Wissen und Erkennen.

von Maciej Zasada

Erkenntnisaxiom
Da das Vorhandensein des Wissens nicht automatisch die Entstehung der Erkenntnis zufolge hat, hat das Wissen insgesamt keinen wirkenden Einfluss auf das Vorhandensein der Erkenntnis.

Der Fehler, der gemacht wird, indem man das Vorhandensein der Erkenntnis mit dem Grad des vorhandenen Wissens in Verbindung setzt, ist der, dass man zwischen dem Wissen und der Erkenntnis nicht unterscheidet.
Dieser Unterschied jedoch, ist der größtmögliche (und vielleicht der einzige, den man überhaupt erkennen soll).
Ja, dieser Unterschied ist gleichzusetzen mit der höchsten Erkenntnis.
Warum?
Der Gegenstand des Wissens ist die Materie – ihre Zustände, Prozesse, mathematische Regeln, Modelle, Naturkonstanten, Raum und Zeit.
Der Gegenstand der Erkenntnis ist der immaterielle Geist.
Der Geist innerhalb der materiellen Realität erkennt sich selbst und erkennt die Materie (als unterschiedliche Formen des Seins).
Zwischen dem Wissen und der Erkenntnis besteht eine Relation der nichtsymmetrischen Unschärfe – je genauer das Wissen, je detaillierter die Objektbeschreibung, desto unpräziser, desto unvollständiger die Erkenntnis.
Das Wissen ist exklusiv. Die Erkenntnis universell.
Der Mechanismus, mit dem das Wissen vermehrt wird, ist die Vervollständigung.
Man trachtet danach, das Unwissen zu vervollständigen.
Die Zuversicht entsteht, indem man sich an die Gewissheiten klammert – seit Jahrhunderten ist man deshalb überzeugt, einen kleinen Sprung von der ultimativen Erkenntnis entfernt zu sein…
Anstelle der Erkenntnis erreicht man allenfalls die nächst höheren Stufen der Unvollständigkeit.
Das Wissen und die exklusive Gewissheit machen es möglich, die Irrtümer über Generationen zu transportieren, d.h. großflächig Verwirrung zu stiften.

Die Erkenntnisquellen schrumpfen und versiegen mit der Zeit.
Die zuverlässigen Erkenntnisquellen sind rar: Wahrnehmung, kompetente Unterweisung, Schlussfolgerung.

Das Wissen ist unvollständig und vergänglich.
Die Ignoranz ist die Abwesenheit von speziellem Wissen, Gleichgültigkeit ihm gegenüber.
Die Erkenntnis ist Illumination.

Das Wissen gleicht der sich selbst betrachtenden Schönheit, welche sich ihrer Vollständigkeit nie sicher ist und welche von sich selbst immer mehr verlangt, obwohl das Höchste was sie vollbringt, die Vernichtung des Vollbrachten ist (es gibt immer ein besseres Ziel – man ist groß unter den Kleinen und klein unter den Großen, man ist klug unter den Dummen und dumm unter den Klugen, man ist schwarz unter den Weißen und weiß unter den Schwarzen, man ist Frau unter den Männern und Mann unter den Frauen, man ist reich unter den Armen und arm unter den Reichen…man ist schön unter den Hässlichen und hässlich unter den Schönen)
Die Erkenntnis besitzt keine Hierarchie – sie gilt vollständig.