15. Quantenrealität (VII) Die Gedanken zur Vorstellung und zur sprachlichen Beschreibung der ZEIT.

von Maciej Zasada

»Kann man, Grosskönig, das Salz etwa mittels einer Wage wägen?«
»Ja, Meister, das kann man.«
»Das kann man n i c h t , Grosskönig. Nur das Gewicht wird auf der Wage gewogen.«
»Gut, Meister Nāgasena.«
(aus „Die Fragen des Königs Menandros“)

Will ich begreifen, was die Zeit wirklich ist, muss ich mich von meiner gegenwärtigen Vorstellung und von meiner gegenwärtigen Sprache, mittels derer ich die Zeit beschreibe, lösen.

Die Vorstellung:
Die Wirklichkeit der Zeit, welcher man, wie wir es in unserer Theorie tun, räumliche Aspekte zuschreibt, muss geradezu völlig anders sein, als die gegenwärtige Vorstellung.
Die Zeit (wie auch der Raum) ist in unserer Dimension eine künstlich entstandene, virtuelle Skala oder ein Rechenparameter, in Wirklichkeit muss sie etwas sein, ein Gegenstand, eine Fläche, ein Geruch.

Die Sprache:
Kann man etwa die Zeit mittels einer Uhr messen?
Nein, das kann man  n i c h t .
Die Uhr kann höchstens die Anzahl der Zeiteinheiten zwischen zwei Ereignissen messen.
Du kannst zwar einem Ereignis einen Zeitpunkt zuordnen, die Zeit als solche besitzt jedoch keinen (wie die Bestimmung keinen Bestimmungsort besitzt, wie das Salz nicht mittels einer Waage gewogen werden, und wie die Anordnung von Michelson und Morley nichts über die Existenz oder Nichtexistenz von Äther aussagen kann…darüber hier)

Die Zeit wird gern als eine unendliche Strecke verstanden, denn jedes Ereignis, auch das allererste muss eine Ursache haben, die in der Zeit vor ihm geschieht (n-1). Diese wiederum ihre eigene Ursache usw.
Jedem Zeitpunkt, den wir für ursprünglich halten, können wir einen früheren zuordnen.
Die Gegenwart ist dagegen kein Bestandteil der messbaren Zeit, und zwar solange, solange sie Gegenwart ist. Diese Beschränkung ist gleichzeitig der eigentliche Rahmen ihrer eigenen Existenz. Ein Problem der sprachlichen Darstellung?

Die Zeit hat auch in einer Realität Bestand, in der die räumlichen Dimensionen gar nicht existieren. Sie ist ein relevanter Parameter eines jeden logischen Systems (Beispiel: Wenn – Dann – Operationen). Jede Rechenoperation (jede Algorithmus-Zeile) benötigt Zeit, um ausgerechnet zu werden.
Die Zeit ist das Bindeglied zwischen Materie und Geist.
Das Virtuelle an der Zeit entspricht dem Geistigen – es benötigt keinen Raum, um zu existieren.
Einer jeden Existenz, unerheblich ob einer innerhalb der materiellen Welt oder einer virtuellen, steht jedoch eine Bedingung voraus: die Bedingung der tragenden Struktur.
Die Form der tragenden Struktur ist allzeit räumlich.
Sie ist selbst dann räumlich, wenn die Ausdehnung ihres Gegenstandes null beträgt, wenn ihre eigene Existenz bloß virtuell ist.
Die Zeit ist die tragende Struktur der Realität.

Erstens:
Die Zeit scheint die eigentliche Dimension der Realität zu sein, denn der Raum lässt sich in unserem Modell verkürzt, als Vergangenheitstiefe, als Zeit darstellen.

In unserem Modell der Raumzeit nehmen wir die vollständige Äquivalenz von Raum und Zeit als gegeben an. Wir lösen uns damit von der parametrischen Vorstellung, in der die Zeit ein Maßstab ist.
Wir ordnen der Zeit die Eigenschaften des Raumes zu.
Es ist unstrittig, dass die Vorstellung von Raum und Zeit ein Konstrukt unseres Gehirns ist. Dass diese Vorstellung in Wirklichkeit falsch ist, kann mit gewisser Sicherheit angenommen werden.
Die gegenwärtige Abwesenheit des alternativen Gegenentwurfs ist jedenfalls kein Beweis für die Gültigkeit aktueller Vorstellung.
Zwischen der „Abwesenheit“ und „Anwesenheit“ besteht, angesichts der Existenz der Überlagerungszustände aller möglichen Entwürfe der Zukunft, nicht der geringste Unterschied.

Zweitens:
Bei der Erklärung des Phänomens der Verschränkung hat sich gezeigt, dass unsere Überzeugung von der Gültigkeit der gegenwärtigen Raumauffassung und von der Gültigkeit der raumbedingenden Konstanten wie der Naturkonstanten „Lichtgeschwindigkeit“ nicht überall und nicht unter allen Umständen für das Realitätsprogramm bindend ist.

Es hat sich vielmehr gezeigt, dass die Naturkonstante „Lichtgeschwindigkeit“ ein Parameter, eine Variable ist, und als solche nicht als tragende Struktur der Realität gelten kann.
Die moderne Deutung des Phänomens der quantenmechanischen Verschränkung als eines Phänomens, bei dem keine Information zwischen den verschränkten Partnerteilchen fließt (weil diese in verschränktem Zustand Bestandteile eines einzigen Gesamtsystems sind und es keine Rolle spielt, wie weit sie voneinander entfernt sind) ist nicht richtig – die Information ist ein elementarer Bestandteil der Realität, somit auch jedes Gesamtsystems, somit auch des verschränkten Systems…deshalb: entweder gilt die Grenzgeschwindigkeit der Informationsübertragung für alle Systeme der Realität oder sie gilt gar nicht.
Ich behaupte, dass man das Phänomen der Verschränkung aus dem Grunde beobachten kann, dass dieses Phänomen durch die Aufnahmeinstanzen der Realität nicht als ein singulärer Zustand registriert wird, womit die wirkliche Existenz des verschränkten Teilchenpaares logisch von seiner Existenz als Gesamtsystem entkoppelt ist, womit sich erst begründen lässt, warum sich zwei verschränkte und voneinander beliebig entfernte Teilchen wie ein Gesamtsystem verhalten – sie verhalten sich so, weil die Information über ihren verschränkten Zustand in der Realität gar nicht vorhanden ist.
Der Preis für diese Begründung ist die Aufgabe der Vorstellung eines universalgültigen, selbstständig bestehenden Ereignisfeldes der Realität.
Es zeigt sich, dass sich die Realität in entscheidenden Punkten „unerlaubt“ verhält, bzw. dass der Leistungsfähigkeit ihrer „Gesetze“ logische Grenzen gesetzt sind.
Nebenbei gesprochen ist die Vorstellung, dass sich die Realität „verhält“, also auf Bedingungen „reagiert“ ungewöhnlich, denn wir setzen der Realität eine einzige Bedingung voraus: ihre bloße Existenz.
Wenn die Gültigkeit eines einzigen Naturgesetzes oder Naturkonstante auch nur „teilweise“, auch nur „begrenzt“ außer Kraft gesetzt werden kann, dann verlieren alle Naturgesetze und Naturkonstanten ihre primäre Gültigkeit, dann ist ihre lokale Gültigkeit ein unbedeutender Zufall.
Die logische Grundlage des „Naturgesetzes“ stellt nämlich das Prinzip des „Tertium non Datur“ – erweist sich ein „Drittes“ als gültig, widerspricht sich die Mechanik dieser Logik und somit die schiere Idee des „Naturgesetzes“ an sich.