Gegen archaische Logik.

von Maciej Zasada

Wofür stellen wir die etablierte Kosmologie auf dem Kopf – nur um zu zeigen, dass ihre prinzipiell geglaubte Gewissheiten anfechtbar sind?
Welche sind die Folgen unserer Kosmologie?
Bietet sie Alternativen oder führt sie, zusammen mit der Perspektivenlogik, geradewegs in die Untiefen des Nihilismus?
Bin ich Prometheus oder Antichrist?
Die Antwort ist…mein logisches System ist eine Alternative – hier der Beweis:

Folgende Schrift beinhaltet Thesen, die schwer zu akzeptieren sind.
Aus diesem Grund habe ich lange überlegt, ob ich sie überhaupt veröffentlichen soll, doch die heutige Welt, eine Welt, in der die einen behaupten „wir hören nie auf Euch zu bekämpfen, bis ihr uns in Ruhe lasst“, die anderen dagegen „wir Knicken nie ein“ (Stand: 23.05.2013 / Anlass: die Ermordung eines Soldaten auf offener Strasse in London) – diese Welt muss endlich ein Ende haben.
In der Logik geht es nämlich nicht nur um harmlose Denkmechanismen – die Logik hat mit all dem zu tun, was auf der Strasse geschieht.
Wenn man in einer anderen Welt leben will, muss man die heutige (logisch)  überwinden!

Doch wofür brauchen wir eine weitere Logik, wo doch diejenige, welche im Alltag benutzt wird völlig ausreicht, um die gesamte Wirklichkeit korrekt zu beschreiben?
Der Versuch einer Antwort auf diese durchaus berechtigte Frage wird hier unternommen.

These:
Die Logik bestimmt Wirklichkeit, nicht Wirklichkeit die Logik.
Es ist daher wichtig, welche Logik wir verwenden – unsere Logik entscheidet unmittelbar, in welcher Welt wir leben.

Es geht hier darum, das archaische Modell der Wirklichkeit infrage zu stellen – ein Modell, in dem es beispielsweise durchweg logisch erscheinen mag, die Widersprüche aus der Welt zu schaffen, indem die Menschen, welche sie verursachen, aus der Welt geschafft werden (das ist die ganze Logik hinter den NSU-Morden, das ist die Logik hinter jedem militanten Nationalismus, Nazitum, religiösem Fanatismus etc.).
Ich präsentiere eine Logik, welche die Rassismen, die Fundamentalismen, die ideologischen Fanatismen und Dogmatismen als das entlarvt, was sie in Wirklichkeit sind – als bloße Versuche das archaische Modell zu retten.

Das Thema dieser Schrift ist der logische Perspektivenwechsel.
Neben dem An-Argument, das den Sinn dialektischer Auseinandersetzung infrage stellt, stehen uns perspektivenlogische Mittel zur Verfügung, die sich hervorragend dazu eignen, eine dialektische Auseinandersetzung auf eine höhere Ebene zu heben.
Wie effektiv solche Mittel sind, zeigt das folgende Beispiel – wir werden darin einen der wichtigsten Paradigmenwechsel vollbringen…doch fangen wir von Vorne an.

Das Prinzip der Trägheit und seine Konsequenzen.

Die meisten Fundamentalisten sind unfähig, eine andere Wahrheit als ihre eigene zu tolerieren.
Sie kämpfen außerdem dafür, ihre Wahrheit den anderen aufzuzwingen, und zwar unabhängig davon, ob sie im guten Glauben oder aus niedrigen Beweggründen handeln und unabhängig davon, ob sie im Kampf dialektische Mittel oder rohe Gewalt anwenden.
Der Fundamentalismus ist unter den Zeitgenossen sehr verbreitet und betrifft mitnichten allein die Religion (in diesem Zusammenhang ist beispielsweise der wissenschaftlich motivierte Fundamentalismus höchst interessant).
Jeder Fundamentalismus wird von der archaischen Logik gestützt, in der das logische Prinzip „Tertium non datur“ die Eindeutigkeit und die Singularität der Wahrheit bestimmt.
Der Satz „nicht die Wahrheit spaltet, sondern der Einspruch, der gegen sie erhoben wird“ wird zum schlüssigen Argument gegen die eigene Ohnmacht angesichts der Welt voller Widersprüche.
„Unsere Wahrheit“ wird auf diese Art und Weise zu einer universellen Norm, mithilfe deren „gerechte“ Aufteilung der Welt in schwarz und in weiß zur Formalität wird.
Eine solche Aufteilung erschien Jahrtausendelang sinnvoll – sinnvoll wie das feudale Gesellschaftssystem oder das Patriarchat innerhalb der Familie – doch sie verliert, zusammen mit den Veränderungen, welche wir heute beobachten und welche sowohl die Gesellschaft, die Familie, als auch jeden Einzelnen von uns betreffen, ihre normative Berechtigung und ihre logische Grundlage.
Die heutige Welt ist transparent – die Menschen stellen ihre Fragen und sehen sich mit multivalenten Antworten konfrontiert. Die Reaktionen und Gegenargumente haben zur Folge, dass die Überzeugung vom universellen Wert eigener Wahrheit immer häufiger auf eine harte Probe gestellt wird – ewig geglaubte Autoritäten wanken in ihren Grundfesten.
Die Glaubenskriege, welche früher in den blutigen Schlachten entschieden wurden, finden heute in den Köpfen der Internetnutzer statt.
Wohin führen all diese Veränderungen, welche Konsequenzen werden sie in der Zukunft haben?
Diese Frage kann auf zwei Arten beantwortet werden – indem man im Rahmen klassischer Logik verbleibt oder ihren Rahmen verlässt.
Wenn wir im Rahmen klassischer Logik denken, werden sie wohl in ihrer letzten Konsequenz zur Entstehung zweier alternativen Wertesysteme führen – eines immersiven Fundamentalismus und eines werteleeren Nihilismus – tertium non datur.
In diesem Kontext, schützt der Fundamentalismus „unserer Wahrheit“ schon heute vor dem Werteverfall von morgen.
Trotz der Tatsache, dass der staatliche Fundamentalismus einen restriktiven Staatsapparat hervorbringen würde, in dem seine Normen und Maßstäbe rigoros exekutiert wären, würde er im Gegenzug gesellschaftliche Stabilität, moralischen Halt und Eindeutigkeit vertretener Werte langfristig bewahren.
Der Liberalismus würde dagegen in seiner letzten Konsequenz (verkürzt gedacht) in das Werte-Vakuum führen.
Wenn wir annehmen, dass diese Gegenüberstellung der zukünftigen Entwicklung Rechnung trägt, dann gäbe es für die Welt bereits jetzt keine Alternative mehr – diese Welt müsste über kurz oder lang ungemütlich werden, denn sowohl der zügellose Nihilismus (wegen der Nichtexistenz bindender Wertemaßstäbe), als auch der radikale Fundamentalismus (wegen fehlender Bereitschaft zur friedlichen Koexistenz zwischen konkurrierenden Fundamentalismen) gleichermaßen ins Chaos führen.
So ein Szenario, obwohl noch vor kurzem ein Thema finsterer Orwell-Fantasien, scheint heute, im Nahen Osten oder im Brutkastenland des Freiheitsgedankens – in den USA, realer denn je zu sein – die Fundamentalismen verbreiten sich dort wie die Flammen im Wald.
Der Schlüssel zu dem Ganzen scheint auch hier in der Wirklichkeitslogik zu liegen…wie immer und wie überall.

Die Fähigkeit zum schlüssigen Denken zeichnet uns Menschen aus und macht uns zu dem, was wir sind.
Diese Fähigkeit und die logisch geordnete Wirklichkeit sind für uns existenziell wichtig – nur in einer Welt, welche logisch eindeutig geordnet ist, kann sich die Fähigkeit des schlüssigen Denkens als ein evolutionärer Vorteil erweisen.
Dies ist der Grund, warum die logische Stabilität der Wirklichkeit für die Menschheit so wichtig ist und warum die Faktoren, welche sie gefährden, seit jeher bekämpft werden.

Die logische Stabilität der Wirklichkeit wird mit der Einführung der zweiwertigen Logik erreicht.
Die zweiwertige Logik bestimmt unsere Stellung innerhalb einer eindeutigen und universellen Wirklichkeit. Doch die Eindeutigkeit dieser Logik kann nicht ohne Weiteres als ihre universelle Eigenschaft angenommen werden, denn ihre Grenzen (sowie die Grenzen logisch geordneter Wirklichkeit) werden in demselben Augenblick erreicht, in dem auf Widersprüche gestoßen wird.
Die unüberwindbare Widersprüche der zweiwertigen Logik zeugen von ihrer Unvollständigkeit.
Was hat dies mit der Gegenüberstellung von Fundamentalismus und Nihilsmus zu tun?
Der Fundamentalismus ist in dem Sinne logisch, indem er sich gegen den logischen Widerspruch der ideologischen, nationalen, religiösen (etc.) Gegensätze erhebt – die eindeutige Entscheidungs- und Ausschlusslogik ordnet die Welt der Fundamentalisten klar und unmissverständlich.
Der Nihilismus ist dagegen im Sinne klassischer Logik irrational, denn er lässt die Existenz des eklatanten Widerspruchs zu.
Das erklärte Ziel eines jeden Fundamentalismus ist es, die logische Ordnung der Welt zu erhalten respektive wiederherzustellen.
Eine Wirklichkeit, in der kein innerer Widerspruch, höchstens ein Widerspruch äußerer Gegensätze zulässig ist, ist im Sinne klassischer Logik eine zweiwertige, logisch geordnete Wirklichkeit (in diesem Sinne war das Nazi-Reich durch all die Gleichschaltung vor allem ein logisches Gebilde). Gegen die äußeren Gegensätze kann logisch (in dem Sinne durchaus mit scharfen Waffen) vorgegangen werden – der Konflikt der Gegensätze gehört jeder klassischen Dialektik an.
Die Widersprüche, welche das Innere der Systeme betreffen, lassen sich im Gegensatz dazu mit den Mitteln klassischer Logik nicht bekämpfen (der Widerspruch stellt für eine Wirklichkeit, welche ausschließlich durch die Mittel klassischer Logik beschrieben wird, ein existenzielles Problem dar).
In diesem Sinne lässt sich beispielsweise der Terrorismus als ein logisches Phänomen verstehen – als Ausdruck einer extremen Weltbetrachtung, bei der die logische Ordnung der Wirklichkeit durch einen fremden Einfluss bedroht wird und um jeden Preis verteidigt werden muss.
(Wir können bestimmte Entwicklungen durchaus als schicksalhaft oder kontingent empfinden, doch in Wirklichkeit folgen sie, wie wir sehen, strikt dem logischen Diktum.)

Die Grenze der Zweiwertigkeit kann nicht mithilfe aristotelischer Logik oder mithilfe einer Logik überwunden werden, welche auf dem Fundament klassischer Logik aufgebaut ist (und jedes mir bekannte logische System ist  mit dem klassischen System verwandt, inklusive heutiger Quantenlogik, welche die Mauer der Einser und Nullen begrenzt).
Innerhalb der klassisch-zweiwertigen Perspektive existiert deshalb keine Alternative zu dem oben skizzierten Szenario – die Schlange Ourobouros wird aus Verzweiflung in den eigenen Schwanz beißen…und zwar im großen Stil.

Doch es existiert, wie wir uns erinnern, ein zweiter Weg, um auf die Frage nach den Konsequenzen der heutigen Entwicklung eine Antwort zu finden.
Dieser Weg besteht darin, den Rahmen klassischer Logik zu verlassen.
Wir werden nun ein perspektivisches Argument entwerfen, in dem die Alternative für das düstere Endzeitszenario aufgezeigt wird.
Die Perspektivenlogik ist keine Ideologie, keine Konfession, keine Doktrin – sie ist eine Art „Tonart“, deren Existenz übersehen wurde. Mit ihrer Entdeckung entstehen die Möglichkeit und der Raum für neue Musik – das ist alles.

Das Argument des Wortes.

„Es existiert eine einzige Wahrheit – diese ist im Wort Gottes enthalten“

Diese Definition der Wahrheit, obwohl für Viele einleuchtend und schlüssig, ist in Wirklichkeit widersprüchlich, denn auch dann, wenn wir annehmen, dass ein sprechender Gott existiert und dass „Gottes Wort“ tatsächlich die endgültige Wahrheit enthält, erkennen wir, dass es durch verschiedene, sich teilweise oder gänzlich ausschließende Quellen unterschiedlich verkündet und unterschiedlich interpretiert wird.
Aus dieser Perspektive betrachtet, kann die Wahrheit des „wahren Wortes“ nur aus der Sicht einzelner Verkünder schlüssig erscheinen – ihre Wahrheit ist aus universeller Sicht widersprüchlich.
„Gottes Wort“ ist das mächtigste Argument, das eine religiöse Doktrin für die Begründung der eigenen Monopolstellung anführen kann – hier wird ja die Autorität höchster Instanz für die Bestätigung der universellen Gültigkeit der eigenen Sache bemüht…
Das Problem liegt darin, dass man, um die Schlüssigkeit dieses Arguments zu erhalten, nicht nur die Existenz Gottes voraussetzen sondern auch seine uneingeschränkte Akzeptanz für die konkrete Interpretation eigener Worte postulieren muss (in Wirklichkeit erreicht man „Gottes Akzeptanz“ durch einen logischen Trick: man ordnet die eigene dialektische Position dem individuell verfassten Worte Gottes unter, um aus diesem Bezug einerseits auf eigene Unfehlbarkeit, was die Interpretation göttlicher Semantik angeht, andererseits auf die Universalität der eigenen Interpretation und auf die Universalität der eigenen dialektischen Position zu schließen – was in der Tat grob zirkulär ist).
Das Argument des Wortes kann durch keine Empirie und durch keine Gewissheit bestätigt werden, die über die Grenze der eigenen Überzeugung im Glauben hinausgeht.
Dies hat zur Folge, dass die Wahrheit der Aussage, welche von einem solchen Argument gestützt wird, ausschließlich eine individuelle und keine universelle Gültigkeit besitzen kann.
Es existiert also kein logischer Zusammenhang zwischen der von den Fundamentalisten postulierten Superiorität der eigenen Sendung und dem faktischen Anspruch darauf.
Keine Religion, keine Ideologie befindet sich im Besitz einer absoluten und endgültigen Wahrheit – einer Wahrheit welche den individuellen Anspruch auf die Universalität der verkündeten Werte und die aus dieser Universalität folgende Superiorität über andere rechtfertigen könnte.

Das Prinzip „Unserer Wahrheit“ als universeller Wertmaßstab.

Aus der logisch falschen Ableitung der Universalität des Wortes folgen notwendig höchst fragliche Konsequenzen (ex falso quodlibet).

„Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.“ (Joh 17,17; EU)

Wer soll geheiligt werden?
Natürlich diejenigen, welche jene Wahrheit ablehnen, die „dem menschlichen Denken Güte, Schönheit und Ordnung vermittelt“, was wiederum beweist, dass menschliches Denken ohne diese Wahrheit „fehlerhaft“ sei. Derjenige, der in seinem „fehlerhaften“ Denken verharrt, derjenige, der sich der Wahrheit widersetzt, handelt falsch in Gottes Augen (und was Augen Gottes sehen wollen wird aus dem jeweiligen „Wort Gottes“ abgeleitet – auch hier nach streng zirkularer Regel).
In der Auseinandersetzung zwischen „falschem“ und „richtigem“ Denken, bewährt sich die Treue (1 kor. 11:19) und zeigt sich „die Bosheit der Gegner“.
Eine andere Auffassung der Wahrheit zu besitzen wird anhand metaphysischer Folgerung mit Bosheit gleichgesetzt…die Argumentation verlässt hier den „logischen“ Boden.
Hier zeigt sich also die universelle Norm „Unserer Wahrheit“, welche auf einfache Weise den Unterschied markiert und erlaubt sich selbst, in heiliger Überzeugung,  dem Bösen entgegenzustellen.

Seit Jahrtausenden wird auf diese Weise klassifiziert – auf der Grundlage nationaler, konfessioneller, ästhetischer oder ideologischer Unterschiede, entscheidet man wer selig, wer verdammt, wer Freund, wer Feind, wer richtig und wer falsch handelt…
Statt noch einmal zu versuchen, die Welt auf diese Art zu retten, sollte man vielleicht die Perspektive wechseln und reif werden.

Das perspektivische Argument (Prototyp eines Argumentes p).

Wenn eine einzige Wahrheit existiert, dann folgende:
Der Unterschied zwischen den Bewohnern dieses Planeten wird nicht durch die Entfernung von 100 Kilometer Luftlinie bestimmt.
Auch eine Entfernung von 1000 oder 8000 Kilometer ist kein ausreichender Grund, um diesen Unterschied zu erkennen – im Grunde sind wir, als Bestandteile eines unendlichen Universums, alle gleich.
Im Kontext dieser Perspektive spielen sämtliche Differenzen, welche uns trennen keine Rolle mehr, im Kontext dieser Perspektive ist es unmöglich, den Unterschied zwischen uns selber und dem Planeten, den wir bewohnen zu erkennen.
Wir sind nämlich Bewohner eines Planeten, welcher aus der kosmischen Sicht höchstens ein winziger Punkt am Himmel ist.
Wie sehen wir selbst solche Punkte im Raum?
Eventuelle Venus-Bewohner würden wir ja „Venusianer“ nennen und würden ihnen allgemeinvenusianische Merkmale zuschreiben, ohne religiöse, nationale, rassische Unterschiede zwischen einzelnen Individuen zu beachten, genau so, wie wir sie hier nicht beachten, indem wir von „den Holländern“, „den Russen“, „den Tunten“, „den Soldaten“ sprechen. Wir würden von „den Venusianern“ sprechen, wir würden sie „sie“ und uns „wir“ nennen, womit allerdings ein neuer perspektivischer und logischer Bezug konstruiert wäre.
Die Bedeutung des „Wir“ würde sich auf einmal auf alle Erdbewohner, ohne Ausnahme, erstrecken, obwohl sich heute noch, angesichts des fehlenden perspektivischen Bezugs, keine solche Verallgemeinerung bilden lässt.

Jede Perspektive lässt sich konstruieren, denn jede Perspektive existiert entweder als selbstverständlich oder ihre Nichtexistenz ist rein zufällig.
Um für bestimmte Wahrheiten reif zu sein, muss man in der Lage sein, die Perspektive auf sich Selbst zu verändern – die „Wir-Sie“-Perspektive besitzt, angesichts kosmischer Tiefe, keinen Sinn mehr, sowohl hier auf Erden, als auch überall sonst im Universum.
Gerade diese Wahrheit besitzt eine universelle Gültigkeit, allein diese Wahrheit kann aus der Perspektive eines eventuell existierenden Gottes – des Schöpfers des WELTALLS – einen Sinn ergeben.

Es existiert also eine positive Alternative, sowohl für den Fundamentalismus und für den Nihilismus getrennt, als auch für ihre zweiwertige Systembeziehung. Dies zeigt, dass uns bedeutend mehr zur Verfügung steht, als zwischen den beiden Optionen wählen zu müssen, um sich für das kleinere Übel zu entscheiden.
Dies ist der Beweis, dass es uns jederzeit möglich ist, den Rahmen perspektivischer Zwei- und logischer Eindeutigkeit zu verlassen, ohne den festen Boden unter den Füßen zu verlieren.
Dies ist ein Beweis dafür, dass in der logischen Anordnung der Welt reelle Räume existieren, die uns zur Verfügung stehen, um die Grenzen des Widerspruchs zu überwinden.
Indem wir jedoch diese Grenzen überwinden, lassen wir auch unsere bisherige Wirklichkeit hinter uns – wir betreten einen völlig anderen logischen Boden.
Das ist der ganze Sinn der Perspektivenlogik und der Grund ihrer Notwendigkeit.
Dies ist auch die Antwort auf die eingangs gestellte Frage.

Das Ende des archaischen Zeitalters.

Trotz der Tatsache, dass das vorliegende Argument schlüssig erscheint, sollte es durch einen klassisch-logischen Beweis eindeutig gemacht werden.
Sowohl der Ausschluss (der Verbot) des logischen, des ideologischen oder sonstigen Widerspruchs, als auch die Disqualifizierung der Menschen oder der Menschengruppen, welche für die Existenz bestimmter Widersprüche verantwortlich gemacht werden, finden grundsätzlich auf der Ebene der Logik statt.
Rassismus, Krieg, religions- oder nationalbedingter Isolationismus sind Folgen bestimmter Prozesse, welche unmittelbar in den Gesetzen zweiwertiger Logik ihren Ursprung haben.
Unsere Wirklichkeit wird durch restriktive Logik geprägt.
Die Probleme, welche in Verbindung mit der Existenz der Widersprüche auftreten werden sowohl in der zweiwertigen Logik (z.B. bei Bertrand Russel), als auch im wirklichen Leben beseitigt, indem ihre unmittelbaren Ursachen (oder Symptome) beseitigt werden.
Die logische Methode der restriktiven Widerspruchsaufhebung entspricht der Ordnungsmethode des (National)staates (in dem für die Isolierung und für die Sicherheitsverwahrung des inneren Widerspruchs spezielle Räume existieren und für die Beseitigung der äußeren Widersprüche mehr oder weniger angenehme politische Maßnahmen ergriffen werden), der westlichen Medizin (diese konzentriert sich auf die Effektivität der einzelnen Wirkstoffe / Heilungsmethoden – die Effektivität wird z.B. durch den Ausschluss der „unwirksamen“ Nebenstoffe / Methoden erreicht) oder der fundamentalistischen Religion (welche sich immer als die „wahre“ erkennt und die Existenz des Gegenentwurfs eher toleriert als zulässt) etc.

These:
Die Bemühung, die logische Ordnung wiederherzustellen indem der Widerspruch ausgeschlossen (vernichtet) wird, ist im Licht der Universumsperspektive vollkommen sinnlos, denn, auch wenn ein Unterschied zwischen „unserer Wahrheit“ und dem „Irrglauben“ erkannt wird – ist sicher, dass es keine Grenze zwischen dem Diesseits der logischen Ordnung und dem Jenseits der logischen Unordnung in einem unendlichen Universum oder einem endlichen, das aber vollständig ist, geben kann.

Beweis:
Das Diesseits der logischen Ordnung A wie das Jenseits der logischen Unordnung B sind Teilmengen des Universums U.
Sowohl A, als auch B sollten per Definition disjunkt sein, d.h. keine gemeinsamen Elemente haben – die Menge der christlichen Katholiken kann ja zweiwertig logisch betrachtet keine Gemeinsame Elemente mit der Menge der islamischen Schiiten besitzen.
Beide sich gegenseitig ausschließenden Mengen A und B sind jedoch als Teilmengen in der Menge U enthalten. Zwischen A und B besteht daher auf der Ebene von U eine bijektive Beziehung, denn wenn A = U und B = U, dann sind A und B einander äquivalent (A=B).

Mit anderen Worten – für kein Element der Menge A besteht ein logischer Sinn, ein Element der Menge B aus der Obermenge U auszuschließen (q.e.d.), denn zwischen den Mengen A und B kein Unterschied besteht.

Damit widerspricht sich nicht nur die NSU-Logik, damit widerspricht sich die gesamte Logik des ausgeschlossenen Dritten.

Konsequenz:
Auch dann, wenn es möglich erscheint, bestimmte Ideologien, Menschen oder Gruppen im Namen der systemischen Ordnungserhaltung oder Ordnungswiederherstellung zu disqualifizieren oder zu vernichten, sind die Handlungen, welche diesem Ziel dienen (z.B. Terrorismus) aus dem oben genannten Grund sinnleer und verstoßen gegen elementare Grundsätze der Logik.
Wir sind alle Türken, wir sind alle Nazis, wenn wir „die Anderen“ vernichten, vernichten wir uns selbst.

Konsequenz für die Logik:
Wir erkennen, dass eine universelle Entscheidungs- und Ausschlusslogik keine genügende Mächtigkeit besitzt, um die Wirklichkeit aus der universellen Perspektive (welche für diese Logik elementar ist) abzubilden.

Konsequenz für die Kosmologie:
Wir erkennen, dass die Kosmologie des Universum keine genügende Mächtigkeit besitzt, um die Wirklichkeit aus der Perspektive des Universums (welche für diese Kosmologie elementar ist) abzubilden.

Konsequenz für die Physik:
Wenn wir davon ausgehen, dass Logik, mit der die Quantenphysik und die Relativitätstheorie interpretiert werden, unvollständig ist, also falsch, dann müssen die Schlüsse, welche anhand der Gesetze dieser Logik gezogen werden, falsch sein.

Und in der Tat – wenn man die Quantenphysik und die Relativitätstheorie perspektivenlogisch interpretiert werden sie Eins – die Widersprüche, welche sie getrennt inkompatibel machen, lösen sich im Nichts auf.

Konsequenz für die Weltanschauung:
Alles hat im Grunde mit Logik zu tun.
Sogar wenn wir um unsere Götter streiten, argumentieren wir logisch – jeder kann behaupten,
sein Gott sei der wahre – nicht weil er grün, wässrig, kurios ist, sondern, weil er mächtig, symmetrisch, logisch ist.
Die Götter entstehen und fallen anhand logischer Macht, die sie entfachen (anhand der Schlüssigkeit ihrer Argumente).
Sowohl die Geschichte vom Evas Apfel als auch die Geschichte von Jesus Christus handeln von einem logischen Paradigmenwechsel.
Die Religionen sind logische Systeme, die mit der sogenannten klassischen Logik verwandt sind. Der
Ausschluss und die Entscheidung über den Ausschluss sind ihre Grundpfeiler.
So oder ähnlich sprach Christus selbst über die Welt, welche nach ihm kommen soll:

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen. […] Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter […]“ Lukas 12,49-53 EU, Matthäus 10,34-35 EU, Johannes 15,6 EU

Ist das kein logisches Manifest?
Ist das kein Programm dialektischer Logik?
Und ist das kein Eingeständnis einerseits ihrer Unzulänglichkeit, andererseits ihrer Notwendigkeit und eigenen Ohnmacht?
(lauteten Nietzsches letzte Worte nicht „armer, armer Christus“ – vielleicht begriff er als einziger die wirkliche Tiefe und die wirkliche Ebene des Leiden Christi?)
Wie lange sollen wir uns noch an diesem archaischen Entwurf richten?
Wir hatten eine Menge Zeit, um unseren logischen Sinn auf seinem Niveau zu stabilisieren.

Wäre es nicht sinnvoller, sich endlich an der (logischen) Vollkommenheit Gottes zu orientieren?

– DER LOGISCHE BEZUG GOTTES IST DAS UNIVERSUM – (kein Judentum, kein Christentum, kein Islam, kein sonstiger Partikularismus)

Es ist so einfach.