Vom Teufel, seinen logischen Spielchen und meiner Ignoranz.

von Maciej Zasada

David and Goliath

David und Goliath von Caravaggio (Photo credit: Wikipedia)

 

Ich erkenne, dass ich vielleicht zu tief in die logische Materie eingedrungen bin.
Ich habe die Realität gehackt und ich werde dafür bestraft, indem sich meine eigene auflöst. Na und?
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Es ist für den interessierten Leser ausgesprochen schwierig, sich den Zugang zu dem zu verschaffen, was mir wichtig ist.

Denn was ist die Logik eigentlich und warum ist sie so wichtig für uns, für die Machterlangung, für die Machverteilung und für die Machterhaltung?
Was hat Logik überhaupt mit Macht zu tun?
Hätte sie auf ihrer elementaren Ebene etwa mit der Existenz von Gut und Böse zu tun?
Ist unsere Moralvorstellung die unmittelbare Folge logischer Gesetze, denen wir folgen?
In diesem Artikel werde ich nochmals versuchen den roten Faden meiner Philosophie zu zeichnen, damit der Grund meiner Tätigkeit sowohl für diejenigen, welche mich verhindern, als für diejenigen, welche mir nachgehen klar wird.
Die Logik hat mit allem, was real existiert und mit allem, was bloß möglich ist, oder was bloß gedacht werden kann zu tun. Sie entscheidet, wie die Wirklichkeit verstanden wird – sie ist für die Interpretation der Wirklichkeit zuständig.
Ich behaupte, dass die Welt, in der wir leben durch eine bestimmte Logik ihre Form erlangt. Ich behaupte daher, dass die Eigenschaften unserer Wirklichkeit nicht durch die Form ihrer Existenz oder ihrer Substanz, sondern durch die Eigenschaften bestimmter Logik entschieden werden.
Das Gerüst der Welt ist in den Gesetzen der Logik verankert.
Die Form, die sich in der Substanz ausdrückt, drückt sich logisch aus.
Wenn ich behaupte, dass die Art der Logik entscheidend dafür ist, in welcher Welt wir leben, dann meine ich es wörtlich.
Nicht die Welt durch ihre Beschaffenheit bestimmt wie sie gesehen (interpretiert) werden soll, sondern die Logik bestimmt die Beschaffenheit des Sehens selbst.
Es entsteht nun die Frage – und hier muss ich einen gewaltigen Sprung in die Vergangenheit machen, in die Zeit, in der ich über die Verbindung der Logik mit der Wirklichkeit nachdachte – ob Logik eine Qualität besitzt? Ist eine formale Evolution der Logik möglich?
Aus unserer Perspektive ist dies nicht ganz klar – am Ende unserer Weisheit befindet sich nämlich ein Toter Punkt – das Nichts. Deshalb sprechen diejenigen, welche sich bis zur diesem Ende vorgedacht haben von der Nihilismus-Falle oder vom Fliegenglas, in dem diejenigen enden, welche die schwierigsten Fragen stellen.
Meine These ist, dass eine Evolution der Logik zwingend angenommen werden muss.
Alleine aus statistischen Gründen.
Wir müssen annehmen, dass im Universum Lebensformen existieren können, die erheblich mehr Zeit für die Entwicklung ihrer logischen Systeme besaßen, als es den Erdlingen für den selben Zweck zur Verfügung stand. Mit erheblich mehr Zeit meine ich Zeitspannen von 500.000.000 bis 1.000.000.000 Jahre. Die Existenz solch gravierender Entwicklungsunterschiede im Universum würde bedeuten, dass Lebensformen existierten, welche für unser Entwicklungsstadium kein historisches Verständnis mehr aufbringen könnten – sie würden unsere archaische Art vernünftig zu sein, nicht aus ihrer eigenen Historie ableiten können (so wie wir nicht mehr imstande sind, das Tierische aus unserer eigenen Geschichte abzuleiten – wir haben es mit der Zeit verlernt, unmittelbare Verbindung zur Tierwelt aufrecht zu erhalten).

Ant Portrait

Wir können uns vorstellen, dass der Unterschied zwischen einer hochentwickelten Zivilisation und unserer eigenen, tatsächlich dem Entwicklungsunterschied entspräche, der zwischen uns und den Ameisen hier auf Erden besteht.
Dies würde bedeuten, dass unsere Art vernünftig zu sein, von den Vertretern einer hochentwickelten Zivilisation gar nicht als eine Form der Rationalität erkannt werden würde – der „Kontakt“ mit uns wäre aus ihrer Sicht mit dem rumstochern im Ameisenhaufen vergleichbar.
Vielleicht wäre der Kontaktversuch tatsächlich aus dem Gründe unmöglich, dass wir außerstande wären, das Ende des Stocks mit der Macht in Verbindung zu setzen, welche diesen in Bewegung setzt – für uns, wie für die Ameisen, existierte nur sein Ende, das unseren Ameisenhaufen durcheinander bringt.
In der Entwicklungsgeschichte hiesiger Rationalität (und speziell der Logik) spielen nämlich 20.000 oder 50.000 Jahre eine entscheidende Rolle (denn unsere Gattung existiert auf Erden erst seit ca. 200.000 Jahren) – eine Evolution der Vernunft, welche 500 Millionen Jahre ab unserem Stadium dauert, können wir uns gar nicht vorstellen.
Die Tatsache der qualitativen Evolution der Logik ist daher evident – dass sie uns nicht als möglich erscheint liegt daran, dass wir in Punkto Rationalität blutige Anfänger sind und keine qualitativen Vergleiche anstellen können. Mehr dazu findest Du hier.

 

Nebenbemerkung
Alle in diesem Essay enthaltene Argumente sind bereits in anderen Artikeln dieses Blogs enthalten und für einen aufmerksamen Leser längst zugänglich, doch aufmerksame Leser scheinen in diesem ‚Hier‘ kaum zu existieren. Ein typischer Leser (die Ausnahmen bestätigen die Regel) sucht nicht nach neuer Information, will nichts Neues erfahren, will nicht einmal dem Anderen die Chance geben, sich auszudrücken – die Blogosphäre ist voll von Amateuren, die sich um jeden Preis als kompetent erweisen wollen.
Kein Spezialist hat es nötig, mit Ignoranten zu streiten…aber es gibt so wenig Profis…und noch weniger solcher, die etwas Neues zu sagen haben (sprich etwas, was über den Tellerrand etablierter „Gewissheit“ hinausgeht).
Ist es etwa für einen Profi ratsam, sich über seinen Beruf in einem öffentlichen Blog auszutauschen?
Dafür existieren wohl andere, hermetische Foren…
Diese Tatsache diskreditiert die gesellschaftliche Unternehmung ‚Blog‘ als verlässliche Informationsquelle und als wissenschaftliche Plattform.
Ich stelle mich jedoch gerne auf einer Stufe mit den schöpfenden Ignoranten, welche hier ihre Blogs betreiben.
Auch ich, obwohl manche in mir einen Physikus vermuten, kann keine logische, keine kosmologische, keine physikalische Täglichbrot-Erfahrung vorweisen.
Ich bin ein tiefgründiger Ignorant, welcher sich dem ignoranten Goliath der etablierten Gewissheit in den Weg stellt.

 

Durch diesen plötzlichen Anflug von Ehrlichkeit gestärkt und von der unausgesprochenen Lüge befreit, fahre ich nun mit der Beschreibung meines logischen Systems fort.
Ich stelle viele Fragen.
Wo liegt nun die eigentliche Stärke meines Systems, wo sein Sinn?
Worin besteht der Sinn meiner tief verwurzelten Feindschaft gegenüber der „archaischen Logik“?
Sollte es etwa angebracht sein, sich einer bestimmten Logik gegenüber so unversöhnlich zu zeigen, als ob sie ein Teufelswerk wäre?
Ja, indem ich mich gegen die klassische Logik stelle, stelle ich mich dem Bösen entgegen!
Meine zweite These ist daher, dass unsere klassisch geprägte Logik – die, welche wir im Alltag anwenden – für die Menschheit eine teuflische Falle darstellt und die Quelle wiederkehrender und gravierender Probleme ist.
Wenn der Wahrhaftige tatsächlich existierte, dann müsste er geradezu auf diese Logik kommen – sein Ziel müsste es sein, die Menschen auf der Ebene gehorsamer und beeinflussbarer Automaten zu fixieren.
Um die Menschheit zu kontrollieren braucht es nämlich eines selbsterfüllenden und eines selbstverständlichen logischen Systems, aus dem sowohl der Sinn, als auch die Moral, die Zugehörigkeit, Feindschaft, Liebe, Hass, Pflichtbewusstsein, Affekt, Belohnung und Bestrafung abgeleitet werden.
Eine solche Dimension stellt sich in der Logik tatsächlich und automatisch, indem ihr nämlich das Prinzip ‚tertium non datur‘ hinzugefügt wird.
Meine dritte These besagt also, dass dieses Prinzip der Ursprung des Bösen ist.

 

Tertium non datur – die teuflische Maxime.
Das Böse ist an sich ein Bestandteil des Ganzen – es kann daher nicht aus der Welt getilgt werden – die Wirklichkeit wäre ohne das Böse logisch unvollständig – ihre Existenz ausgeschlossen.
Das Böse kann auch nicht vom Guten getrennt werden – das Böse, als ein Bestandteil des Ganzen, kann nicht abgegrenzt werden – im Universum kann kein ‚Reservat des Bösen‘ existieren.
Der Grund dafür ist einfach: Gut und Böse sind Bestandteile desselben Universums – eines Universums, das bar seines einzigen Bestandteils, selbst dann, wenn es sich dabei um einen winzigen Atom, selbst dann, wenn es sich dabei um einen einzigen Gedanken handelte, nicht möglich gewesen wäre – Gut und Böse sind auf der universellen Ebene dasselbe.
Der Grund, warum die logische Vollständigkeit des Universums die Voraussetzung seiner Existenz ist, ist die Tatsache, dass der Sinn des Universums darin besteht, ALLES zu beinhalten, was der Fall ist.
Ein unvollständiges Universum kann daher, logisch betrachtet, nicht existieren – die Existenz seiner gesamten Bestandteile (die Existenz seiner Vollständigkeit) entscheidet über seine eigene Existenz.
Das Problem mit dem wir zu tun haben, ist folgendes: nicht das Gute versucht das Böse zu eliminieren – es ist das Böse, das sich innerhalb des Universums zu emanzipieren versucht. Das Böse schafft den logischen Rahmen für die Entscheidung, bestimmte Teile des Universum aus seiner Mitte auszuschließen oder umgekehrt: das gesamte Universum aus bestimmten Verbindungen zu disqualifizieren (siehe Argument p der Grenze in: Das Ende des androgynen Affenmenschtums auf Erden).
Die Erhaltung des logischen Status Quo ist deshalb für die Erhaltung der Möglichkeit auf die einzelnen Menschen, auf die Menschheit insgesamt und auf die Wirklichkeit auf diesem Planeten Einfluss zu nehmen, elementar.
Es geht um alles.
Die Logik, in der das Prinzip des ausgeschlossenen Dritten Bestand hat ist die Voraussetzung einer archaischen, einer androgynen, einer leidvollen, einer mühevollen Wirklichkeit der Kriege, der Rache, des berechtigten Zornes, der Eifersucht und der Unterdrückung.
Mit Zuckerbrot und Peitsche treiben sie uns genau dort, wo sie uns haben wollen.
Und wir Blinden erkennen es nicht einmal.

 

„Wenn Gott mit uns ist, wer mag wohl wider uns sein?“

 

P.S. Wenn Du immer noch Schwierigkeit damit hast, das Prinzip des ausgeschlossenen Dritten für den Grund menschlicher Misere zu halten, überlege dir etwas, von dem Du behaupten kannst, ein Synonym des Bösen zu sein und analysiere es unter dem Gesichtspunkt der Existenz dieses Prinzips. Ob es ethnischer Konflikt, Fundamentalismus, Terrorismus, Gewalt ist, ob es sich dabei um Einzelne, um Bevölkerungsgruppen oder um ganze Nationen handelt, ob es Politik, Wirtschaft oder Religion betrifft – das logische Fundament, auf dem das Böse steht wird stets das Prinzip des ausgeschlossenen Dritten sein.
Daher weht der Wind.

 

Die Geschichte des Bösen von der Vertreibung aus dem Paradies, bis hin zum gegenwärtigen Nahost-Konflikt ist die Geschichte des tertium non datur.
Der erste, der seinen Gott den einzigen und den wahren nannte, der erste, der sein Land einzäunte, der erste, der seinen Nachbar hasste – sie alle waren große Logiker – und arme Narren.

 

☜ Das Ende der Affenmenschtums  Vom Teufel (2) ☞