Quantenkosmologie: Die „Realität“ der gequantelten Raumzeit.

von Maciej Zasada

(8. These (der Verbindung) 
Wenn eine vermeintlich serielle Erscheinungsordnung der Raumzeit unkritisch akzeptiert wird – d.h. wenn ihre Prozesse und Ereignisse gemessen werden und wenn behauptet wird, von der endgültigen Wahrheit insoweit entfernt zu sein, insoweit die endgültige Auflösung der Messung erreicht oder nicht erreicht ist, dann wird de facto keine Ordnung der Raumzeit erkannt, sondern es werden höchstens die einzelnen Merkmale der manifesten Erscheinung (punktuell in Raum und Zeit) erfasst.)

Wenn wir annehmen, dass die Raumzeit in Quantenstufen manifest wird (Materie, Energie und elektrische Ladung kommen in der Natur in gequantelten Form vor), dann wird die Vorstellung von ihrer seriellen oder wellenartigen Erscheinungsordnung (in welcher die Ursache fließend in die Wirkung, ein Zustand fließend in einen anderen übergeht, im Universum ein Gleichgewicht der Kräfte herrscht und die Realität außer Frage steht) in ihren Grundfesten erschüttert.
Es erscheinen zwei große Fragestellungen – zum einen die Frage nach der Frequenz der Realität-Aktualisierung einer Quantenraumzeit, zum anderen die Frage nach dem informatorischen Hintergrund der kausalen Veränderung innerhalb der Raumzeit (die Frage nach der Instanz, in welcher die Sinnhaftigkeit der Kausalitäten – ihr thermodynamischer Pfeil – gespeichert ist).
Die erste Frage lässt sich verhältnismäßig leicht beantworten – die Frequenz der Realitätsaktualisierung lässt sich anhand des Volumens derjenigen Teilchen ermitteln, bei denen Quanteneffekte zu beobachten sind.
Die theoretische Grundlage dieser Behauptung haben wir in „Quantenkosmologie. Die Sätze der Form“ (9. Satz) ausgearbeitet:

– (ii) Die Obergrenze der Sichtbarkeit quantenmechanischer Effekte (Punkt der Dekoherenz) hängt von der raumzeitlichen Größe quantenmechanischer Objekte ab.

Die Gegenwart einer Beobachterinstanz liegt an der Grenze zwischen der Wirklichkeit und der Realität der Raumzeit.
Der Latenzwert der punktuell wirksamen Gegenwart beträgt Null – diese Latenz ist aufgrund ihrer Unmittelbarkeit (PROZESSVORSCHRIFT – Gegenwart) geringer als die des realitätsstiftenden Systems, das für die Ausgestaltung aller Objekte der Raumzeit zuständig ist (PROZESSVORSCHRIFT – Vergangenheit).
Wenn die Größe beobachteter Objekte die Schwelle quantenmechanischer Relevanz überschreitet, ist die Verzögerung der Realität nicht mehr observabel – bei den Objekten, derer raumzeitliche Ausdehnung größer ist als die Latenzzeit der Realität, treten keine Quanteneffekte auf.
(Ja Sie haben richtig gelesen: die räumliche Größe eines Objekts kann der zeitlichen Dauer eines Latenzeffekts entsprechen – indem wir nämlich die Strecke, welche das Licht innerhalb einer Planckzeit Einheit (oder ihres ganzzahligen Vielfachen) bewältigt, als die Einheit des Latenzwertes annehmen, entspricht der Latenzwert genau der Maximalausdehnung eines größtmöglichen quantenmechanischen Objekts – ist diese Maximalausdehnung erreicht oder überschritten, kann sich der Latenzfehler nicht mehr fortpflanzen)Die raumzeitliche Ausdehnung quantenmechanischer Objekte ist offenbar geringer als die eines einzelnen Realitätsquants, deshalb pflanzt sich der Latenzfehler der Realität mit jedem Realitätsquant weiter fort und deshalb ist der quanteneffekt (Latenzeffekt) als Ganzes stabil. Die Realität quantenmechanischer Objekte ist durch den Latenzeffekt dauerhaft verschoben. –

Die zweite Frage, die Frage nach der Instanz, in welcher die Sinnhaftigkeit der Kausalitäten (die kausale Richtung und der kausale Sinn) gespeichert ist, ist nicht mehr so einfach zu beantworten. Hier sehen wir uns in der Tat mit einem ernsthaften empirischen Problem konfrontiert.
Die Tatsache, dass sich quantenmechanische Effekte ereignen und beobachten lassen und die Tatsache, dass die festen Kausalketten der Realität darin kollabieren, scheinen die Vermutung zu stützen, dass die gesamte Kausalität der Realität nicht analog organisiert (nicht streng nach dem seriellen Prinzip von Ursache und Wirkung voranschreitet) sondern dass diese Kausalität von der Frequenz der Realitätsaktualisierung einerseits und von der Wirkung des realitätsstiftenden Prinzips andererseits abhängig ist.
Dies würde aber bedeuten, dass die beobachteten Kausalketten nicht innerhalb der realen Welt entstehen (nicht das reelle Motiv ihrer selbst sind) sondern außerhalb der Realität gestiftet werden…dies würde letzten Endes bedeuten, dass wir unser Konzept der materiellen Realität insgesamt fallen lassen müssen…
Warum?
Genauso wie wir künstlich die Wirkung der Unvollständigkeitssätze Gödels auf die Arithmetik begrenzen wollen, wollen wir die Wirkung der quantenmechanischen Erkenntnis auf die mikrokosmischen Objekte begrenzen.
Wir trennen die Physis dieser Welt in zwei voneinander entkoppelte Felder: in den mikro- und in den makrokosmischen Bereich. Dadurch können wir bequem behaupten, dass die Kausalitäten des Mikrokosmischen mit den Kausalitäten des Makrokosmischen nichts zu tun haben…Wir vergessen jedoch, dass die Grundlage des logischen Prinzips der Kausalität für beide Bereiche identisch ist. Das heißt: es kann nur eine Art von Kausalität geben. Diese ist unabhängig von der Art, vom Ort und von der Zeit, in welchen die Kausalzusammenhänge entstehen, sie ist zudem unabhängig von der Größe und von der Observabilität ihrer Komponenten – sie muss als Ereignis stabil und allgemeingültig sein. Wenn sich instabile oder gar kollabierende Kausalketten innerhalb der realen Welt beobachten lassen, liegt die Annahme nahe, entweder den gesamten Mechanismus der Kausalität oder den gesamten Mechanismus der Realität infrage zu stellen.
In unserem Fall treffen beide Annahmen zu.
Die Kausalität der Welt funktioniert verlässlich für Objekte, die ein bestimmtes Volumen nicht unterschreiten. Wenn das Volumen dieser Objekte kleiner wird als das raumzeitliche Ausdehnung des einzelnen Realitãtsquants (so nennen wir hier eine Aktualisierungsenheit der Realität), dann verursachen sie stabile Realitätsstörungen.
In der Quantenkosmologie sehen wir das wirkende Motiv der Realität nicht in ihr selbst sondern in der Wirkung der PROZESSVORSCHRIFT, es fällt uns deshalb nicht schwer, den Hintergrund der quantenmechanischen Effekte zu durchschauen – die Frage nach der Mechanik der rückgekoppelten Aktualisierung der Realität (mit all ihren Kausalitäten und Prozessen) bleibt dennoch (vorerst) unbeantwortet…
Es bleibt vor Allem die Frage nach der Mechanik der Aktualisierung offen: wie ist der Update-Mechanismus der Realität?
In jedem einzelnen Quant der Realität müsste die gesamte Realität enthalten sein…Unschärferelation!