Das Ende des androgynen Affenmenschtums auf Erden.

von Maciej Zasada

Prometheus, by Gustave Moreau, tortured on Mou...

Prometheus von Gustave Moreau, auf dem Berg Caucasus (Photo credit: Wikipedia)

In der logischen Wirklichkeit, in der die vergleichend-ausschließende Rivalität herrscht, erscheint es selbstverständlich, die Grenzen zwischen Allem und Allen zu ziehen. Wir sind stolz auf unsere Unternehmen, auf ihre Produkte, auf herausragende Leistungen, auf unsere Nationalelfen, auf Gloria unserer Geschichte…
Mit manchen Menschen fühlen wir uns durch gemeinsame Tradition, durch gemeinsame Kultur, durch Sprache verbunden. Mit ihnen teilen wir unsere Sympathien und Antipathien, mit ihnen sind wir Fans bestimmter Bands, mit ihnen hassen wir und lieben, tanzen und morden, mit ihnen grenzen wir uns von den Anderen ab oder tolerieren sie.
Unsere Wirklichkeit ist die Bühne verschiedenartiger, mal tieferer, mal seichterer, mehr oder minder grundsätzlicher, mehr oder minder gewollter Unterschiede.
Solche Wirklichkeit erscheint uns völlig normal.
Solche Wirklichkeit erscheint uns sogar wünschenswert…
Niemand könnte doch von einem Schalke-Fan verlangen, auf der Dortmunder Bank zu sitzen – es wäre ja total „unlogisch“.
Interessant ist, dass die Aufteilung in „wir“ und „sie“ lediglich auf der Ebene der einzelnen Partikularismen funktioniert – erweitert man ihre Perspektive, hört sie gleichsam auf zu existieren.
Darin gerade besteht die Wirkung des Arguments p – dieses Argument stellt infrage jede dialektische Berechtigung einer singulären Wahrheit.
Die Unterschiede zwischen Schalke und Dortmund verschwinden auf der universellen Ebene der Nationalmannschaft. Fußballer und Fans beider Mannschaften versammeln sich um das gemeinsame Ziel, obwohl sie sich Zuhause für die falsche Zugehörigkeit gegenseitig die Fresse polieren.
Wenn wir Glauben, dass dies nichts mit Logik zu tun hat, dann irren wir – sich von dem Anderen abzugrenzen, die Unterschiede hervorzuheben, die gegenseitige Inkompatibilität aufzuzeigen – dies sind typische Wirkungsmerkmale des logischen Prinzips „Tertium non datur“, welche im Alltag zum Vorschein kommen. Das Züchten verschiedenartiger Unterschiede ist typisch für die klassische Logik des Ausschließens – es geht um nationale, ethnische, soziale Unterschiede, es geht um Unterschiede zwischen den Generalien, zwischen den Fundamentalismen, zwischen den Religionen und Göttern. Typisch für diese Logik ist auch die Existenz der Grenze zwischen den einzelnen Unterschiedsinstanzen.
Doch wie sieht eine solche Grenze aus durch das Prisma des Arguments p?

Argument p (Grenze)
Jede Grenze ist eine Demarkationslinie zwischen ihrem Inneren und dem gesamten Rest des Universums.

These
Der universelle Kontext des Begriffs „Grenze“ führt uns die dialektische Schwäche dieses Begriffs vor Augen. Im Licht dieses Kontextes erweist sich nicht nur der Begriff, sondern auch die Instanz einer „Grenze“ sinnleer.

Beweis
Wenn wir von uns behaupten „Deutsche“ zu sein, grenzen wir uns nicht nur von unseren unmittelbaren Nachbarn ab, sondern auch von den Spaniern, Türken, Japanern etc. Unser nationaler Kontext ist allerdings nicht nur auf die Bewohner dieses Planeten begrenzt, er gilt auch in Bezug auf die eventuellen Bewohner des Mondes oder der Venus. Wir würden uns auch im Bezug auf die Bewohner der Galaxie M51 oder des Virgo-Haufens als Deutsche verstehen.
Doch wäre das angebracht?
Mit Absicht sprach ich „wir würden uns als Deutsche verstehen“, richtiger wäre in diesem Kontext von „wir müssten uns als Deutsche verstehen“ sprechen…und wie schwer ist es, sich vorzustellen, dass wir uns auf der galaktischen Ebene tatsächlich als solche verstünden.

„Als erste wird Delegation der Andromedanischen Konföderation sprechen, danach Delegation aus Deutschland“…klingt das nicht etwas komisch?

Weißt Du, worum es hier geht?

So wie es im galaktischen Kontext unangebracht wäre, von uns als von den „Deutschen“ zu sprechen, so wäre es unangebracht vor Gott von Katholiken, Protestanten, Mohammedanern oder Juden zu sprechen.
Der Partikularismus schickt sich nicht, wenn man mit der universellen Perspektive (Argument p) konfrontiert wird.

Begreifst Du, um was es hier geht????????!!!!!!!!!!!!!!!

Unsere Welt – eine Welt voller Feinde, voller Grenzen, voller Sprachen, voller fundamentalistischer Befugnisse ist eine Welt der Werte, welche ihren Ursprung in den archaischen Strukturen klassischer Logik haben. Die Überwindung dieser Strukturen, die Überwindung monopolistischer Schaltkreise, welche sich auf dem Grund dieser Strukturen gebildet haben wird (endlich) das archaische Zeitalter auf diesem Planeten beenden.

ES GEHT UM DAS ENDE DER ÄRA DES ANDROGYNEN AFFENMENSCHTUMS AUF ERDEN.

Ich entschuldige mich bei unseren Affen für diesen unglücklichen Euphemismus.

Für Szymon und für Radek.

Heute ist der zwölfte August des Jahres 2013.
Ich bin in Polen, von lauten wunderbaren, nichts ahnenden Menschen umgeben.
Ich vermisse meine Welt.
Nunmehr tickt mir die Uhr des Prometheus.

Deutsche Fassung entstand am 06.09.2013.

Zenon  Vom Teufel…