PHYSIK DER ZEIT: EINSTEINS „SPUKHAFTE FERNWIRKUNG“.

von Maciej Zasada

In 14. Quantenrealität (VI) schrieb ich:
„Man spricht oft davon, dass, wenn man ein Photon an einem speziellen Kristall in zwei verschränkte Partnerphotone spaltet und diese in zwei entgegengesetzte Richtungen lenkt, dann würden sie sich als eine Einheit verhalten und ihre Eigenschaften simultan und instantan verändern selbst dann, wenn sie voneinander Lichtjahre entfernt wären.
Das stimmt.
Dieses Phänomen ließ den Einstein über die „spukhafte Fernwirkung“ reden.
Was geht in den Partnerphotonen vor, warum verändern sie simultan ihren Zustand, unabhängig von ihrer gegenseitigen Entfernung?
Dies ist eine der schwierigsten Fragen, mit denen wir in der Quantenphysik zu tun haben.

Wenn wir Quantensysteme analysieren, konzentrieren wir uns bei der Interpretation ihrer Eigenschaften, auf sie selbst. Wellenmodell, Interferenz, Dekohärenz sind Bilder, die leicht entstehen, denn ihre Instanzen befinden sich im Experiment dicht beieinander.
Die Verschränkung zu interpretieren ist ungemein schwieriger – wir müssen uns ja zwei Objekte vorstellen, die sich voneinander mit Lichtgeschwindigkeit entfernen…je länger wir überlegen, desto weiter voneinander befinden sie sich…schwierig, und mit jeder Sekunde schwieriger zu erklären.
Bei der Beschreibung des Quantenradierer-Experiments (13. Quantenrealität (V)), fiel uns die relative Komplexität seiner sensorischen Anordnung auf. Wir entdeckten mehrere hintereinander, parallel und seriell geschaltete Realitätspfade und wir konnten stets aktuelle Ergebnisse am Ereigniszähler ablesen.
Die Realität hat sich mit der Vielfalt der Detektor-Augen abgefunden – sie hat vorwärts wie rückwärts einwandfrei funktioniert.
Wenn sie sich an den BBO-Kristall am Anfang aller Pfade erinnern, an dessen exponierte Stelle im Experiment (s. Fig. 1)…und an dessen relativ einfache Funktion, sollte Ihnen aufgefallen sein, dass dieser Kristall im Versuch eigentlich nichts Großartiges leistete.
Bei der Beschreibung des Phänomens der Verschränkung ist zugegebenermaßen kein Kristall so interessant, wie die verschränkten, sich voneinander mit fantastischer Geschwindigkeit entfernenden Partner-Photonen – dort glänzt die Quantenphysik, dort erst findet das Mysterium der Wissenschaft statt!

Perspektivenwechsel.
Für mich ist die Interpretation des Phänomens der quantenphysikalischen Verschränkung einfach:
Im Gegensatz zu den Detektoren eines Messinstruments oder zu den offenen Augen eines Betrachters, wirkt sich die Spaltung des Urphotons nicht auf seine Realität aus…die Spaltung selbst wird innerhalb der Realität nicht als solche registriert (sie findet in der Realität gar nicht statt…)
In der Realität befinden sich die voneinander gespalteten, miteinander verschränkten Partnerphotone in ihrem ursprünglichen Zustand eines einzigen Urphotons, obwohl sie in Wirklichkeit „nachweislich“ zwei Photone sind.
Aus diesem Grund verhalten sich die verschränkten Photone als eine Einheit, unabhängig davon, wo sie sich jeweils befinden.
(Obwohl die Realität auf die aktiven Detektoren und Beobachter fehlerfrei reagiert, indem sie die notwendige Information liefert, reagiert sie auf die Spaltung der Photone offenbar überhaupt nicht – das ist der Grund, warum die Photonenpaare ihren Zustand stets simultan verändern…)“
IMG_0660.JPGFig. 1 Delayed Choice-Experiment.

So weit, so gut.
Der gute Wille ist zwar vorhanden, doch die Frage „WARUM?“ bleibt immer noch unbeantwortet…konkret: warum existiert in der Realität keine Information über die Spaltung des Urphotons im BBO-Kristall?
Hier der Versuch einer endgültigen Antwort:

These.
Die Bedeutung des Delayed-Choice-Experiments ist unmittelbar mit der Bedeutung des Doppelspaltexperiments und mit der Existenz der deterministischen Zeitordnung verbunden.

Beweis.
Der Aufbau des Delayed-Choice-Experiments (DCE) macht den Eindruck, dass in ihm mehrere Ereignisse gleichzeitig stattfinden. In Wirklichkeit findet zwischen dem Aussenden des Urphotons und dem Auftreffen der verschränkten Photone auf die Detektoren D1-D5 kein einziges Ereignis statt.
Das Delayed-Choice-Experiment ist in diesem Sinne dem Doppelspalt-Experiment mit inaktiven Spaltendetektoren gleich – sowohl bei dem einen, wie bei dem anderen Experiment findet zwischen dem Aussenden der Photone und dem Augenblick der endgültigen Messung keine Zwischenmessung statt.

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Fig. 2 Doppelspalt-Experiment mit inaktiven Detektoren (es findet keine Zustandsmessung am Doppelspalt statt)

Wie sich die Zukunft der deterministischen Zeitordnung (welche sich stets auf eine bestimmte Gegenwart beziehen muss) im Doppelspalt-Experiment auf die Gegenwart des Erscheinen der Photone auf dem Bildschirm bezieht, so bezieht sich die Zukunft der deterministischen Zeitordnung im DCE auf die Gegenwart des Erscheinen der verschränkten Photone auf den Detektoren D1-D5.
Genauso wie es beim Doppelspalt-Experiment der Fall ist, befinden sich die verschränkten Partnerphotone im DCE bis zum ihren Auftreffen auf die Detektoren D1-D5 im Zustand der Superposition (in der Zukunft der deterministischen Zeitordnung, welche sich auf die Gegenwart D1-D5 bezieht). Dadurch jedoch, dass diese Zukunft kausal gesprochen vor dem Auftreffen der verschränkten Photonen auf die Detektoren stattfindet, kommt der Determinismus der neuentdeckten Zeitordnung ins Spiel – dadurch nämlich, dass den verschränkten Partnerphotonen im DCE, bis auf die Ereignisse D1-D5, keine Ereignisse zur Verfügung stehen, auf welche sich ihre Zukunft der deterministischen Zeitordnung beziehen könnte, bezieht sich ihre individuelle Zukunft auf die Detektoren D1-D5 unabhängig davon, wo sie sich real jeweils befinden.
Die unscharfe Zukunft der deterministischen Zeitordnung D1 mündet nämlich notwendigerweise in der scharfen Gegenwart des Ereignisses D1 (D2-D5 analog) – aus diesem Grund eben, nennen wir die neuentdeckte Ordnung der Zeit „deterministisch“ und aus diesem Grunde besteht in der Realität keine Information über die Existenz der verschränkten Photonenpaaren. Sie existieren nämlich ausschließlich als Quantenobjekte im Zustand der Superposition. Determinismus: Im Augenblick der Messung zeigt es sich, dass die Zukunft der Partnerphotone auf die Gegenwart der Messung bezogen WAR, und zwar schon zum Zeitpunkt ihrer Spaltung…eine durchgeführte Messung ist schon immer die unausweichliche (determinierte) Zukunft der Photone gewesen.
Die Quantenobjekte „wissen“ über den gemessenen Zustand im Voraus, weil sie Objekte der Zukunft sind.

Wir behaupten hiermit, eine vollständige und eine widerspruchsfreie Interpretation des Delayed-Choice-Experiments geliefert zu haben.

So geht die archaische Epoche auf diesem Planeten zu Ende.