GAZA (Kritik an den Laws)

von Maciej Zasada

Ich behaupte, dass das Identitätsproblem klassischer Logik zusammen mit dem Objektivitätspostulat klassischer Kosmologie/Logik/Philosophie/Physik und mit dem mathematischen Konsistenzpostulat (aktuelle Mathematik ist konsistent innerhalb des aristotelischen Paradigmas) im Gegensatz zu den Postulaten stehen, die sich aus den Prinzipien der Perspektivenlogik ergeben.
Die elementaren Rechenmechanismen der Mathematik (welche logische Kalküle genannt werden) basieren auf den einfachsten Prinzipien aristotelischer Logik. Sie müssen deshalb im krassen Gegensatz zu den logisch-mathematischen Formen stehen, welche sich aus den perspektivisch-logischen Prinzipien und aus den Prinzipien der perspektivischen Äquivalenz ergeben werden.
Wir erkennen, dass gerade hier die Demarkationslinie zwischen dem Bisherigen und dem Zukünftigen verläuft – die angenommene Konsistenz der Wirklichkeit ist ein logisches Konstrukt, welches ein Relikt archaischer Denke ist.
Der logische Fundament der Wirklichkeit, wie er aus unserer Perspektive gesehen wird, fügt sich nicht dem klassischen Modell – die Mechanik der Wechselwirkung entspricht vielmehr dem quantenmechanischen als dem klassischen Modell.

Unabhängig von der Komplexität logischer Systeme, welche eingeführt werden und unabhängig davon, ob ihre Verbindung mit der klassischen Logik evident ist oder nicht – alle logischen Systeme auf diesem Planeten sind klassisch, denn sie entsprechen ausnahmslos dem klassischen Kriterium der logischen Konsistenz, welches durch das Prinzip des ausgeschlossenen Dritten bestimmt wird.
Dieses Kriterium erscheint notwendig, um die Wirklichkeit zu beschreiben und um Dinge dieser Welt zu bezeichnen, ja um Dinge dieser Welt (voneinander) zu unterscheiden.
Eine inkonsistente Logik widerspräche der Konsistenz und der Kontinuität der Wirklichkeit.
Eine Logik, welche, wie Perspektivenlogik, die primäre Objektivität der Wirklichkeit infrage stellt, muss als inkonsistent im klassischen Sinn bezeichnet werden.
Eine Logik, welche im klassischen Sinn inkonsistent ist, muss jedoch, wie wir uns überzeugen dürften, keinesfalls „unlogisch“ sein.
Die Wirklichkeit ist nicht in dem klassischen Paradigma enthalten – sie kann höchstens im klassischen Sinn beschrieben werden.
Wir beschreiben aber nicht die Wirklichkeit, die wir verstehen – wir beschreiben die Wirklichkeit um sie zu verstehen und wir beschreiben sie durch das Paradigma des gerade verfügbaren logischen Rahmens – der logische Grund der Wirklichkeit hat mit diesem Rahmen gar nichts zu tun.
Der logische Grund der Wirklichkeit ist und bleibt unbekannt und solange er unbekannt ist, sind wir nicht in der Lage, die Wirklichkeit als Ganzes vollständig zu beschreiben.
Jede Beschreibung der Wirklichkeit ist nämlich aus dem Grund unvollständig, dass die logischen Mitteln, mit deren Hilfe sie beschrieben wird, nicht nur unvollständig sondern in erster Linie inadäquat sind.
Die Perspektivenlogik ist der erste Versuch aus diesem archaischen Dilemma auszubrechen.
Und was hat das mit der Wirklichkeit zu tun…was hat die Tatsache, dass die Wirklichkeit mit inadäquaten Mitteln beschrieben wird mit dem zu tun, in welcher Wirklichkeit wir leben?

Die Tragik der Archaik.
Seit einiger Zeit hadere ich mit mir. Ich bin hin und her gerissen zwischen dem, was ich zu sagen habe und dem, wie ich es sagen soll.
Es wäre einfach, sich hinzusetzen und alles wichtige niederzuschreiben, ohne auf das zu achten, was davon und von wem verstanden wird. Die Satisfaktion ergäbe sich quasi automatisch aus der Tatsache des Vollbringens.
Ich lebe jedoch hier und jetzt und mir wird (besonders jetzt) klar, dass das, was ich zu sagen habe mit dem, in welche Zeit ich hineingeboren bin, zusammenhängt.
Es ist mir wichtig zu zeigen, was die Logik BE-WIRKT.
Solange sie als eine Wissenschaft oder als eine Sammlung praktischer Schlußregeln verstanden wird, bleibt sie unverstanden.
Die Logik bestimmt in welcher Welt wir leben.
Eine Logik bestimmt, dass manche Israelis Palästinenser und manche Palästinenser Israelis hassen (stellvertretend für alle Hassenden Ukrainer, Russen, Deutschen, Chinesen).
Welche Logik ist das?
Es ist die Logik der Entscheidung und der Unterscheidung – es ist die Logik des ausgeschlossenen Dritten.
Wenn die Wirklichkeit in wahr und falsch unterteilt werden kann, wenn ihre Bestandteile unterschiedlich in ihrer logischen Berechtigung und in ihrem logischen Wert sind, wenn die Daseinsberechtigung eher vom guten oder schlechten Willen, als vom Dasein selbst abhängt, wenn die willkürlich in Anspruch genommene Wahrheit eine eindeutige Falschheit ergibt, dann haben wir mit archaischer Logik zu tun, dann entsteht genau die Wirklichkeit, welche gerade in Gaza stattfindet.
Denn was bedeutet es Recht zu haben, was bedeutet es berechtigt zu sein in einer logischen Wirklichkeit des tertium non datur – in einer Wirklichkeit, in der lediglich eine Wahrheit logisch zulässig ist?
Es bedeutet schlicht und einfach, dass es jederzeit möglich ist das Archaische zu reaktivieren, denn das Archaische die Grundlage des kulturellen oder gesellschaftlichen Überbaus ist – eines Überbaus, dessen Solidität wir ach so sicher sind.
Spätestens dann, wenn es um das eigene Fort-/ Wohlbestehen geht, verwandelt sich der Kultivierte in eine blutrünstige Bestie.
Dass es überhaupt Empathie gibt liegt daran, dass wir wohl mehr sind als die Logik, die uns als Bestien ausmacht.

Die meisten Kommentatoren platzieren das Problem auf einer höheren Ebene der Interpretation – sie rechtfertigen, urteilen, machen verantwortlich, suchen nach Lösungen – die logische, die essentielle Ebene des Konflikts (die Ebene, welche vom konkreten Geschehen / Recht und Unrecht unabhängig ist) wird nie angesprochen.
Seit Tausenden von Jahren bestimmt die unsägliche Logik die Wirklichkeit und seit Tausenden von Jahren sehen wir die Ursachen der Wirklichkeit in ihren Umständen, nicht in ihrem logischen Fundament.
Deshalb liegt mir viel daran, das was ich sagen muss, schlicht und deutlich auszusprechen.