Warum muss ich auf keine formellen Ordnungen Rücksicht nehmen, obwohl sie für Andere gelten?

von Maciej Zasada

Aus dreierlei Gründen:
1. Die Gültigkeit dieser Ordnungen betrifft mich nicht – ich gehöre nicht dazu (die Freiheit ist mir wichtiger als irgendeine beruhigende oder schützende Zugehörigkeit).
2. Als Außenseiter bin ich in der Lage, die Dinge aus der Außenperspektive zu betrachten. Diese Perspektive ist für diejenigen, welche dedizierte Teilnehmer sind, unerreichbar.
3. Ich erschaffe.
Die formellen Ordnungen werden von den Analysten etabliert.
Diejenigen, welche neue Ordnungen selbstständig erschaffen, welche etwas Neues zu sagen haben, dürfen sich um den Erhalt formeller Ordnungen einen Dreck scheren.
Die Formkonformität = Kleingeistigkeit.
Aus dem, was ich zu sagen habe erwachsen neue Formen – neue Musik, neue Mathematik, neue Physik, neue Welt.
Die Aufgabe besteht darin, Neues zu wagen, Neues zu sagen, die Welt zu verändern,
Tyrannen zu stürzen, logische Bomben zu legen.
Die Aufgabe formeller Konformisten besteht darin, Altes zu bewahren, die Welt wie sie ist zu erhalten, die Tyrannen zu schützen, Bomben zu entschärfen.

Die Puristen der Form würden wohl Ligetis Musik am Liebsten verhindern, weil sie sich nicht an den klassischen Regeln der Form und des Kontrapunkts orientiert, doch der Impact Ligetis ist mächtiger als die klassische Ordnung, welche für diese Kleingeister das Maß aller Dinge ist – deshalb analysieren und beschreiben sie seine Musik als eine eigenständige Form.
Die Macht der Gewohnheit bildet logische Berechtigung für die entscheidenden Arbiter der formellen Konformität – diese ist an die Existenz der alten Ordnungen gekoppelt.
Weg mit ihnen, bevor sie uns tatsächlich einreden, dass das Alte erhaltungswürdig ist.
Das Alte (wie das Neue) ist nie erhaltungswürdig, denn die Wirklichkeit kein Zustand sondern ein Prozess ist.