7. Die Raumzeit (I).

von Maciej Zasada

Auf dem Weg hin zum Entwurf einer Allgemeinen Quantentheorie der Realität führten wir bereits das Konzept der Parallelen Ordnung und das Modell des Initialquants ein.
Somit verliessen wir auf natürliche Weise den vertrauten Grund des kuscheligen Standardmodells der Kosmologie.
Wir gehen nun weiter, denn wir entscheiden uns dagegen, die Theorie an eine existierende Realitätvorstellung anzupassen (was noch bei der Kosmologie der Mitte eindeutig der Fall war) – wir entscheiden mit der Theorie den Grundstein für eine völlig neue Vorstellung der Realität zu legen. Dieser Grundstein ist ein mächtiges An-Argument, das unsere Perspektive auf das Universum nachhaltig verändern wird.
Ohne eine passende kosmologische Assoziation sind schließlich manche Vorstellungen undenkbar – sie befinden sich außerhalb des Raumes der denkbaren Dinge (und der Mensch ist wohl außerstande, Bilder zu denken, welche nichts mit der praktischen Erfahrung oder mit der praktischen Möglichkeit zu tun haben – sogar die Fabelwesen unserer Kindheit waren allesamt Hybriden, die aus Körperteilen verschiedener, real existierender Tiere zusammengesetzt waren).
Die Aufgabe der Quantenkosmologie sehe ich u.a. darin, bestimmte Vorstellungen und Bilder in den logischen Raum des Denkbaren zu holen…dann werden sie fassbar, begreifbar…und die logische Wirklichkeitsbeschreibung einfacher (die Logik der Raumzeit, welche aus 2-dimensionalen Flächen und der Zeit als Raumkoordinate besteht, wird wahrscheinlich einfacher sein, als die Logik der 4-dimensionalen Raumzeit, welche durch nichteuklidische Geometrie und Tensoren beschrieben wird – merkst Du, dass sich das Bild der Realität mit unseren Modellen tatsächlich etwas verändert?).

7.1 Die Gegenwart als Initialpunkt der Raumzeit.
Unserer Vorstellung vom expandierenden Universum liegt ein fataler Fehler zugrunde: wir sehen den Urknall als den Initialpunkt der Universum-Expansion. Diese Vorstellung als fehlerhaft anzusehen erschließt sich nicht auf den ersten Blick, doch schauen wir uns folgende Illustration an.
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Diese Vorstellung macht nur ein bestimmtes Bild des dynamischen Universum und nur eine bestimmte Kosmologie denkbar.
Es ist die Vorstellung eines zwar expandierenden, aber eines, was seine Strukturen angeht, völlig statischen, linearen Universums.

Das An-Argument der Expansion.
Die logische Konsequenz des Modells des Initialquants ist tatsächlich das Bild eines expandierenden Universums. Wir setzen jedoch nicht den Urknall, sondern die jeweilige Gegenwart als den Initialpunkt der Expansion ein.

Dias Initialquant der Realität – die Gegenwart – der Mittelpunkt der gesamten Realität. Der dynamische Zustand des Universums liegt nicht in der tiefsten Vergangenheit, sondern ist allgegenwärtig und unzertrennlich mit uns selbst verbunden.

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Wir behaupten nicht etwa, dass am Anfang des Universums kein Urknall stattfand – an dieser Diskussion nehmen wir gegenwärtig gar nicht teil – wir meinen aber, dass selbst im Falle eines Urknalls von seiner Gegenwart gesprochen werden kann und muss.
Auch dann, wenn der Unterschied zwischen der Urknallbezogenheit und der Gegenwartbezogenheit der Expansion auf den ersten Blick unwesentlich erscheint, ist er mit dem Unterschied vergleichbar, der zwischen dem heliozentrischem und dem ptolemäischen Weltbild vor der kopernikanischen Revolution bestand – die Annahme der Gegenwartbezogenheit der Universum-Expansion hat einen ähnlichen Perspektivenwechsel zufolge, wie die Annahme der Gültigkeit des heliozentrischen Modells – die Dinge werden einfacher.

Das Universum expandiert, doch der Initialpunkt der Expansion liegt stets in der jeweiligen Gegenwart – der Minimalpunkt der Expansion liegt in der aktuellsten Gegenwart, der Maximalpunkt der Expansion in der tiefsten Vergangenheit….somit wird der geometrische Mittelpunkt des Universums durch das Initialquant der Realität und die Außengrenze durch die Urknalllinie markiert.
Aus dem Konzept des gegenwartsbezogenen Universum ergeben sich viele schwerwiegende Konsequenzen, welche zum Teil im Rahmen der Kosmologie der Mitte angesprochen wurden (u.a. die Umkehrung der thermodynamischen Kausalität des Universums in Bezug auf die Expansionsrichtung, die Entkopplung des Urknallereignisses von der Expansionsrichtung des Universums, die Konformität des Kontraktionsmodells mit dem Pfeil der thermodynamischen Kausalitãt, die Veränderung des raumzeitlichen Bezugs des Beobachters, die universelle Singularität der Gegenwart etc.).

7.2 Das Raumzeitgefüge der Realität
Die andere Konsequenz der Platzierung der jeweiligen Gegenwart im geometrischen Mittelpunkt der Raumzeit ist die Vergangenheit aller sonstigen Punkte der Raumzeit. Diese ergibt sich einerseits aus ihrer zentralsymmetrischen Relation zum Mittelpunkt des Raumes, andererseits aus dem kausalen Bezugsverhältnis der Vergangenheit und Gegenwart.
Betrachten wir zunächst eine Gerade x (a)), fügen wir ihr einen Ursprungspunkt zu (b)). Lassen wir beiderseits des Ursprungspunkts eine Skala entstehen, deren Werte links ansteigen und rechts absteigen (c)). Wir erhalten eine Zeitskala, in deren Mitte die Gegenwart steht – alle möglichen Punkte auf der Geraden befinden sich entweder im Ursprungspunkt (Gegenwart) oder in der Vergangenheit.

Die Zeitvermutung.
Die Zeit als eine unabhängige Größe ist 1-dimensional. Man kann sich daher ihre vom Raum und Fläche unabhängige Existenz vorstellen. Anders ausgedrückt: man kann sich vorstellen, dass Objekte der 2. und 3. Dimension (auch der Raum als solcher) aus Zeit bestehen*.

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Das gleiche System können wir 2-dimensional darstellen.
Der Ursprungspunkt des Koordinatensystems (x,y) markiert die Gegenwart des Systems, die Achsen (x,y) und die Punkte, die sich zwischen den Achsen befinden liegen in Bezug dazu in der Vergangenheit.
Es gilt hier die aufgestellte Zeitvermutung – die Achsen x,y sind, wie wir sehen, nichts anderes als 1-dimensionale Zeitdarstellungen.

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Das gleiche System auf das 3-dimensionale Koordinatenmodell übertragen sieht wie folgt aus:

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Auch hier sehen wir, dass die 3 Raumachsen eindimensionale Geraden sind, womit sie identisch mit der eindimensionalen Zeit(darstellung) sind.

Die Geometrie der gegenwartsbezogenen Raumzeit determiniert die allgemeine Richtung ihrer Expansion: wenn der Raum und die Zeit äquivalent sind, dann darf angenommen werden, dass die Raumexpansion und das Vergehen der Zeit, zwei Erscheinungsformen derselben Ursache sind.
Wir verbinden auf diese Weise nicht nur den Raum und die Zeit als physikalische Größen miteinander, wir verbinden auch ihre observablen Effekte miteinander, Effekte, die bisher nicht in Verbindung gestanden haben. Raum und Zeit betrachten wir somit als eine physikalische Einheit in jeder Beziehung, d.h. es ist offensichtlich in jeder Beziehung falsch von Zeit und Raum als getrennten Entitäten oder getrennten Kontinuum-Komponenten zu sprechen.
Raum und Zeit sind in jeder Beziehung dasselbe (diese seit mehr als hundert Jahren bekannte Trivialität ist bis heute kein Bestandteil der Grundausbildung – wir bringen den Kindern stur das Gegenteil bei, weil wir die Kinder wie vor hundert Jahren schützen wollen, vor den sich aus dieser Tatsache vermeintlich ergebenden Paradoxien und uns vor den Fragen, die wir nicht beantworten können…wir erzwingen damit das Fortbestehen des archaischen Systems, eines Systems, dessen Ausrottung bei den Meisten gar nicht und bei den Wenigen nur unter Schmerzen gelingt. Die Verbindung der Zeit und des Raumes wäre keine Paradoxie, würde man mit ihrer Vorstellung aufwachsen – dieselbe Abhängigkeit betrifft übrigens jede Paradoxie).

 

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*Wie soll etwas materielles aus Zeit bestehen?
Schwer vorstellbar, aber gerade darum geht es uns hier: das Unvorstellbare denkbar zu machen.