Quantenkosmologie: Die Sätze der Form.

von Maciej Zasada

Schematic diagram of the human eye in english

1. Satz
Kein Zustand ist explizit, solange er nicht explizit beobachtet wird.

Die Wirklichkeit ist punktuell wirksam. Sie bezieht sich jederzeit auf den einzelnen Beobachter.

2. Satz
Für einen Beobachter gilt: wird ein Zustand explizit betrachtet, kann gleichzeitig kein anderer Zustand explizit sein.

Die Quantenmechanik setzt sich selbst auf der morphologischen Ebene des Betrachtens durch: der Aufbau des menschlichen Auges lässt auf der Retina nur einen einzigen Punkt des scharfen Sehens zu (fovea centralis).
Für einen Beobachter ist ausschließlich scharf umrissen, was im Zentrum dieses Punktes projiziert wird.
Der Eindruck des scharfen Gesamtbildes ist eine Täuschung. Dieser Eindruck entsteht nicht im Auge, sondern im Gehirn des Beobachters.

3. Satz
Die Wirklichkeit ist punktuell wirksam, denn um universell wirksam zu sein, müsste sie jederzeit und überall vollständig sein.

Dies würde aber bedeuten, dass sie extrem ineffizient wäre…denn:

4. Satz
Die Information ist die Grundsubstanz der Welt.

Die punktbezogene (gegenwartsbezogene) Realität erspart eine Menge Rechenkraft – die Realität kann effektiv auf die Elemente reduziert werden, welche unmittelbar der Beobachtung unterliegen.
Die Informationsmenge, welche innerhalb der Realität verarbeitet wird – die Information, welche dem jeweiligen Beobachter als Summe möglicher Betrachtungsobjekte und Beobachtungsebenen zur Verfügung steht – ist innerhalb einer punktuell wirksamen Wirklichkeit um ganze Größenordnungen geringer, als die Informationsmenge, welche innerhalb einer universell wirksamen Wirklichkeit für den selben Zweck notwendig wäre.
Keine virtuelle Realität könnte sich die Ineffizienz einer universellen Wirksamkeit leisten.
Nehmen wir die Information für die Grundsubstanz der Welt, so ist die Existenz einer universellen Wirklichkeit praktisch ausgeschlossen.

5. Satz
Die Realität ist eine Projektion, die sich auf den jeweiligen Detektor, auf seine Eigenschaften, auf seine Position in der Mitte des projizierten Bildes und auf seine aktuale Gegenwart bezieht.

Die Frage nach der Verteilung der Wirklichkeit ist die Hauptfrage der Quantenmechanik.
Die Unmittelbarkeit der Quanteneffekte ist der Punkt, an dem das klassische Modell der Physik scheitert.
Aus klassischer Sicht kann die quantenmechanische Realität nicht existieren – aus quantenmechanischer Sicht existiert die Wirklichkeit im klassischen Sinne nicht.
Und beide existieren tatsächlich nicht real, denn Unabhängig von ihrer jeweiligen Definition gilt für sie folgender Satz:

6. Satz
Die Wirklichkeit und der Beobachter sind dasselbe.

Das Problem:
Wenn man annimmt, dass die elektromagnetischen Signale im beobachteten Zustand eine konstante und eine endliche Geschwindigkeit aufweisen und dieselben Signale im unbeobachteten Zustand eine unbestimmbare Geschwindigkeit besitzen, dann entsteht die Frage nach dem Mechanismus, der die Objekte der Wirklichkeit „informiert“, ob sie nun beobachtet werden oder nicht.
Ein Lichtstrahl, der Milliarden Jahre unterwegs ist, um den irdischen Beobachter zu erreichen, müsste bereits vor Milliarden Jahren „wissen“, dass es hier und heute beobachtet wird, nur so wüsste er sich zu verhalten, wie er sich verhält – nämlich wie ein beobachteter Lichtstrahl.
Das Wissen über den gegenwärtigen Beobachter müsste also im Universum im Voraus vorhanden sein.
Diesem Modell steht ein Missverständnis zugrunde.
Wenn wir die Realität als eine apriorische und universelle Tatsache betrachten, welche bestimmten Regeln (Naturgesetzen) entsprechen muss, müssen wir auch ihre Signale als apriorisch und universell betrachten.
Bezweifeln wir jedoch die Universalität der Realität, müssen wir genauso wenig ihre Erscheinungen als universell und apriorisch betrachten – wir können die Idee der allgemein gültigen „Naturgesetze“ getrost aufgeben.

Das einzige Naturgesetz, das innerhalb der Wirklichkeit Gültigkeit besitzt ist die PROZESSVORSCHRIFT.

Die Beobachtung, wie wir sie uns vorstellen, hat von Außen nach Innen zu erfolgen. Die elektromagnetischen Signale seien aus klassischer Sicht Bestandteile einer universell vorhandenen, allzeit beobachtbaren und allzeit vollstãndig ausgeprägten Wirklichkeit.
Aus klassischer Sicht ist die Vorstellung, dass zwei äquivalente Zustãnde der Wirklichkeit gleichzeitig existieren, schlicht nicht möglich, denn in der klassischen Vorstellung keine quantenmechanische Ordnung existieren kann, was nebenbei gesprochen auch ein quantenmechanisches Unschärfeeffekt ist, denn wenn wir die Wirklichkeit allzeit scharf umrissen sehen, dürfen wir trotzdem nicht unkritisch davon ausgehen, dass sie allgemein scharf umrissen ist – wir würden dabei den gleichen logischen Fehler machen, den die Detektoren eines quantenmechanischen Experiments machen würden, wären sie bewusste Beobachter (siehe Calclus der LP: Gleichungen der Wirklichkeit).
Das Wissen über einen Zustand der Realität ist nie endgültig – dieses Wissen setzt nämlich allein aus logischer Sicht immer die Möglichkeit voraus, entweder wahr oder falsch zu sein.
Der Satz „ich sah ihn fast jeden Tag, denn wir waren verheiratet, aber er war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht geboren“ enthält auf der quanten(kosmo)logischen Ebene keinen Widerspruch.
Etwas zu sehen bedeutet nicht automatisch über seine Wahrheit zu wissen (Gewissheit besitzen) – es bedeutet nicht einmal, dass man seine Realität eindeutig entscheiden kann.
Die Objekte der Welt – die potenziellen Objekte der Beobachtung – verharren nämlich primär in einem unscharfen Protozustand der Superposition, aus dem sie just in dem Augenblick herausgeschleudert werden, in dem sie beobachtet werden und in dem sie wieder verschwinden, wenn sie nicht beobachtet sind.
Diesen Zustand würden wir nicht als real bezeichnen.
In ihm überlagern sich alle möglichen Zustände, alle Signale sämtlicher Objekte und alle Realitäten sämtlicher Welten.
Dieser Zustand hat die Form der SPRACHE, der die Möglichkeit zugrunde liegt, einen bestimmten Zustand auszudrücken. Doch diese Möglichkeit steht nicht der Sprache an sich sondern dem Sprecher zur Verfügung, der sie benutzt – in der Sprache ist lediglich die Wahrscheinlichkeit des Ausdrucks enthalten. Genauso verhält es sich mit der Wirklichkeit – in ihr ist die Wahrscheinlichkeit sämtlicher Zustände enthalten, die Möglichkeit einen bestimmten Zustand hervorzurufen steht jedoch nicht der Wirklichkeit, sondern dem Beobachter zur Verfügung.
Die Beobachtung erschafft Realität – wir nehmen die Welt nicht wahr – die Welt wird, wie die Sätze einer Sprache, aus der Wahrscheinlichkeit quantenmechanischer SPRACHE erschaffen, und zwar nach den Regeln der PROZESSVORSCHRIFT.

7. Satz
Die Effizienz der Wirklichkeit ist der Grund, warum alle Beobachter dieselbe Realität sehen.

Man könnte uns vorwerfen, dass die Annahme der punktuellen Wirksamkeit der jeweiligen Wirklichkeit in dem Sinne widersprüchlich ist, in dem die Wirklichkeiten einzelner Beobachter trotz dessen, dass sie voneinander auf der elementarsten Ebene der logischen Sprache entkoppelt sind, scheinbar identisch sind.
Für diese Identität existiert anscheinend kein plausibler Grund.
Für sie muss es jedoch einen guten Grund geben.
Die punktuelle Wirksamkeit der Wirklichkeit ist nämlich das Eine, das Andere ist das Nichtvorhandensein überflüssiger Redundanz, welches eine effiziente Wirklichkeit auszeichnen muss.
Beide Aspekte haben mit der Effizienz der PROZESSVORSCHRIFT zu tun.

Innerhalb der WIRKLICHKEIT wird wie in einer mathematischen Gleichung gekürzt.
Es stehen verschiedene Realitäten der gleichen Zu- und Gegenstände in verschiedenen Wirklichkeiten zueinander in Beziehung, denn die Unterschiede zwischen den einzelnen Perspektiven auf der Metaebene der WIRKLICHKEIT gar keine Rolle spielen.
Es ist nicht wichtig, was die einzelnen Beobachter sehen und ob das, was sie sehen aus objektiver Sicht dasselbe ist – die Realität hat mit der Wahrnehmung zu tun und diese kann beliebig präpariert werden.
Die PROZESSVORSCHRIFT und ihre SPRACHE gelten jedoch allgemein.

8. Satz
Es ist möglich, drei elementare Existenzzustände zu beschreiben: die Wirklichkeit, die Gegenwart, die Raumzeit (die Realität).

Bemerkung zum semantischen Bruch:
Es empfiehlt sich die Bedeutungen der Worte „Wirklichkeit“ und „Realität“ streng auseinander zu halten.

Die Wirklichkeit hat mit der Realität nichts zu tun.
Die Realität entsteht sekundär als Konsequenz der Raumzeit.
Die Wirklichkeit ist ein Zustand, in dem eine WIRKUNG stattfindet.
Die Realität entsteht in jedem Augenblick neu. Auf ihrer elementaren Ebene besteht sie nämlich aus gequantelter Information.
Die Realität ist das PRODUKT der Wirklichkeit, welche selbst nicht real ist.
Die endgültige Ausgestaltung der Realität geschieht in der Wirklichkeit.
Diese Ausgestaltung geschieht nach der allgemeinen PROZESSVORSCHRIFT, welche wir „DAS UNIVERSUM“ nennen.
Die Zeit, welche der Wirklichkeit zur Verfügung steht, um die Realität auszugestalten existiert nicht. Dieses Wirken ist zeitlos.
Gerade deshalb, dass die Wirklichkeit ein zeitloses Wirken ist, kann sie sich instantan ausbreiten und (fast) immer und überall eine vollständige Realität bilden.

9. Satz
Bei den quantenmechanischen Effekten handelt es sich um latenzbedingte Störungen der Realität.

(i) Die Realität besteht aus den Sätzen
der PROZESSVORSCHRIFT.
Dies setzt die Existenz eines realitätsstiftenden Systems voraus, auf das sich die SEMANTIK dieser Sätze bezieht und auf das sich die PROZESSVORSCHRIFT unmittelbar AUSWIRKT.
Das realitätsstiftende System zeichnet eine minimale Latenz aus – diese wird durch die Wellenfunktion beschrieben.

(ii) Die Obergrenze der Sichtbarkeit quantenmechanischer Effekte (Punkt der Dekoherenz) hängt von der raumzeitlichen Größe quantenmechanischer Objekte ab.

Die Gegenwart einer Beobachterinstanz liegt an der Schwelle zwischen der Wirklichkeit und der Realität der Raumzeit.
Die Latenz der punktuell wirksamen Gegenwart beträgt Null – sie ist aufgrund ihrer Unmittelbarkeit geringer als die des realitätsstiftenden Systems, das für die Ausgestaltung aller Objekte der Raumzeit zuständig ist.
Wenn die Größe beobachteter Objekte die Schwelle quantenmechanischer Relevanz überschreitet ist die Verzögerung der Realität nicht mehr observabel – bei den Objekten, derer raumzeitliche Ausdehnung größer ist als die Latenzzeit der Realität, treten also keine quantenmechanische Effekte auf.
(Ja Sie haben richtig gelesen: die räumliche Größe eines Objekts kann der zeitlichen Dauer eines Latenzeffekts entsprechen – indem wir nämlich die Strecke, welche das Licht innerhalb einer Planckzeit bewältigt, als die Einheit des Latenzwertes annehmen, entspricht der Latenzwert genau der Maximalausdehnung eines größtmöglichen quantenmechanischen Objekts)

Die raumzeitliche Ausdehnung quantenmechanischer Objekte ist offenbar geringer als die eines einzelnen Realitätsquants, deshalb pflanzt sich der Latenzfehler der Realität mit jedem Realitätsquant weiter fort und deshalb ist der quanteneffekt (Latenzeffekt) als Ganzes stabil.
Die Reaität quantenmechanischer Objekte ist für den Beobachter durch den Latenzeffekt dauerhaft verschoben.

Design 94

Der Latenzeffekt nichtquantenmechanischer Objekte wird dagegen durch ihre raumzeitliche Ausdehnung nivelliert. Ihre raumzeitliche Ausdehnung ist größer als die eines einzelnen Realitätsquants – der Latenzfehler wird auf der Quantenebene überdeckt und wirkt sich somit nicht auf ihre Realität aus.

Design 93realittsqua

Zusammen mit der Neuordnung der Existenzzustände ergeben sich neue Konsequenzen für die Anschauung.
Die Begriffe, welche in der Kosmologie der Mitte noch eine klassische Bedeutung besaßen (wie „Wirklichkeit“) bekommen im Rahmen der QK eine andere.
Dadurch verändern sich die physikalischen Eigenschaften ihrer Instanzen – diese werden anders bewertet.
Wir haben uns nicht geirrt – dies sind bloß verschiedene Bedeutungen derselben Sprachgegenstände – ihre partikulären Werte können gekürzt werden, da sie keine Rolle in der Gleichung (im Satz) spielen.
Wir erkennen jetzt mehr als damals und damals erkannten wir bereits mehr als zuvor. Wir werden morgen mehr erkennen als heute…wir haben grundsätzlich keine Angst Neues zu erkennen.

Im Rahmen der Perspektivenlogik erkannten wir, dass sich die Ebenen der Quantentheorie und der Relativitätstheorie komplementär zueinander verhalten.
Gerade haben wir ein Modell aufgestellt, der den Grund für die konstante Form quantenmechanischer Objekte erklärt und imstande ist, auf die Frage, warum keine Quanteneffekte im Alltag auftreten, eine Antwort zu geben.
Außerdem haben wir die Sprache gelernt, die gesprochen werden muss, um weiter zu kommen.