Sprachkritik. Satzanalyse. Der schöpferische Imperativ.

von Maciej Zasada

3. Satz
Die Wirklichkeit ist aus einem wichtigen Grund punktuell wirksam: sie müsste jederzeit und überall vollständig sein, um universell wirksam zu sein.

Dies würde aber bedeuten, dass die Position eines jeden einzelnen Sandkorns, dass die Position eines jeden Atoms und Quarks des gesamten Universums zu jedem Zeitpunkt feststehen müsste.
Dies würde aber bedeuten, dass die Realität quantenmechanischer Zustände nicht wirklich sein könnte.
Dass diese Realität evident ist, ist der Beweis dafür, dass die Wirklichkeit nur punktuell wirksam und aus universeller Sicht unvollständig ist.

Unser Bild der Realität ist geprägt von der newtonschen Physik und von der klassischen Rationalität, welche an sich nichts mit der Quantenmechanik zu tun haben.
Wir akzeptieren zwar die Evidenz der quantenmechanischen Experimente, wir interpretieren sie aber und passen sie dem gesunden Menschenverstand an – die „unbehandelte“ Quantenmechanik erscheint völlig irrational.
Offenbar verstehen wir nicht, worum es geht.
Wir müssen, ob uns das gefällt oder nicht, davon ausgehen, dass die Realität quantenmechanisch ist. Die Tatsache, dass die Strukturen dieser Realität uns erst dann akzeptabel erscheinen, wenn sie unserer rationalen Erwartung entsprechen ist das eigentliche erkenntnistheoretische Problem, mit dem die Quantentheorie zu tun hat.
Wir operieren in geschlossenen Denkräumen, deren logische Leistungsfähigkeit begrenzt ist. Die Wirksamkeit unserer Vorstellung wird dem strukturellen Reichtum quantenmechanischer Realität nicht gerecht.
Im Grunde befinden wir uns in diesem Punkt genau in derselben Situation, in der unsere Vorfahren sich aus heutiger Sicht befanden, indem sie die Wahrheit gewisser (falscher) Vorstellungen für unumstößlich hielten.
Die Irrtümer der vergangenen Zeit sind aus heutiger Sicht leicht auszumachen und ihre Irrationalität augenfällig, doch in der Zeit, in der sie bestanden waren sie ausnahmslos Bestandteile in-sich-schlüssiger Weltauffassungen.
Genau wie damals sind wir heute von der Unumstößlichkeit gewisser „Tatsachen“ überzeugt.
Unsere Irrtümer werden erst den Zukünftigen klar sein und sie werden sie auch weiter bringen.

Heute wagen wir nicht über den Tellerrand zu blicken, denn wir befürchten all das infrage zu stellen, wofür wir stehen und woraus unsere Berechtigung besteht – unsere Berechtigung anerkannt zu werden.
Die höchste Anerkennung gilt nämlich denjenigen, welche imstande sind, die Welt plausibel zu erklären. Die Plausibilität unserer Erklärungen wird durch klassische Rationalität (welche mit „gesundem Menschenverstand“ gleichzusetzen ist) gestützt, und zwar unabhängig von der individuellen Komplexität der Ausführung.
Die einfachsten Gesetze der archaischen Logik entscheiden bis heute die Wahrheit und die Falschheit jeder Theorie.
…Doch wir schweifen ab…

Das klassische Bild der Realität setzt dem Universum die Existenz eines demiurgischen Schöpfungsaktes voraus. Dieses Bild determiniert unsere Vorstellung vom Universum.
In der Quantenkosmologie begreifen wir die Realität als Produkt einer übergeordneten Prozessebene. Diese Prozessebene ist die Ebene der Wirkung, welche die Realität in jedem einzelnen Augenblick und separat für jeden Beobachter neu entstehen lässt.
Die demiurgische Ebene der Schöpfung wird dadurch von der Wirklichkeit logisch entkoppelt – sie ist wenn man an ihrer Idee festhalten möchte, viel tiefer als die Wirklichkeit angesiedelt.
Demiurgische Schöpfung ist nicht die wirkliche Welt, sondern die logische Ebene, welche die Voraussetzung der Welt ist, und welche die Welt in Gang setzt – es ist die Quelle aller Information – es ist die PROZESSVORSCHRIFT.
Wenn wir an der Idee des Schöpfungsaktes des Universums festhalten, verwechseln wir die PROZESSVORSCHRIFT mit Gott.

Der 3. Satz der Form besagt, dass unsere Vorstellung vom Kosmos der fixen Dinge GRUNDLEGEND falsch ist.