Was ist das Ego?

von Maciej Zasada

Die Autorin dieses Beitrags ist Miriam.
Dieser Artikel ist auschlaggebend für die

Perspektive Gottes“. April 14, 2013 · – autor:  · in II. AKZEPTIERE WAS IST (Übersetzung: Perspektivenlogik)

In der Zeit, als ich noch ein junges Küken war, verbrachten wir die Ferien bei meiner Tante auf dem Lande. Zu unseren täglichen Pflichten (ich habe zwei Cousins) gehörte das sogenannte „Milchholengehen“. Wir fürchteten uns davor und fanden es gleichzeitig ungemein spannend, denn das „Milchholengehen“ fand nach Anbruch der Dunkelheit statt und die Nachbar, bei denen wir die Milch holten, auf der anderen Seite einer riesigen, ewig unter Wasser stehenden Wiese wohnten, die dazu voller Werwölfe war.
Welchen Weg wählt man, wenn man 6,7 oder 8 Jahre alt und ein leidenschaftlicher Winnetou Gucker ist – einen langen um das Gruselgebiet oder einen kürzeren mitten hindurch?

Die Angst war beherrschbar, solange wir zu dritt gingen, obwohl wir auch dann ein paar Dezibel lauter waren als nötig. Doch es kam auch vor, dass ich allein gehen musste. Eine Taschenlampe hatte ich selbstverständlich immer dabei und ich versuchte sie so zu benutzen, dass sich mein Körper in ihrem Licht befand – eine Abwandlung des magischen Denkens – das Böse befand sich im Schatten außerhalb des Lichtkegels und ich mittendrin in Sicherheit – das war zumindest die Absicht.

Das Problem war, dass ich mich gar nicht sicher fühlte – das Herz schlug im Hals und den ganzen Weg zu den Nachbarn sprintete ich voller Panik. Als ich jedoch zurück mit der Kanne voller Milch ging, blieb mir nichts anderes übrig, als langsam zu gehen.
Ich ging also langsam, vor Angst selbst weiß wie ein Geist. Ich hatte keine Ahnung, was außerhalb des Lichtkegels vor sich ging und das Bewusstsein, dass ein, zwei Meter entfernt die Werwölfe und andere Horrorgestalten lauern, rief in mir die reinste Panik hervor.

Irgendwann schaltete ich die Lampe aus, um zu sehen, wie sehr hab ich verschissen…und ich machte eine epochale Entdeckung – es gab dort weit und breit keine Monster. Die Wiese war leer.

Der Grund meiner Angst war, dass ich mich mittels des Lichts von der Dunkelheit der Wiese abgegrenzt habe. Auf diese Art entstand eine künstliche Grenze zwischen mir und der Wiese, auf der weiß Gott was vor sich ging, ergo nichts gutes (das Unbekannte ist ja immer voller Dämonen). Als ich das Licht ausknipste verschwand die Grenze und mit ihr die Gefahr. Auf einer bestimmten Ebene spielte ich nun mit der Wiese in einer Mannschaft

Ich machte die Taschenlampe nie wieder an.

Das Ego ist eine Taschenlampe, deren Licht bewirkt, dass wir durchs Leben „sicher“ gehen. Das auf uns fokussierte Licht (ich bin was besonderes) gibt uns die Illusion der Sicherheit.

Der Sicherheit vor was? Der Sicherheit vor dem Jenseits der künstlich entstandenen Grenze. Das Ego schützt uns nicht vor der jenseitigen Welt, sondern zuerst erschafft es überhaupt den Unterschied zwischen dem Ich – dem Besonderem, das immer Recht hat und dieser Welt – welche dumm ist und gar nicht weiß, worum es eigentlich c´m on, dann generiert sie Angst vor dieser Welt, und schließlich zwingt es uns Abwehrtaktiken auf, welche die anderen davon überzeugen sollen, dass wir etwas besonderes sind, immer Recht haben und überhaupt…

Ein Teufelskreis!

Die Meditation hat zum Ziel diesen Teufelskreis zu beenden. Sie besteht darin, das Licht der Taschenlampe allmählich oder (wenn man die Eier einer Sechsjährigen besitzt) abrupt auszuschalten.

(Bilder: mattroperKimagu)