Calculus (3): Expansion – Perspektivenbezug des Versuchs.

von Maciej Zasada

6.1.2.2. Expansion.

Regel 1 (R1).
Jedem einzelnen Element eines analysierten Systems weisen wir stets zwei logische Grundparameter zu: seine individuelle Mikro- und Makroperspektive (/mp/, /MP/). Diese betrachten wir als natürliche Aspekte jeder logischen Ordnung.

Für das System DSE gilt nach R1:

A/mp/ = [P\A@A\]
A/MP/ = [P\A@G], [P\A@E1], [P\A@E2], [P\A@S], usw.

B/mp/ = [P\B@B\]
B/MP/ = [P\B@A], [P\B@G]…

G/mp/ = [P\G@G]

(P steht für „Perspektive“, Bedeutung vom Operator @ dürfte klar sein, wie das Experiment aufgebaut ist, erfährst Du hier)

Regel 2 (R2).
Jeder perspektivischen Instanz innerhalb des analysierten Systems weisen wir, soweit möglich, einen eindeutigen Perspektivenbezug [>] zu. Dieser ordnet den logischen Sinn der Beziehungen, welche zwischen den einzelnen Grundparametern innerhalb einer gegebenen Perspektivenordnung bestehen.

R2 verlangt, dass sämtliche erreichbare Perspektiven eines gegebenen Systems einer logischen Analyse unterworfen werden. Auch dann, wenn wir meinen, eine solche Analyse wäre verboten oder aus dem Grunde nicht notwendig, weil uns die meisten perspektivischen Aspekte vorliegen oder trivial erscheinen. Diese Praxis versetzt uns in die Lage, die behandelte Materie von Grund auf zu begreifen.
Nicht das Wissen – das Verstehen besitzt die befreiende Macht.
Wir entfernen uns von den uns verlässlich erscheinenden Denkmustern und erlangen eine frische Einsicht, die uns Dinge sehen lässt, welche vor uns liegen, welche immer vor uns lagen, welche wir hartnäckig übersehen haben.

Für das System DSE gilt nach R2:

  • [>A/mp/] = Aus der Perspektive von A besteht die Wirklichkeit aus dem jeweils aktuellen Augenblick. Für A erfolgt die Aktualisierung der Augenblicke nicht etwa durch makroperspektivische Wechselwirkung mit G, E1 und E2. Vielmehr befindet sich A in einem permanenten Gegenwartszustand sowohl dann, wenn seine Position, von E gemessen und für F und auf G eindeutig zu bestimmen ist, als auch dann, wenn A (von E unbeobachtet und für F im Zustand der Superposition) sich im unscharfen Zustand befindet und auf G ein Interferenzmuster erzeugt.
    Der Zustand, den F als Superposition bezeichnet, hat zur Folge, dass die Entscheidung der Frage, wo sich A zwischen dem Zeitpunkt des Verlassen von B und dem des Auftreffen auf G befindet, namentlich durch welchen Spalt (d1 oder d2) es beim Durchqueren von D hindurchgeht nur in statistischer Form erfolgen kann.
    A ist in diesem Zustand für F in der Tat nicht mehr als eine Wahrscheinlichkeit – es erscheint auf G das Wellen-Interferenzmuster und A verhält sich aus F´s Perspektive wie eine Welle, welche durch beide Spalte zugleich hindurchgeht – aus der Perspektive von A ist sein eigenes Bild und das Bild der Wirklichkeit mit den Mitteln relativistischer Physik beschreibbar, unabhängig davon, ob eine Messung auf D erfolgt oder nicht.
  • [>A/MP/] = Indem A mit G, E1, E2 wechselwirkt, entsteht sein scharf umrissener Zustand – F liest ab den eindeutigen Wert von E, Interferenzmuster auf G verschwindet augenblicklich und an seiner Stelle tritt die scharfe Abbildung beider Spalte.
    In diesem Fall deckt sich die aktuelle Gegenwart von A mit seiner Wahrscheinlichkeit im System DSE. Diesen Tatbestand drücken wir auf folgende Weise aus:

A/MP/ = A/mp/ ⇒ (A/MP/ = A@E) ∧ (E/MP/ = E@A)

Diese unscheinbare Formel beschreibt freilich die perspektivische Relation, welche den Prozess der Realitätsbildung im System DSE in Gang setzt.
Sie ist für das Verständnis der beobachteten Realität und für die Entstehung eigenständiger Perspektiven essenziell.

  • [>B/mp/] = …
  • [>B/MP/] = …

Beide Perspektivenbezüge der Lichtquelle B haben keinen Einfluss auf die quantenmechanischen Effekte, die im Rahmen des DSE beobachtet werden. Die Emission von Photonen ist, soweit man beurteilen kann, die einzige Funktion von B.

  • [>G/mp/] = Die Position einzelner Photone liegt auf G auch dann eindeutig fest, wenn das Muster, das sie gemeinsam erzeugen ein Interferenzmuster ist. Detektor G ist, bezogen auf A, der ultimative Ausdruck, kein Inhalt des Experiments,.
  • [>G/MP/] = Die Wechselwirkung des G mit den übrigen Elementen des DSE ist auf den Moment des Auftreffen von A beschränkt. G erfüllt keine weitere, logisch relevante Funktion im System DSE.
  • [>D/mp/] = Es existieren zwei mikroperspektivisch relevante Zustände von D:

Zustand 1. Einer der beiden Spalte d1, d2 ist offen, während der andere geschlossen ist.
Hierbei entsteht kein deutlicher quantenmechanischer Effekt und keine perspektivenlogische Relevanz.

Zustand 2. Beide Spalte sind offen.
Aus quantenmechanischer und perspektivenlogischer Sicht ist lediglich der Zustand 2. vom Belang. Im Zustand 2. unterscheiden wir zwei Aspekte:

Zustand 2a. Während beide Spalte offen sind, funktionieren die Detektoren E1, E2. Sie zeigen an, durch welchen der beiden Spalte die einzelnen Photonen hindurchgehen.

Zustand 2b. Während beide Spalte offen sind, werden E1 und E2 abgeschaltet.
Doppelsp
Abbildung 12. Zustand 2a: E aktiv – wir sehen scharf umrissene Projektion der Spalte auf der Oberfläche von G.
DoppelsOff
Abbildung
13. Zustand 2b: E inaktiv: auf G erscheint ein Interferenzmuster.

  • [>D/MP/] = Die Trennwand D hat für das System DSE eine zentrale Bedeutung. Sie beeinflusst unmittelbar das Verhalten von A und mittelbar (durch A) den Detektor G.
    Die Trennwand D im Zustand 2b hat die Konsequenz, dass auf G ein Interferenzmuster entsteht. Es hängt damit zusammen, dass die Photonen A im Bezug auf die inaktiven Beobachter (E1, E2) sich wie eine Welle verhalten.
    A befindet sich aus der Perspektive von F in einem unscharfen Zustand – es kann nicht eindeutig bestimmt werden, welche Koordinaten die einzelnen Photone auf dem Weg von B nach G einnehmen, vielmehr entsteht für F der Eindruck, sie verhalten sich einzeln wie eine Welle. F stellt auf G einen Interferenzmuster fest, bei dem die meisten Photone, welche auf G auftreffen, zwischen den beiden Spalten landen.
    F kann daraus die Wahrscheinlichkeit ableiten, mit der sich die Photone ausbreiten und auf G verteilen, die konkrete Position einzelner Photone kann jedoch bis zum auftreffen auf G nicht bestimmt werden.
    Es ist festzuhalten, dass der Eindruck der Superposition ausschließlich bei F entsteht, die inaktiven Detektoren E1 und E2 empfangen und versenden keine Signale – sie beeinflussen nicht das Verhalten der Photone, was sie im aktiven Zustand, als Gegenwartsinstanzen einer speziellen Raumzeitgegenwart, ganz offensichtlich tun.
  • [>E1,E2/mp/] = Die Detektoren auf D sind die „Augen“ des Experiments. Sie „sehen“ die Photonen, welche durch d1 und d2 einzeln hindurchgehen und bestimmen dadurch scheinbar ihre Eigenschaft als Teilchen oder als Welle.
    In Wirklichkeit, wie wir wissen, erzwingen sie, als Referenzpunkte einer konkreten Raumzeitgegenwart, die scharfe Erscheinung der Wirklichkeit (einschließlich der Photone).
  • [>E1,E2/MP/] = E1 und E2 interagieren nicht nur mit A. Sie, und das ist das Entscheidende für die Deutung des Experiments, sie interagieren nicht mit F!Es besteht keine kausale Verbindung zwischen den Detektoren E und dem Beobachter F.Trotz dessen, dass für uns der Eindruck entsteht, F sähe verschiedene Muster auf G gerade wegen des Verhaltens von E, ist es ziemlich sicher, dass diese Muster unabhängig von E entstehen.


Notiz 1:     
Wenn wir den Detektoren E die menschlichen Attribute zuweisen würden – wenn sie bewusste Beobachter wären, würden sie die Realität des DSE im aktiven Zustand scharf umrissen wahrnehmen und beschreiben (sie würden in der Tat die Realität genau so sehen, wie wir sie wahrnehmen).
Wären sie inaktiv, würden sie, wie wir, der Wirklichkeit eine lineare Kausalität voraussetzen, welche sie im aktiven Zustand, wie wir, zweifellos feststellten.
Sie würden behaupten, dass, indem sie sich über die Bedeutung von Einzeldingen verständigen können, die Existenz einer universellen Wirklichkeit bewiesene Sache sei.
Aus der Perspektive eines unbeteiligten Beobachters (F) würde man jedoch in jedem Fall feststellen müssen, dass die Wirklichkeit punktuell auf die einzelnen Beobachter bezogen sei und dass sich ihr Zustand gravierend ändere, abhängig davon, ob sie aktiv beobachtet wird oder nicht.

Für bewusste E´s wäre die Wirklichkeit, wie sie für uns selbst ist – durchaus objektiv und allgemeingültig….denke darüber nach.

Allgemeine Unvollständigkeit der Wirklichkeit.     

Für einen Beobachter E, der ein direkter Bestandteil eines quantenmechanischen Systems ist, bleibt die vollständige quantenmechanische Ordnung dieses Systems verborgen.
Indem er aktiv ist, stellt E die scharfe Objektivität seiner Wirklichkeit fest, im inaktiven Zustand ist er nicht mehr in der Lage zu beobachten.
Die unbeobachtete Wirklichkeit G ist eine andere, als die beobachtete Wirklichkeit G.

  • [>F/mp/] = auf der Ebene von F findet die „Magie“ des Experiments statt.

F, als das einzige bewusste Element im System DSE, hat die Kompetenz, das Experiment zu deuten. F fragt sich, ob es etwa den Mond gibt, wenn niemand hinschaut?
Die Hypothese, dass der Mond nur dann existiert, wenn ihn jemand anschaut ist für F unerträglich. Das Universum muss doch unabhängig davon existieren, ob es Beobachter gibt oder nicht…
Er erfindet die Lösung: Kopenhagener Deutung für die Empiriker und Viele – Welten Semantik für die Romantiker. Damit rettet er die Vorstellung von der universell-objektiven Wirklichkeit.
Doch ist diese angesichts der Bedeutung und der eindeutigen Aussage des DSE überhaupt zu retten?

  • [>F/MP/] = Die deutende Vormacht von F, seine dialektische Macht, die ihn jede Interpretation mit mächtigen, scheinbar unumstößlichen Argumenten stützen lässt, bewirken, dass die Realität des DSE in den Wirren metaphysischer Auseinandersetzung in den Hintergrund tritt.
    Doch versuchen wir uns von dem zu lösen, was wir über das DSE-System wissen. Versuchen wir das, was F wirklich sieht, zu betrachten.
    F sieht eine Lichtquelle B, welche Photone A in Richtung G abschiesst. Er sieht die Trennwand D, die sich zwischen B und G befindet, auf dieser Trennwand befinden sich zwei Spalten, welche unabhängig voneinander geöffnet und geschlossen werden.
    F registriert ferner die Signale, welche die aktiven Detektoren E1, E2 exakt dann aussenden, wenn ein Photon durch einen der Spalte hindurchgeht. Vor allem aber sieht F das Muster auf G, das sich abhängig davon, ob sich D im Zustand 2a (E aktiv) oder 2b (E inaktiv) befindet, als ein Interferenzmuster oder als eine Projektion beider Spalte zeigt.
    F verbindet das, was er sieht mit seiner eigener Wirklichkeit, meint, dass das Gesehene der Eindruck einer universellen, universell erfahrbaren und nicht der Eindruck einer singulären, einer individuellen Wirklichkeit ist…und irrt.
    Die Wirklichkeit des Systems DSE hat nämlich mit F nichts zu tun, außer dass sie von ihm beobachtet wird.

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