Gewitterkind: Über gepanzerte Mähdrescher, das logische Prinzip der Rückkopplung und das Ende der Menschheit.

von Maciej Zasada

Diese Schrift wurde publiziert am 04.09.2014 um 4:48 Uhr

Wie es scheint wird der Krieg in der Ukraine abrupt zu Ende gehen.

„Putin ist kein Partner mehr, er ist Gegner“, hören wir dennoch in der Tagesschau.
Kriegshetze geht aus Trägheit weiter.
Haben die Kommentatoren etwa gehofft, die scharfen Klingen ihrer Rhetorik endlich in den Dienst der „gerechten Sache“ zu stellen?
Enttäuscht über Putins Absage?
…aaa, auf dem falschen Fuß erwischt?
Die Positionen versteiften sich fortdauernd, man forderte, verurteilte („aufs Schärfste“), man „zeigte Unverständnis“…man führte ein gigantisches Theaterstück vor.
Man erzeugte Feindbilder, generierte Aggression, man bombardierte uns mit den Bildern der Elend, mit logischen Beweisen, Argumenten und Lügen, man erhöhte stetig den Druck.
Irgendwann, und das wissen wir alle, würde er so unerträglich sein, dass man sich eine kriegerische Eskalation regelrecht wünschen würde.
Und gerade darum geht es bei der propagndagesteuerten Rückkopplung.

Denn der Krieg soll eine Erlösung sein.

Im folgenden Auszug aus der „Kritik an der Logik des kategorischen Imperativs“ beschreiben wir das Internet-Verhalten, doch die Parallelen zur gelebten Gegenwart sind offensichtlich:

– Wenn ich mein Verhalten im Internet nach dem Prinzip des kategorischen Imperativs richte und versuche niemandem zu schaden, merke ich, dass die zwischenmenschliche Kommunikation recht gut funktionieren kann. Es geht solange gut, solange sich auch alle Anderen nach meinem Prinzip richten.

Werde ich allerdings angegriffen wird es niemanden wundern, dass ich mit der gleichen Münze zurückzahle. Mehr noch – wenn meine Rachelust besonders effektiv ist, sprich wenn es mir gelingt, bei meinem Gegenüber mehr Schaden anzurichten, als es ihm bei mir gelungen ist, dann wird mein aggressives Verhalten als logisch, konsequent und legitim empfunden und als ein normkonformes Handeln akzeptiert.
Die mechanische Geltung des kategorischen Imperativs versagt angesichts der logischen Auge-um-Auge-Mechanik völlig. –

Die allgegenwärtige Kriegshysterie ist dessen Zeichen…

Wir verhalten uns letztendlich genau so, wie wir uns immer schon verhalten haben – es ist nicht Putins Schuld, dass wir Menschen sind (wir – die Russen, wie die Amerikaner, die ISIS-Kämpfer, die Deutschen, Ukrainer…).

So wie sich kein junger Held vorstellen kann, dass er von seinem Kriegsabenteuer ohne Eier heimkommt, so stellen wir uns nicht vor, wie der letzte Krieg verlaufen wird…
Im letzten Krieg werden die ferngesteuerten Raketen nicht nur unsere Städte und Industrieanlagen, sie werden vor allem die vollen Mähdrescher auf dem Kornfeld treffen. Und zwar jeden einzelnen von ihnen.
Wir werden es mit den Mähdreschern der Russen tun, die Russen tun es mit unseren.
Das Problem wird sich auf diese Weise von selbst lösen.
Denn die Menschheit ist offenbar nicht imstande, sich selbst zu überwinden.

Sie muss jedoch zu Ende gehen – wenn nicht auf meine, dann auf ihre eigene, affige Art.

Gewitterkind.

John Deere, hast du dir schon Gedanken über gepanzerte Mähdrescher gemacht?

…John Deere?