Gewitterkind: Der Islam – eine logische Betrachtung.

von Maciej Zasada

Der Islam ist, wenn man es logisch nimmt, keine fundamentalistische Religion.
Der Islam ist extrem logisch.
Seine innere Logik macht ihn auch über Jahrhunderte so stabil und erfolgreich.
Im Islam (wie auch in anderen Religionen) haben wir jedoch mit der reinen Form der archaischen Wahrheitslogik zu tun.
Demjenigen, der meine Beiträge regelmäßig liest, müsste längst auffallen, was ich von der archaischen Wahrheitslogik halte – nicht viel – doch um gerecht zu sein, muss gesagt werden, dass meine Abneigung ausschließlich dieser Logik gilt – ich trete gegen die archaische Wahrheitslogik als ein logisches System, nicht gegen die Menschen, die ihm ohne eigenes Verschulden ausgeliefert sind.
Niemand ist nämlich dafür verantwortlich, dass diese auf diesem Planeten alles bestimmende Logik immer noch nicht überwunden ist.
Wenn überhaupt jemand für die Existenz der archaischen Logik verantwortlich gemacht werden kann, dann alle, die je gelebt haben und die in der Lage gewesen sind, das unerträgliche Paradigma zu überwinden.
Doch de mortibus nihil nisi bene.

Einer der Grundpfeiler islamischer Logik ist die Überzeugung, dass im Islam die endgültige Antwort enthalten ist, andererseits die Überzeugung, dass Gott alles vorbestimmt hat und kein Geschehen vom Menschenbemühung oder menschlicher Streitbarkeit abhängig ist (in diesem Sinne ist unerheblich, ob und wie die Auseinandersetzung zwischen den Religionen und Kulturen organisiert wird, wie ihr Kampf verläuft, wieviele Opfer er fordert – was auch immer geschieht und was auch immer man dafür oder dagegen tut – man ist nie in der Lage, den Gottesplan zu beeinflussen)
Der logische Grundpfeiler des Islams besteht also in der Überzeugung, dass alles vorbestimmt ist und in der Überzeugung, dass im Islam die endgültige Antwort enthalten ist.
Im Klartext: unabhängig davon, was auf der Welt geschieht – alles führt zur Wahrheit des Islams (das, was den Islam dialektisch unangreifbar macht ist die mechanische Logik der ineinander greifenden Zahnräder).

Ich muss (und Herodot! und Aristoteles!) in einem Punkt dem Islam zustimmen – es ist tatsächlich alles vorbestimmt, doch das was geschieht, muss unbedingt geschehen, um den Lauf des Vorbestimmten zu vollenden. Daher ist es für den logischen Rahmen des Vorbestimmten extrem wichtig, dass alles was geschehen muss, tatsächlich geschieht.
(Nur über das, was tatsächlich geschieht kann behauptet werden, dass es nicht nicht geschehen konnte – z.B. die Tatsache, dass Du diesen Text gerade liest, kann jetzt nicht mehr ungeschehen gemacht werden – DAS, WAS NICHT NICHT GESCHEHEN KANN, MUSSTE GESCHEHEN – in diesem Sinne war die Tatsächlichkeit deiner lesenden Existenz bereits am Anfang aller Zeiten vorbestimmt – alles – die vollständige Evolution der Welt von Big Bang über Entstehung der Erde, des Lebens und des Bewusstseins hat darauf hingearbeitet, dass Du, mein Freund und Freundin, diesen Text gerade liest, tut mir Leid)

Wir entdecken den ersten Riss an der logischen Fassade des Islams – die Behauptung, dass auf die göttliche Vorbestimmung kein Einfluss ausgeübt werden kann ist zur Hälfte falsch – zur Hälfte richtig ist das Gegenteil: um die Vorbestimmung zu vollenden ist unerlässlich, dass alles geschieht, was geschehen muss. Dem Menschen sind Aufgaben gestellt, die er vollbringen muss, um den Lauf der Dinge zu vollenden.
Der Mensch ist also kein Statist Gottes – er ist de facto die agierende Voraussetzung Gottes (oder seines Willens, um bei der religiösen Rhetorik zu bleiben).

Der zweite Riss auf der logischen Fassade des Islams, hat mit der Behauptung zu tun, dass im Islam die endgültige Wahrheit enthalten ist.
Diese Behauptung ist als ein Wunsch zu bezeichnen und als ein solcher nicht logisch (im Sinne nicht der Logik angehörend)
Im Gegensatz zu dem oben behandelten Problem der Vorbestimmung ist das Problem der Endgültigkeit nicht logischer sondern mystischer Natur.

Die Behauptung, dass der Islam die endgültige Wahrheit enthält ist also aus diesem Grund unlogisch, weil sie ein Wunsch und keine logische Behauptung ist.

Weiter:
Wenn wir von der Richtigkeit der Behauptung ausgehen, dass alles vorbestimmt ist, dann müssen wir uns die Frage stellen, warum Gott zulässt, dass auf Erden eine effizientere Logik als die zweiwertige Wahrheitslogik entsteht – warum lässt Gott zu, dass die Logik auf der Islam und andere Religionen aufgebaut sind, infrage gestellt wird?

Wenn Gott der Allmächtige es für richtig hält, eine Logik entstehen zu lassen, die den logischen Sinn der archaischen Wahrheitslogik untergräbt (in dem Sinne, auch den Sinn der allgemein „menschlichen“ Weltanschauung mit all ihrer religiösen Auslegung), dann muss nach islamischer Lehre angenommen werden, dass genau das Geschehen vorbestimmt ist.
Und wenn eine Logik mit Gottes Segen auf die Welt kommt, die imstande ist, die Welt zu verändern, indem sie die archaische Wahrheitslogik mit all ihren (religiösen) Strukturen verdrängt, dann (wegen der Behauptung des vorbestimmten Geschehens) enthält diese und nicht der Islam das endgültige Argument (und wenn nicht, dann disqualifiziert sie zumindest den Islam als die Quelle der endgültigen Wahrheit).
Das endgültige Gottesargument steht nämlich NICHT für die Wahrheit, welche sich durch eine zweiwertige Wahrheitslogik entscheiden ließe (dass ich für diese Selbstverständlichkeit Gott bemühen muss…).
Dieses Argument steht nicht für die Wahrheit des Islams, des Christentums, des Judentums oder eines anderen zweiwertigen Partikularismus.
Dieses muss nämlich ein logisches Argument sein und der Begriff der Wahrheit gehört nicht in die Logik. (siehe 1. Axiom der Quantenlogik)


Gewitterkind