Das Indiversum.

von Maciej Zasada

Wir entkommen den unentscheidbaren Begriffen, indem wir neue Begriffe in die Sprache aufnehmen. Genau so funktionieren Entdeckungen oder evolutionärer Fortschritt.
Neue Worte schaffen neue Verbindungen, neue Stabilitäten und neue Erkenntnisstufen. Die Neologismen haben die gleiche Berechtigung wie die Worte einer neu erlernten Fremdsprache oder eine Sprachreform – sie wirken direkt auf den individuellen Sprachraum und auf das individuelle Sprachverhalten.
Eine Sprachreform, die von oben angeordnet wird, kann sich durchaus auf das Sprachverhalten eines Kollektivs auswirken, die Entscheidung jedoch, ob und in wie weit sie befolgt wird, steht getrennt jedem Individuum frei und muss auf der individuellen Ebene gefällt werden. Es gibt, nebenbei gesprochen, grundsätzlich keine Entscheidungen, die kollektiv oder universell gefällt werden können – auch wenn wir uns einer kollektiven Entscheidung anschließen, auch wenn wir überzeugt oder gezwungen werden, entscheiden wir aus eigener Mitte heraus.
In diesem Sinne entscheiden wir auch, dass sich das Universum oder dass sich die Sprache in einem universellen oder in einem individuellen Raum abspielen.
Die Tatsache, dass das Universum, als ein Phänomen, im universellen Raum stattfindet, scheint außer Frage zu stehen. Die Frage jedoch, ob diese Tatsache ihren Grund in der universellen Wirklichkeit oder in der (temporären) Vorstellung hat, ist unentscheidbar.
Aus diesem Grund entscheide ich mich, dem Inbegriff universeller Gültigkeit – dem Universum – einen Neologismus individueller Gültigkeit entgegen zu stellen. Diesen leite ich ab von den Begriffen “Individuum” und “indivers” (im Sinne “nicht-(von mir)-verschieden”).
Den neuen Begriff, in dem die Vorstellung vom Individuellen mit der Vorstellung vom Ganzen verbunden wird, nenne ich das Indiversum.