Zurück zum Zenon…und weiter!

von Maciej Zasada

5.5.5.4 Zurück zum Zenon…und weiter.

Wäre ich ein fliegender Pfeil, wäre ich mir meiner eigenen Bewegung nicht bewusst, obwohl ich freilich merken würde, wie sich meine raumzeitlichen Koordinaten verändern, ich würde mich selbst, bezogen auf meine Gegenwartsperspektive, in einem bewegungslosen Zustand sehen.
Dies ist in der Tat nicht nur die Perspektive eines Pfeils, sondern überhaupt die eines jeden Beobachters der Gegenwart: man bewegt sich nicht, die Welt bewegt sich!
Geht man zu Fuß, trägt man die Gegenwart mit sich, fährt man in einem Zug, fährt die Gegenwart mit, fliegt man in einem Flugzeug, die Gegenwart sitzt mit dabei.
Wäre ein Flugzeug wie ein Zimmer ohne Fenster ausgestattet, wäre es akustisch und mechanisch isoliert, hätte man nicht erkennen können, ob man sich 10000 Meter über dem Boden in einer Passagiermaschine oder in einem regungslosen Zustand, mit festem Grund unter den Füßen befindet.
Darin ist der Widerspruch der Pfeilparadoxie enthalten!
Und darin besteht der Zusammenhang zwischen der Pfeilparadoxie und dem Relativitätsprinzip, der im zwanzigsten Jahrhundert vom Albert Einstein zum ideologischen Ausgangspunkt der SRT erklärt wurde.

English: Author: Anonymous Date: 1893 Source: ...

Der geniale Junge im Jahr 1893 (Credit: Wikipedia: Commons)
Doch es geht noch weiter:

5.5.5.4.1 …und weiter – die Vergangenheitstiefe der Raumzeit!

Erst in der Vergangenheit entsteht der Raum.

Erst in der Vergangenheit besteht die Möglichkeit des Raumes, der Bewegung und des Gegenstands, der sich außerhalb des Beobachters befindet und der in das „Koordinatennetz der Raumzeit“ eingebunden ist. Anhand der Existenz dieses Koordinatennetzes ist es dem innerhalb der Gegenwart existierenden Beobachter möglich, von seiner Eigenbewegung auszugehen; Entfernungen und Geschwindigkeiten anhand raumzeitlicher Koordinatenunterschiede, welche zwischen gegebener Gegenwart und den Punkten der Raumzeit bestehen, zu erkennen.

Wenn wir mit dem Zug von Warschau nach Moskau reisen und die Grenze Russlands überqueren, dann heisst das nicht nur, dass wir die Entfernung zwischen unserem Heimatbahnhof und Moskau verringert haben, sondern es heisst primär, dass wir die räumliche Vergangenheit modifiziert haben, und zwar, dass sich die relative Vergangenheitstiefe Moskaus reduziert und die relative Vergangenheitstiefe Warschaus erhöht hat.
Daraus ergibt sich eine neue Vorstellung von der Geschwindigkeit, von der Bewegung, von der Entfernung, vom Raum und von der Zeit.

Folgende Grafik zeigt den Bezugspunkt R und, in Bezug dazu, die Vergangenheitstiefe VT zweier Raumzeitpunkte A und C.

GbiaprzeszociS: VTA = R = VTC
S1: VTA > R > VTC
S2: VTA < R < VTC

Der Punkt, in dem sich die Raumzeitgegenwart des Reisenden abspielt ist der Referenzpunkt (R) des Raumzeitsystems S, S1 und S2.
Punkt R ist der Mittelpunkt eines Indiversums R, das sowohl den Punkt A, wie den Punkt C, als auch alle übrigen Punkte der Raumzeitsysteme S,S1,S2 enthält, wobei in S1 die relative (relativ bezogen auf R) Vergangenheitstiefe von A seichter ist als die von C, dieselbe jedoch in S2 umgekehrt: für A tiefer ist, als für C.
In S ist die relative Vergangenheitstiefe beider Raumpunkte gleich.

Das Konzept der Vergangenheitstiefe ist ein An-Argument.
Es könnte als Argument dafür genommen werden, dass zum Einen die systematische Unterschiede zwischen Raumzeitkontinuum und Raumzeitgegenwart, zum Anderen zwischen Uni- und Indiversum einerseits tatsächlich bestehen, andererseits, dass sich die Wirklichkeit einer singulären Gegenwart doch in den universellen Rahmen der Raumzeit logisch einbinden lässt.

Wir formulieren anhand dessen einen neuen Begriff der Raumzeit:


5.5.5.4.2 Erkenntnis 12: Körper-Geist-Dualismus.

1. Die Vergangenheit enthält alle tatsächlichen und alle möglichen Objekte der Betrachtung.

(In der Gegenwart findet allein die Betrachtung der Vergangenheit statt. Die Gegenwart eines Objektes kann unmöglich mit der Gegenwart seiner Wahrnehmung synchron sein.)

2. Jede Bewegung findet in der Vergangenheit statt.

(Die Strecke S, welche ein Beobachter R zwischen den Punkten A und C zurücklegt, kann als Veränderung der Vergangenheitstiefe der Punkte A und C, bezogen auf die jeweilige Gegenwart des Beobachers, betrachtet werden.)

 3. Die Vergangenheit, die Raumzeit, der Raum (das Volumen) und die Zeit sind dasselbe.

Aus dieser Äquivalenz ergibt sich eine neue Vorstellung von Körperlichkeit eines Beobachters, von seiner perspektivischen Distanz einerseits dem Objekt der Beobachtung gegenüber, andererseits gegenüber seinem eigenen Körper und dem auswärtigen Beobachter.

Es geht beispielsweise darum zu entscheiden, was dem betrachtenden Individuum als ein Bestandteil zugerechnet und was überhaupt als ein Individuum bezeichnet werden soll.
Wir betrachten nämlich unseren Körper als den Raum des eigenen Selbst. Es besteht für uns selbst eine zwingende Verbindung zwischen dem, wer wir sind und unserem Körper (wir werden ja auf der Strasse anhand unseres Aussehens erkannt). Betrachten wir jedoch diesen Körper als Bestandteil der Raumzeit, so können wir ihn nicht ohne weiteres dem betrachtenden Individuum zurechnen.
Es besteht daher ein Unterschied zwischen dem, was wir als unser Körper und dem, was wir als unser Selbst, als das Sensorium bezeichnen.
Dieser Unterschied wird anhand der erkannten Differenz zwischen Raumzeit und Gegenwart deutlich erkennbar.

Wir erkennen, dass zusammen mit dem Begriff der Raumzeitgegenwart eine neue Wirklichkeit oder ein zusätzlicher Raum entstanden ist, in dem die scheinbar unvereinbaren Vorstellungen einen gemeinsamen Platz einnehmen und in Verbindung zueinander stehen.

Bilder, die bisher ausschließlich getrennt betrachtet wurden, werden eine Einheit – die Vergangenheit und die Gegenwart.
Der Körper (Materie) gehört der Raumzeit, der Geist der Gegenwart an.

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