Calculus (4): Verdichtung – Deutung der Realität.

von Maciej Zasada

6.1.2.2. Verdichtung.

Regel 3 (R3).
Wir konzentrieren uns auf die elementaren Perspektivenbezüge und analysieren gezielt ihre gegenseitigen Verknüpfungen und Ebenen.
Wir ziehen Konsequenzen aus dem Erkannten.

In dem Moment, in dem wir die Realität der Wirklichkeit, als in ihre einzelnen perspektivischen Aspekte zerlegbare und als von der einzelnen Perspektive abhängige hinnehmen, eröffnet sich uns die Möglichkeit, die spezielle Wirklichkeit des Doppelspalt-Experiments neu zu deuten.
Die Effekte, die sich im DSE zeigen, haben mit der primären Ebene seiner Wirklichkeit zu tun.
Das System DSE bildet im logischen Sinne eine abgeschlossene Einheit.
Sie ist zwar von außen zugänglich (für F immerhin als Objekt der Betrachtung), sie bezieht sich als solche allerdings nicht auf die Außenwelt, sondern auf das Element, das im Rahmen dieser Wirklichkeit primär als Mittelpunkt anzusehen ist – die Wirklichkeit des DSE wird durch die Detektoren E1 und E2 determiniert.

Die Realität des Systems DSE bezieht sich auf die Aktivität der Detektoren E1 und E2!

Notiz 2:   
Nachdem wir mit großem Aufwand im Kapitel 4. ein kosmologisches Modell des Indiversums entworfen haben, soll es uns hier erlaubt sein, die Wirklichkeit als auf einzelne Subjekte exklusiv bezogene zu betrachten.
Indem wir es wagen, entsteht die Vorstellung von einer einzelnen, singulären Wirklichkeit des Systems DSE und von einer einzelnen singulären Wirklichkeit des Beobachters F, welche voneinander logisch getrennt sind.
Innerhalb dieser Konstellation entsteht somit ein neues quantenmechanisches Modell, bei dem nicht nur die Beziehung zwischen dem Beobachter und seiner individuellen Wirklichkeit, sondern auch die Beziehung zwischen dem Beobachter und dem Beobachter des Beobachters unabhängig voneinander analysiert werden können.

Wenn die E1/E2 aktiv sind, sind sie die Augen, das zuständige Sensorium, der Bezugsmittelpunkt der Raumzeitgegenwart im System DSE. Entsprechend verhalten sich beobachtete Objekte – sie beziehen sich auf diesen Mittelpunkt.
Sind E1/E2 dagegen inaktiv, verhält sich die Wirklichkeit des DSE so, wie sich eine unbeobachtete Wirklichkeit generell verhält – sie wird IN BEZUG AUF DEN INAKTIVEN BEOBACHTER unscharf.

Die epochale Bedeutung des Doppelspaltexperiments besteht darin, dass es F ermöglicht, aus seiner unbeteiligten Perspektive die Effekte zu betrachten, welche allgemein den Beobachter betreffen, der seiner primären Wirklichkeit den Rücken kehrt.
F schaut über die Schulter des primären Beobachters E auf seine (E’s) Wirklichkeit und beobachtet dabei wie sich diese, bezogen auf E, verändert.
F sieht, was mit dem objektiven Bild einer gegebenen Wirklichkeit passiert, wenn sie keinen direkten Bezug zum Subjekt besitzt.

Die Wirklichkeit ist ereignisbezogen.
Schaut man etwas an, so sieht man die scharfe Realität mit all ihren Facetten, Farben, eindeutiger Präsenz; wendet man die Aufmerksamkeit vom Objekt der Beobachtung ab, bleibt nur seine unscharfe Wahrscheinlichkeit übrig, denn alle Ereignisse des Indiversums, alle Bewegung und aller Stillstand beziehen sich auf den Mittelpunkt der jeweiligen Raumzeitgegenwart – auf den jeweiligen Beobachter.
Wenn die Augen (die Sinne, die Aufnahme-Apparatur, das Sensorium) des Beobachters „abgeschaltet“ sind, fehlt der Wirklichkeit der Bezugsmittelpunkt ihrer jeweiligen Raumzeitgegenwart.
Das Mysterium, das F auf G zu sehen bekommt, enthält die Antwort auf Einsteins provokante Frage, ‚ob es den Mond gibt, wenn niemand hinschaut?
Die Antwort lautet: der Mond existiert, aber für den einzelnen Beobachter, der ihn nicht anschaut existiert er nur als eine unscharfe Wahrscheinlichkeit.

Die scharfe Wirklichkeit liegt ausschliesslich dann vor, wenn sie beobachtet wird.      

Somit erschliesst sich uns der Sinn der Quantenmechanik, mit ihrer Wellenfunktion – diese beschreibt nämlich nicht die Realität eines physikalischen Experiments, sondern die Nichtrealität hinter dem Rücken eines unmittelbar beteiligten Beobachters (hier: E)
Der Kollaps der Wellenfunktion drückt den physikalischen Übergang von dem unbeobachteten in den beobachteten Zustand der Realität aus.
Womit dies zusammenhängt werden wir in den nächsten Kapiteln erörtern.
Es wird jedenfalls extrem interessant sein, denn sollte uns tatsächlich gelingen die Fragen, welche vor uns stehen zu beantworten, werden wir alles verstehen.
Und es wird uns gelingen.

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