Sprachkritik. Satzanalyse. Vom Ende der Menschheit.

von Maciej Zasada

3. Satz der Form
Die Wirklichkeit ist punktuell wirksam, denn um universell wirksam zu sein, müsste sie jederzeit und überall vollständig sein.

Was im 3. Satz ausgedrückt wird, ist die Hauptaussage der experimentellen Quantenmechanik, die da besagt, dass die Realität nicht universell ist.
Eine solche Aussage stellt nicht nur die Physik des Universums infrage (womit sich das Problem der Inkompatibilität zwischen Quanten- und Relativitätstheorie in aller Deutlichkeit zeigt), sie ist vor Allem unvereinbar mit den Grundsätzen klassischer Logik.
Diese Grundsätze gelten nach wie vor als unverrückbar.
Die Existenz logischer Objekte kann zwar grundsätzlich infrage gestellt werden, doch ihre singuläre Existenz bzw. Nichtexistenz steht als ein einmaliges Merkmal der Realität außer Frage und hat auf der Metaebene der (klassischen) Logik mit der Objektivität der Realität an sich und nicht etwa mit ihnen selbst zu tun.
Die shakespearsche Frage nach dem „Sein oder Nichtsein“ (eine Frage, welche wohlgemerkt die Existenz des Dritten ausschließt) erweist sich in der Tat als ultimativ für die Menschheit, denn betrachtet man die Realität logischer Objekte aus quantenlogischer Sicht, stellt sie sich gar nicht (womit der Existenzanspruch der fragenden Rationalität selbst infrage gestellt wird) – die Quantenmechanik unterscheidet nicht zwischen dem Sein und dem Nichtsein logischer Objekte – die Überlagerung der Existenzzustände, welche sich als Quanteneffekt zeigt ist mit dem menschlichen Postulat des ausgeschlossenen Dritten unvereinbar.
Dies hat zur Folge, dass die „irrationale“ Quantenmechanik gedeutet werden muss, um von menschlichem Verstand erfasst zu werden (Beispiele: „kopenhagener Deutung“, „Viele-Welten-Interpretation“).
Die Deutungen der Quantenmechanik sind allesamt Versuche, ihre Aussage der klassischen Rationalität anzupassen, denn diese bestimmt seit jeher verlässlich den Horizont menschenmöglicher Vorstellung.

Das Problem, das wir mit dem Verstehen quantenmechanischer Dekoherenzeffekte haben ist kein physikalisches, sondern ein logisches.
Dieses Problem hängt damit zusammen, dass die Logik quantenmechanischer Realität nicht klassisch ist (warum sollte sie auch? Aus welchem Grund sollte die gesamte Realität überhaupt nach menschlichem Maßstab „rational“ sein? Aus welchem Grund sollte sie nach einem menschlich fassbaren Muster organisiert sein, oder sich dem jeweiligen „Wissensstand“ anpassen?).

Hier wird die Quantenlogik entstehen.

English: Boy with a scull; watercolor and char...

Boy with a scull; watercolor and charcoal on paper, Ateneum (Photo credit: Wikipedia)