehm und gut (oder gar „besser“) – es gibt schließlich einige, die unter Hitler zur Welt kamen – diese hätten folgerichtig dasselbe Recht, Dasselbe zu behaupten)
Bis auf den heutigen Tag, schätze ich den humanistisch-sozialen Aspekt dieses Idealismus – die Ideen der Egalität und der Fraternität, welche in ihm zur Geltung kommen..
Was ich jedoch als unabhängiger Denker im Kommunismus verabscheue ist sein materialistischer Grundgedanke – sein ideologisches Fundament.
Ich bin in der Lage zu erkennen, dass die Ursprünge dieses Idealismus in der gemein-menschlichen Habgier und in der widerlich-menschlichen Missgunst zu suchen sind.
Somit wäre der Kommunismus in meinen Augen, aus ästhetischer Sicht, nicht vom Kapitalismus zu unterscheiden.

Vordenke.
Der Kommunismus ist so alt, wie alt der soziale Unterschied innerhalb der menschlichen Gesellschaften ist und so alt, wie sich ein Teil der Gesellschaft bei der Verteilung der verfügbaren Ressourcen benachteiligt fühlt.
Der Kommunismus als eine Ideologie, als eine geistige Haltung, ist also so alt wie die Menschheit.
Sobald sich einerseits eine Oberschicht aus der egalitären Klasse derer, die mit vereinten Kräften ums Überleben kämpfen emanzipiert (sobald nennenswerte Überschüsse entstehen, welche verwaltet und verteilt und vor den Angriffen Dritter verteidigt werden müssen), entsteht die Missgunst und die Eifersucht derer, welche dieser Oberschicht nicht angehören.

Der Grundgedanke des Kommunismus ist paradox und hässlich und hat einerseits mit Diebstahl, andererseits mit Gerechtigkeitssinn zu tun. Im Kommunismus geht es im Prinzip darum, den materiellen Überschuss, der in den Händen der Wenigen versammelt ist, zu entwenden und gleichmäßig zwischen die unmittelbar an der Produktion (an der Gesellschaft) Beteiligten zu verteilen.
Der Gedanke dabei ist menschlich-natürlich-widerlich und einfach…

Der Mechanismus der Entstehung.
‚Der „Fabrikant“, für den wir schuften, reißt sich all die Früchte unserer Arbeit unter den Nagel. Wir arbeiten für den Erfolg des „Fabrikanten“ und generieren sein Kapital – wenn wir ihn als den Hauptnutznießer des Produktionsprozesses „eliminieren“, werden die Mitteln, an den wir nicht beteiligt sind, auf einmal frei. Diese werden dann zum Wohle der Allgemeinheit verwendet und unter den „Unseren“ gerecht verteilt.
Niemand von uns wird dann zugegebenermaßen so viel besitzen, wie der „Fabrikant“ heute, wir werden allerdings als Einzelne insgesamt reicher sein, als wir es jetzt sind‘

Der Entstehungsmechanismus der kommunistischen Ideologie, auch wenn sie sentimental-humanistisch verfärbt ist, ist im Grunde gleichermaßen einfach, wie hässlich – dieser Mechanismus ist mit einem Wort zu beschreiben: Habgier.

Der Mechanismus des Untergangs.
Der Untergang des real existierenden Kommunismus war bereits durch den Mechanismus seiner Entstehung bedingt.
Es stellte sich zwar heraus, dass die Welt ohne den „Fabrikanten“ gerechter, potenziell glücklicher und potenziell besser ist, man stellte jedoch ziemlich früh fest, dass sich in die Überlegung ein Grundfehler eingeschlichen hat.
Man produzierte zwar und man verteilte gerecht das erarbeitete Kapital, dennoch, um absolut glücklich zu sein, benötigte man immer noch eins, was man nicht bedacht hatte – einen Kapitalisten, der die fabrizierten Erzeugnisse zum guten Preis kaufte(!).
Im kommunistischen Algorithmus haperte es „Lediglich“ an Kapitalismus.

Diesen Anfangsfehler hat der europäische Kommunismus nie überwunden.
Den wirtschaftlichen Ruin konnte seine humanistisch-egalitäre Ideologie letztlich nicht aufhalten – das System kollabierte, weil es der kommunistischen Wirtschaft an dem Motor fehlte, der das Funktionieren der Produktions-, Verkaufs- und Verteilungsabläufe wirtschaftlich regeln würde. Die „Ideologie“ selbst war zu schwach (weil verlogen), um den anfänglichen Denkfehler aufzuwiegen.
(In diesem Sinne erwies sich der chinesische Kommunismus weit besser aufgestellt – die Chinesen verstanden, dass sie, um erfolgreich zu sein, die Kapitalisten brauchen – und sie spannten sie in ihr kommunistisches System so erfolgreich ein, dass sich diese bis heute ihrer eigentlichen Rolle, nicht recht bewusst sind.
(Lang lebe die kinesische Partei! 😃)

Teil II – der Kapitalismus

Sollte der Eindruck entstehen, dass es mir allein darum geht, den Kommunismus zu diskreditieren, dann muss ich opponieren – ich halte die Menschheit insgesamt für egoistisch, korrupt, widerlich und wundervoll – somit behaupte ich automatisch, dass sich der Kapitalismus ästhetisch und ideologisch vom Kommunismus nicht unterscheiden lässt.
Der Beweis folgt…

Vordenke.
Der Kapitalismus ist so alt, wie alt der soziale Unterschied innerhalb der menschlichen Gesellschaften ist, und solange sich ein Teil der Gesellschaft bei der Verteilung der verfügbaren Ressourcen berufen und befähigt fühlt, eine entscheidende gesellschaftliche Rolle zu spielen.
Der Kapitalismus als eine Ideologie, als eine geistige Haltung (Selbstverständnis) ist also, wie der Kommunismus, so alt wie die Menschheit.
Sobald sich einerseits eine Oberschicht aus der egalitären Klasse derer, die mit vereinten Kräften oder einzeln ums Überleben kämpfen, emanzipiert (sobald bei den archaischen Gesellschaften nennenswerte Überschüsse entstehen, welche verwaltet und verteilt und welche vor den Angriffen „Dritter“ geschützt werden müssen), entsteht die Notwendigkeit, eine verwaltende Oberschicht zu installieren.

Der Mechanismus der Entstehung.
‚Lass uns die anderen für uns arbeiten. Wir werden, je mächtiger wir sind, für die Arbeiter, für die Soldaten, für die Bauern, welche wir beschäftigen, eine Instanz der Sicherheit und Ordnung sein.
Nur wer die Zügel in der Hand hält und über den Gesamtüberblick verfügt ist auch imstande, für andere zu denken und ihre Geschicke positiv zu beeinflussen…
Für diesen Dienst an der Gesellschaft müssen wir selbstverständlich bezahlt werden, indem sich die Untertanen im Verzicht üben, indem sie den Sinn unserer Superiorität (an)erkennen, indem sie uns vertrauen und sich für uns opfern.
Das Fundament des Kapitalismus besteht aus gefährlicher Mischung aus Egoismus und Habgier.
Der Grundgedanke des Kapitalismus ist, wie der Grundgedanke des Kommunismus, gleichermaßen einfach, wie hässlich.

Der Mechanismus der kapitalistischen Existenzerhaltung.
Irgendwann, und zwar dann, als die Produktion industrialisiert wurde und der real existierende Kapitalismus das Leben von Millionen auf einen Schlag veränderte und als eine selbstbewusste (mehr oder minder gebildete) Arbeiterklasse entstand und für ihre Rechte auf die Strasse ging, begann man zu verstehen, dass der archaische Kapitalismus (feudaler Art) nicht mehr zeitgemäß war und dass man, um die gesellschaftliche Macht zu erhalten, gezwungen gewesen ist, den Eindruck zu erwecken, man kümmere sich, man sei gewillt, etwas von der Macht abzugeben – man war gezwungen, bei dem (kommunistischen) Verteilungspoker mitzuspielen.
Im Grunde pokern sie auf gleiche Weise bis heute.
Die Verteilung der Macht innerhalb der Gesellschaft wird zwar heute auf „demokratische“ Art entschieden, doch die Macht der Wenigen und deren Erhaltung sind und bleiben die Grundpfeiler des kapitalistischen Systems. Und um an die Macht zu kommen, tut man selbst das Widerlichste.
Keine Skrupel.

Dass das gesellschaftliche System, in dem wir leben, dem Untergang geweiht ist, ist nicht jedem klar, doch wenn man den Kapitalismus und Kommunismus als im Grunde gleichwertig betrachtet und den Untergang des Kommunismus erlebt hat, wird man von dem künftigen Kollaps des kapitalistischen Systems schwerlich überrascht sein können.
Trotz der Tatsache, dass der deutschen Wirtschaft z.Zt. blendend geht und trotz der Tatsache, dass die Prognosen Gutes verheißen…Mario Draghi pumpt seit März 2015 monatlich neue Milliarden in den Markt…wieso tut er das eigentlich?
Es muss dafür einen äußerst relevanten Grund geben, sonst würden wohl kaum Gelder verschleudert…
Ist der Grund dieser ungewöhnlichen Maßnahme die Erkenntnis des herannahenden Untergangs?

Das Muster des Zerfalls.
Das Hauptproblem des Kapitalismus ist die Erhaltung seiner sozialen Note. Die Tatsache, dass die erarbeiteten Ressourcen mit den Arbeitern und mit der Allgemeinheit geteilt werden müssen, schmälert den Gewinn.
Das Wirtschaften innerhalb der heutigen, westlich orientierten Gesellschaften ist ohne gerechte Verteilung der Einnahmen undenkbar geworden. Doch die Menschen ändern sich nie. Manche von ihnen werden Musiker, manche Kleriker und manche Diebe.
Der individuelle Profit kurbelt den Kapitalismus seit jeher an.
Der Sinn der Bemühung ist und bleibt der mit dem geringsten Aufwand erzielte Maximalgewinn.
Die Ausbeutung der arbeitenden Klasse (archaischer Kapitalismus), die Bündelung der verfügbaren Mitteln (Faschismus), das Straffen der Prozesse etc. sind Mitteln, mit deren Hilfe Kapitalismus sich immer wieder neu erfinden und neu ordnen konnte.
Die unlängst entdeckte „Globalisierung“ ist die vorletzte Stufe der Entwicklung. Hier wird global nach Produzenten und Konsumenten gesucht.
Dieselben Mitteln, deren sich Kapitalismus früher lokal bediente, werden heute global angewendet. Die Arbeiter stehen in weltweiter Konkurrenz zueinander, die Zulieferer werden gegeneinander ausgespielt, die Gewinnspanne wächst, die Kosten werden gesenkt.

Den Hans ersetzt Mircea, weil dieser sich mit weniger zufrieden gibt.
Die Preise purzeln, alles scheint in Ordnung zu sein…
Mircea wird von Krishna ersetzt, weil er doch zu teuer produziert – es wird für die Ausübung derselben Tätigkeit immer weniger gezahlt und immer weniger verdient…global.

Hier berühren wir das bekannte „kommunistische“ Schema: das System „Habgier“ stößt an seine Grenzen – immer mehr Menschen können sich immer weniger leisten…
Die, für das reibungslose Funktionieren des kapitalistischen Systems notwendige, Instanz des potenten (und massenhaft vorhandenen) „Käufers“ geht dem System verloren.
Die Analogie zum Kommunismus ist augenfällig.
Der Kapitalismus verschlingt sich selbst wie die Schlange Ourobouros.
Der Wert des immer seltener vorhandenen Geldes steigt und steigt, denn immer weniger verfügen über immer mehr.
Diese Wenigen sind die Reiter (equus – equity – „private equity“) der kapitalistischen Apokalypse.

Langsam beginnen wir den Sinn der jüngst gestarteten EZB-Maßnahmen verstehen:
Globale DEFLATION ist das letzte Entwicklungsstadium des kapitalistischen Systems.
Mario Draghis Maßnahmen verzögern höchstens das Ende dieser Veranstaltung lokal, global können sie nichts bewirken.

Die Reiter sind los.

Kontrovers?
Na klar!