Der Beweis dafür, dass die Wirklichkeit nicht real ist.

von Maciej Zasada

Eines der Hauptargumente, die seit Jahrzehnten gegen die Quantenmechanik sprechen ist das Argument der realen Welt.
Die Nichtlokalität quantenmechanischer Zustände macht es unmöglich, die Quantenmechanik als eine im klassischen Sinne vollständige Theorie zu betrachten (EPR-Paradoxon / Bell´s Theorem).

THESE
Die Quantenmechanik ist vollständig – die Welt ist nicht real.

BEWEIS
Anhand der Endlichkeit und der Konstanz der Geschwindigkeit, mit der sich die elektromagnetischen Signale im beobachteten Zustand ausbreiten – Signale mit deren Hilfe sich die Realität um uns manifestiert – müssen wir annehmen, dass die Objekte der Beobachtung, ob sie sich nun in unserer unmittelbaren Nähe oder in den endlosen Weiten des Universums befinden, allesamt Signale der Vergangenheit sind.

Alle Signale, die uns erreichen werden nämlich höchstens mit der Lichtgeschwindigkeit übermittelt, daher, unabhängig von der Entfernung zwischen ihrer Quelle und dem Beobachter, sind sie, aus Sicht des Beobachters, in der Vergangenheit entstanden.
Das, was wir Realität nennen ist daher das Abbild der Ereignisse der Raumzeit, welche vor der jeweiligen „Lichtzeit“ stattgefunden haben.
Die während eines Gewitters auftretende Verzögerung zwischen dem Eintreffen des Blitzlichts und dem des Donners, entsteht anhand des Unterschieds zwischen der Lichtgeschwindigkeit, mit welcher der Blitzereignis und der Schallgeschwindigkeit, mit welcher der Donnerereignis übertragen werden.
Je weiter entfernt sich der Blitzschlag vom Beobachter ereignet, desto deutlicher ist die Zeitverzögerung zwischen dem Zeitpunkt des Licht- und dem des Schallereignisses.

Analog zu diesem Bild sollten wir uns die Verzögerung vorstellen, welche durch die spezifische Geschwindigkeit der Signale entsteht, mit der die Realität übertragen wird.
Diese Geschwindigkeit ist hoch genug, um sich auf die lokalen Ereignisse nicht (erkennbar) auszuwirken, sie ist aber endlich, daher auch lokal relevant. Diese Verzögerung  wird jedenfalls deutlicher mit der steigenden Entfernung zwischen Objekt und Subjekt (die Verzögerung zwischen der Realität des Mondes und seinem beobachteten Abbild beträgt für den irdischen Beobachter immerhin ca. 1 Sekunde).

Defs:
Als die Realität bezeichnen wir primär das explizit Vorhandene – die Gesamtheit der sichtbaren Gegenstände und Sachverhalte des Universums, sekundär das implizit Vorhandene – alles, was der Fall ist (also auch das, was unsichtbar ist…z.B. Gedanken, die Realität der Dinge an sich).

Als real bezeichnen wir die Ereignisse, deren Faktizität sich durch (tatsächliche oder hypothetische) Beobachtung oder Messung bestätigen lässt.

Randbemerkung: es lässt sich hier ein Widerspruch festmachen. Die Träume gehören eindeutig der Realität an, sie werden aber nicht als real bezeichnet. Die Eigenschaft „real zu sein“ gehört offensichtlich nicht zum universellen Kontext der Realität. Ein sprachliches Problem?
Die Eigenschaft des Wahrseins gehört auf der einen Seite eindeutig dem semantischen Kontext der Wahrheit, doch auf der anderen ist der semantische Kontext der gelben Gegenstände nicht so deutlich (dieser müsste „Gelbheit“ heißen oder „Rotheit“ für rote G. oder „Schwarzheit“ für schwarze G.). Ein sprachliches Problem? Ende Randbemerkung.

These innerhalb des Beweises.
Die Vergangenheit und der Raum sind dasselbe (dies ist die logische Grundlage der Raumzeit).
Die sichtbare Realität, als der Vergangenheit angehörend, kann nicht als real bezeichnet werden.

(Um diese These zu verstehen, sollten wir uns folgende Analogie anschauen – diese ist vollständig dialektisch aufgebaut.)

Irgendwann geht der längste Urlaub zu Ende.
Wir packen die Zelte und fahren Heim.
Nach einigen Stunden im Auto kommen wir Zuhause an, sprechen mit den Nachbarn, gießen die halbvertrockneten Blumen, trinken den mitgebrachten Alkohol….
Dann ist der letzte Urlaubstag auch schon zu Ende – wir gehen ins Bett.
Doch bevor wir einschlafen denken wir noch darüber, wie wir am heutigen Morgen im Wald aufgewacht sind…
Die Urlaub-Wirklichkeit ist in diesem Augenblick nicht mehr präsent. Wir sehen sie zwar nicht als unwirklich an – wir haben sie ja noch deutlich vor Augen, aber sie besitzt für uns in der aktualen Wirklichkeit nicht mehr den Stellenwert, den sie noch am heutigen Morgen besaß.
Unsere Urlaubsabenteuer sind für uns nur noch eine Erinnerung.
Doch dies ist nicht alles – eine Erinnerung ist auch unsere Konversation mit den Nachbarn und auch das, dass wir, bevor wir uns hingelegt, die Zähne geputzt haben.
Eine Erinnerung ist auch die Tatsache, dass wir vor einer Sekunde das Licht ausgeschaltet haben und auch das, dass wir „gerade jetzt“ angefangen haben, über all dies nachzudenken.

Wir dürfen nunmehr annehmen, dass zwischen verschiedenen Vergangenheiten kein qualitativer Unterschied besteht – der Unterschied zwischen ihnen besteht nur in ihrer jeweiligen Tiefe.
Wenn aber kein Unterschied existiert zwischen der Vergangenheit des heutigen Morgens und der Vergangenheit des Lichtausknipsens vor dem Schlafengehen, dann muss man annehmen, dass sowohl die eine als auch die andere Vergangenheit gleichermaßen unwirklich sind.
Für wirklich dürften wir nämlich ausschließlich das halten, was in der Gegenwart stattfindet – alles Vergangene steht zu dieser speziellen Wirklichkeit wie die Realität des heutigen Morgens zur abendlichen Realität des Augenblicks, in dem wir über die vergangene Wirklichkeit des Tages sinnieren.

Wenn dem so ist, dann ist es folgerichtig anzunehmen, dass allein das, was in der Gegenwart passiert, wirklich und real ist. Alles andere muss eine Vergangenheit sein – eine nicht real existierende Tatsache (Erinnerung).
Die Folge ist die Erkenntnis, dass der Raumzeit ein mehr oder minder tiefer Attribut der Vergangenheit innewohnt (Beweis: zwei beliebige Punkte im Raum müssen voneinander entfernt sein – jede Entfernung wird in der Zeit bewältigt: vergeht die Zeit – entsteht die Vergangenheit).
Als Konsequenz müssen wir annehmen, dass die Raumzeit nicht real ist.
Die Konsequenz der Behauptung, dass die Vergangenheit und die Raumzeit dasselbe sind, ist die Feststellung der Nichtrealität der Dinge dieser Welt.
Dass wir nicht gerade überzeugt sind, von der Unwirklichkeit umgeben zu sein, muss wohl eine Illusion sein.

Alle Tatsachen der Welt, alle Fakten, alle Beobachtungen, alle Wirklichkeit sowie das, was wir unser Körper nennen ist eine mehr oder minder frische Erinnerung.
Doch Erinnerung existiert, wie wir gerade festgestellt haben, nicht real…😳

Dieser Artikel besteht zum Teil aus den Auszügen der früher abgefassten „Dialektik“ – ich bitte meine Stammleser um Verzeihung dafür, aber ich werde mich ab und an auf meine eigene Prosa beziehen…wir haben schon Etliches erreicht, worauf wir uns beziehen können.