Antinomien und Widersprüche.

von Maciej Zasada

5.5.1 Antinomien und Widersprüche.

Fast alle logischen Antinomien zeichnet eine strukturelle Ähnlichkeit aus. Manche behaupten sogar, dass alle Antinomien die Form eines circulus vitiosus haben. Ich bin zwar nicht in der Lage zu urteilen, ob dies wirklich der Fall ist, ich weiß jedoch, dass alle Antinomien, mit denen wir hier zu tun haben werden, mehr oder minder die Form einer Rückkopplung besitzen.
Der Mechanismus einer Rückkopplung ist einfach: die Konsequenz einer Aktion bewirkt innerhalb einer rückgekoppelten Kausalität ihre eigene Ursache.
Der Kreis der Ursachen und Konsequenzen, welcher dadurch entsteht, entwickelt seine eigene, zentrifugale Dynamik. Diese Dynamik unter Kontrolle zu bringen gestaltet sich als ein ausgesprochen schwieriges Unterfangen.

Als Toningenieur hatte ich in meinem Leben ziemlich oft mit der akustischen Form der Rückkopplung zu tun und ich lernte, wie man sie effektiv sowohl apriorisch, als posteriorisch behandeln kann.
Die Einfachheit, mit der sich eine akustische Rückkopplung kontrollieren lässt, die Vielzahl an hilfreichen Mechanismen, welche für die Erfüllung dieses Zwecks zur Verfügung stehen, sowie ihre enorme Leistungsfähigkeit, bewirken, dass sich die Frage stellt, ob sich die Wirksamkeit akustischer Prozedur, auf den Grund logischer Analytik übertragen lässt.
Die Hauptursache dessen, dass die akustische Rückkopplung, im Gegensatz etwa zu einer semantischen, so einfach zu behandeln ist, ist primär die Tatsache, dass sie für jeden verständlich ist – eine akustische Rückkopplung ist für jeden betroffenen Zuhörer eine laute und unangenehme Erfahrung – sie tut weh in den Ohren – der Mechanismus ihrer Entstehung ist zudem relativ einfach, sodass die Wirkung vorbeugender Maßnahmen gezielt einsetzt.
Anders in der Logik – hier entstandene Rückkopplungen sind ungleich schwerer zu entdecken, geschweige denn zu behandeln.
Worauf sollten wir denn genau achten, wenn wir die akustische Erfahrung auf den Grund der Logik übertragen wollen?

Die Voraussetzung eines ausgeglichenen Tonsystems ist seine akustische Wirksamkeit, die sich darin zeigt, dass der maximale Nutzen (hier: Tonsicherheit) mit minimalen Kosten (hier: Beschneidung des Tonspektrums) erreicht wird.
Wesentlich ist zu erkennen, dass der Ton kein Monolith ist, dass er aus unzähligen Komponenten (Untertönen/Schwingungen/Frequenzen) besteht, welche man diskret und gezielt einzeln beeinflussen kann.
Wenn man daher eine akustische Rückkopplung beseitigen will, beeinflusst man nicht die gesamte Signal-Bandbreite, man beschränkt sich allein auf die Bestandteile des Nutzsignals, welche die Tendenz besitzen, unter bestimmten Voraussetzungen aus dem Spektrum einer bestimmten akustischen Konstellation auszubrechen.
Als Ergebnis erhält man einen klaren, sicheren Sound, dessen Qualität, wenn man über geschulte Ohren und Erfahrung verfügt, vom Original nicht zu unterscheiden ist.
Solche Wirkökonomie bleibt auf der Ebene der Logik bislang unerreicht.
Fast alle, mir bekannten, anti-antinomischen Methoden sind weitaus restriktiver und wenn sie das nicht sind, dann sind sie ineffektiv.
Es geht meistens um Regeln oder Gebote, welche, wenn man sie mit der Akustik vergleichen würde, den Effekt einer pauschalen Lautstärke-Reduktion haben.
Logische Methoden wären in der tontechnischen Praxis inakzeptabel..
Meine Musiker- und Tontechniker-Ohren (der Unterschied zwischen den beiden Ohrentypen besteht tatsächlich) sind zu sensibel, als dass ich mich mit einer semantischen Qualitätsreduktion zufrieden geben könnte.
Das logische System, das sich hier zu formen beginnt wird meine akustische Erfahrung auf den Grund semantischer Analyse übertragen.
In diesem logischen System werden uns laute bunte Regler zur Verfügung stehen, welche wir, wie die frei gewordenen Mechaniker des Sinns, gekonnt benutzen werden.

☜ Dualismus der Individualität Operator @ ☞