1. Gegenperspektive – Urknallperspektive

von Maciej Zasada

4.3.5 Erkenntnis 3: Was der andere sieht – die Gegenperspektive.

Der Grund, warum das offensichtlich inkonsistente Model des Universums schlüssig erscheint ist seine Pseudo-Vollständigkeit. Diese entsteht in diesem kosmologischen Modell als Konsequenz der Überzeugung, dass alle Beobachter dieselbe, universell vorhandene Wirklichkeit wahrnehmen.
Wenn wir nämlich das Universum beschreiben, tun wir das aus der für uns selbstverständlichen kollektiven Perspektive aller Erdbewohner. Die logisch eindeutige Interpretation der Wirklichkeit entsteht auf diese Weise automatisch.
Wir gehen von der Universalität der Erscheinung aus, wir vertrauen dem Auge, weil das Bild, das es liefert in den meisten Fällen mit dem Bild anderer Beobachter identisch ist.
Die kollektive Perspektive und die widerspruchsfreie Erkenntnislogik verhindern auf die Art und Weise nachhaltig die Entstehung einer leistungsfähigen Gegenperspektive.
Es ist stets die Perspektive, die durch andere bestätigt wird, keinesfalls eine Gegenperspektive, welche für gewiss gehalten wird.

“Was ich allein sehe, daran zweifle ich; was der andere auch sieht, das erst ist gewiss”
(L. Feuerbach)

Deckungsgleiche Perspektiven werden für vollständig und offensichtlich gehalten – sie bestätigen sich selbst (sind daher selbstreferenziell – darüber sprechen wir aber nicht).
Eine Gegenperspektive in unserem Sinne ist dagegen gewiss keine fremde Perspektive, anhand deren sich die eigene Gewissheit relativieren lässt, sie ist in erster Linie ein fester und ein unabhängiger Bestandteil jeder reifen Betrachtung. Sie besetzt die Leerstelle, welche dem Subjekt innerhalb seiner Autoperspektive gegenübersteht.
Der Unterschied zwischen einer Fremden- und einer Gegenperspektive kann hier durchaus winzig erscheinen, er ist aber groß genug, um den epistemologischen Zugang zur Wirklichkeit nachhaltig zu verändern.

Die folgende Erkenntnis ist die Gegenperspektive des kosmologischen Standardmodells.

4.3.6 Erkenntnis 4: Das sphärische Modell des Universums – die erste Gegenperspektive.

Der kausale Zusammenhang der Raumzeit hängt in unserer Vorstellung von einer zeitlichen Abfolge ab, deren Extremalpunkte einerseits der Urknall, andererseits die Gegenwart sind.

Dadurch, dass das Licht kosmischer Objekte Zeit benötigt, um zum irdischen Beobachter zu gelangen, entsteht die Perspektive, welche wir gerade beschrieben haben: indem wir in der Gegenwart in die Tiefen des Alls schauen, sehen wir in die Vergangenheit.
Indem wir den Radius kosmischer Beobachtung sukzessiv erweitern, schauen wir etwas, wie einen rückwärts laufenden Film an.
Im sphärischen Modell der ersten Perspektive (Abbildung unten) werden die Vektoren der Beobachtung und der kausalen Zeitrichtung (der Chronologie der Ereignisse) nicht durcheinander gebracht – sie behalten ihre Attribute und ihre umgekehrte Ordnung bei.
Auch der Urknall behält seine Bedeutung als ein integraler Bestandteil der Raumzeit oder umgekehrt – die Raumzeit behält ihre Bedeutung als ein Bestandteil des Urknalls bei – wie man will.
Indem wir das sphärische Modell der Raumzeit für gültig erklären, lösen wir uns endgültig von der Vorstellung eines von der Zeit unabhängigen Raumes. Wir gehen einen neuen Weg, indem wir erkennen, dass der Raum (auch im Sinne eines Volumens) mit der Zeit schlicht identisch ist.Sferyczny1D

Abbildung 3.

In der Abbildung 3 zeigt sich deutlich die Expansionsparadoxie des Standardmodells.

Diese Paradoxie entsteht, wie mehrfach erwähnt, aufgrund dessen, dass wir die Expansion des Universums, bezogen auf den kausalen Zeitpfeil der Raumzeit, zeitverkehrt wahrnehmen. Paradox an dieser Vorstellung ist namentlich die Tatsache, dass wir etwas als eine Expansion interpretieren, was zwar als eine Expansion erscheint, was aber in der Zeit rückwärts verläuft.

Stellen wir uns nun vor, um den Kern dieser Paradoxie zu verstehen, dass wir eine Implosion einer altmodischen Fernsehröhre mit der Videokamera aufzeichnen. Wären wir nicht überzeugt, dass wir einen explosiven Vorgang betrachten, ließen wir die Aufnahme rückwärts, d.h. zeitverkehrt ablaufen?
Haben wir, per Analogie, nicht mit einem implosiven Prozess zu tun, wenn wir eine expansive Dynamik der Raumzeit zeitverkehrt wahrnehmen?
Um sich das ideologische Gewicht des sphärischen Modells bewusst zu machen ist es unerlässlich, die eigene Perspektive auf das Urknall-Ereignis zu hinterfragen.

Die weit verbreitete Sicht auf diese Anfangsbedingung der Wirklichkeit ist, entgegen heutiger Überzeugung, nicht etwa selbstverständlich und nicht unabhängig vom ideologischen Einfluss – vielmehr ist sie durch die Zeit, in der Lemaitres Idee entstanden ist, geprägt.
Diese übte nicht nur einen ideologischen, sondern auch einen ästhetischen Einfluss auf die zeitgenössische Vorstellung aus.
Unter dem Eindruck der kriegerisch-„explosiven“ Wirklichkeit, welche durch die Erfindung des Kinematographen einen zusätzlichen episch-theatralischen Ausdruck erhielt, entstand die Vorstellung von einem Urknall, die bis heute gültig ist. Der Urknall ist seitdem, in unserer Vorstellung, ein explosiver Vorgang, den wir uns aus der Perspektive einer Kamera vorstellen – wie im Kino.

Unsere Urknall-Perspektive ist in der Tat die einer Kamera – ob es Filme, Animationen, Computergrafiken oder Gemälde sind – sie alle zeigen den Urknall als eine Explosion dar, welche durch ein externes Auge (das Auge eines unbeteiligten Beobachters) betrachtet wird.
Der folgende Hinweis wird unsere Perspektive auf das Initialereignis diametral verändern. Dieser Hinweis ist nicht ungewöhnlich und nicht gerade revolutionär. Neu an ihm ist die Vehemenz, mit der er formuliert wird und die Überzeugung, dass er eine der wichtigsten perspektivischen Veränderungen mit sich bringt, die mit der Wirklichkeit dieser Welt zu tun haben.


4.3.7 Erkenntnis 5: Ein An-Argument der Urknallperspektive.

Der Ort jeder Beobachtung befindet sich für jeden einzelnen Betrachter und zu jeder Zeit innerhalb des Universums.

Deshalb, wenn man sich den Urknall als einen explosiven Vorgang vorstellt, sollte man darauf achten, dass man dieses Ereignis nicht von Außen betrachtet, sondern man muss sich selbst, in den Gedanken, im Inneren einer expandierenden Kugel vorstellen – das Auge des Betrachters muss sich in der Vorstellung stets innerhalb des Urknalls befinden.

Die Perspektive eines unmittelbar beteiligten Betrachters soll für jedes Universumsmodell ohne Ausnahme gelten.

Diese Perspektive bedingt die Geometrie des sphärischen Modells und sie ist entscheidend für die Aussage der 4. Behauptung und all ihrer Konsequenzen.
Der Ort, an dem sich die jeweilige Beobachtung ereignet, liegt demnach innerhalb des sphärischen Konzeptes dort, wo er im Standardmodell, mit einer einzigen Ausnahme, nicht zu vermuten ist.
Für eine Zentralsymmetrie finden sich im Standardmodell keine Indizien und es ergibt sich für sie auch keine unmittelbare Notwendigkeit.

Anders in unserem Modell – in ihm ruht jeder Punkt des Universums, innerhalb seiner lokalen Gegenwart, exakt in der Mitte eines dynamischen Systems, dessen äußere Grenze gleichzeitig die Anfangsbedingung aller Zustände und aller Orte ist.

4.3.7.1 Kosmologischer Perspektivenwechsel.

Zurück zur Fernseh-Metapher: Sie entspricht zufälligerweise dem dynamischen Bild, mit dem wir als Beobachter zu tun haben.
Angenommen es gäbe zwei Menschen A und B, von denen A sich im Besitz einer Videokamera befände.
A und B würden darüber streiten, ob eine zerstörte Fernsehröhre implodiert oder explodiert. A’s Überzeugung wäre, dass solche Röhren grundsätzlich explodieren, doch um sicher zu sein, beschließt er die Zerstörung einer CRT-Röhre mit seiner slowmo Videokamera zu filmen. Minutiöse Analyse des aufgenommenen Materials ergibt, wie nicht anders zu erwarten, dass B’s These die richtige ist.
Wäre A ehrlich, wäre der Streit entschieden – der alte Lümmel A führt jedoch die Aufnahme der Zerstörung rückwärts vor – B beobachtet eine Explosion!
Für B steht die Gewissheit einer explosiven CRT-Dynamik außer Frage, doch seine Gewissheit, trotz der Evidenz der Beweisführung, fußt auf einer gemeinen Lüge…
Die objektive Wahrheit einer Videoaufnahme ist von ihrer Laufrichtung (Kausalität) abhängig – eine CRT-Röhre implodiert – armer, armer B.

Einerseits mag es schwierig erscheinen, in die Welt meiner kosmologischen Ideen einzutauchen, andererseits scheint es mir selber sehr einfach zu sein.
Ich glaube die Ursache dafür ist, dass ich mit meiner Kosmologie seit Jahren vertraut bin…die Welt um mich ist es keinesfalls.

Es ist schon seltsam, wie schwierig es ist, ungewöhnliche Bilder durchzusetzen.
Es ist scheinbar unmöglich, die hundertjährigen Denkmuster aufzubrechen.
Ich merke, welche Schwierigkeiten ausgebildete Spezialisten mit meinen Modellen haben – etwas für richtig zu halten, mit einem stabilen Wirklichkeitsbild aufgewachsen zu sein, macht einen radikalen Perspektivenwechsel fast unmöglich. Schuld an dem Unverständnis ist vor allem die Perspektive auf das Phänomen Urknall.

Wir sagen, dass der Urknall eine Singularität gewesen ist, eine Singularität mit den Eigenschaften eines mathematischen Punktes.
Klar.
Dann können wir uns diesen Punkt vorstellen.
Aus ihm entwickelt sich (expandiert) in unserer Vorstellung das Universum mit seiner Inflationären- und allen folgenden Entwicklungsphasen.
Unsere Perspektive ist dabei die Perspektive eines externen Beobachters – in unserer Vorstellung können wir einzelne Entwicklungsphasen des Universums mithilfe einer zweidimensionalen Darstellung illustrieren (siehe Abbildungen 1. und 2.).
Die Perspektive auf den Urknall, welche beispielsweise dem Hintergrundstrahlung-Bild der PLANCK-Mission zu entnehmen ist, steht in krassem Gegensatz dazu – dieses Bild veranschaulicht die Temperaturunterschiede der Überreste des Urknalls, welche die Messapparatur vom Überall her erreichen – die Messapparatur befindet sich aus dieser Perspektive innerhalb des Urknalls!

Temperaturverteilung der kosmischen Hintergrundstrahlung (PLANCK-Kollaboration, ESA)

Kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung aus der Sicht von Planck (Credit: PLANCK-Collaboration, ESA)

Die ESA-Grafik stellt eine Projektion dar – eine zweidimensionale Projektion eines (dreidimensionalen) kugelsymmetrischen Universums.
Wir erhalten das Abbild eines kugelförmigen Universums (WMAP / PLANCK), welches wir von Innen heraus betrachten und vertrauen gleichzeitig einem Universumsmodell, welches wir uns aus der zweidimensionalen Perspektive außenstehender Kamera kegelförmig vorstellen(???)

Lambda-CDM Modell (Creativ Commons / Wikimedia Commons, Alex Mittelmann (Coldcreation)

Lambda-CDM Modell (Creativ Commons / Wikimedia Commons, Alex Mittelmann (Coldcreation)

Ich kann nichts mehr, als wünschen, dass diejenigen aufwachen, welche diese miteinander völlig unvereinbaren Universumsperspektiven (Perspektive des externen und des internen Beobachters) für gleichzeitig richtig halten.
Die Abbilder der kosmischen Hintergrundstrahlung zeigen eindeutig, dass der Urknall um das Universum geschah und dass dieses Ereignis das Universum umschließt! (Abbildung 3.)
Nichts im Universum befand sich seit dem ersten Augenblick außerhalb des Urknalls!!!
Diese These bestimmt die Gültigkeit der Perspektive, aus der sowohl das Universum, als auch der Urknall von einem bewussten Beobachter wie von einer astronomischen Apparatur der Planck-Mission der ESA betrachtet wird – die Perspektive der Mitte.
Der Urknall ist die Außenhülle des Universums, denn nichts, was innerhalb des Urknalls geschah/entstand, konnte je seine Grenzen überwinden (der Urknallhorizont war und ist gleichzeitig der Ereignishorizont des Universums – siehe semantische Widersprüche 4.3.4.1).

Der Unterschied zwischen der internen und der externen Beobachterperspektive ist gravierend – die externe Perspektive erlaubt verschiedene Modelle des Universums anschaulich zu machen, sie erlaubt den Zustand des Urknalls und den des expandierenden Universums getrennt voneinander zu behandeln, sie erlaubt die Position des Beobachters unabhängig vom Urknall zu bestimmen, sie erlaubt schließlich den in Bezug auf den kosmologischen Zeitpfeil verkehrten Zeitpfeil der Beobachtung zu etablieren.
Im Gegensatz dazu ist die interne Beobachterperspektive an die Symmetrie des kosmologischen Modells gebunden.
Perspektive der Mitte schließt aus, die Form des Universums dem jeweiligen Universumsmodell anzupassen (aus Sicht eines internen Beobachters ist es ausgesprochen schwierig auf die äußere Form des Universums zu schließen). Die interne Perspektive eines Beteiligten lässt nicht zu, den Urknallzustand vom Universumzustand der aktuellen Wirklichkeit logisch zu entkoppeln – der Beobachter befindet sich zu jeder Zeit innerhalb des beobachteten Raumes. Der kosmologische Zeitpfeil kann bei der Beobachtung und bei ihrer Interpretation nicht aus den Augen gelassen werden, er ist ein fester Bestandteil jeder Perspektive und jedes Beobachtungsvorgangs.
Der Hauptvorteil der internen Perspektive liegt aber darin, dass sie die Perspektive des wirklichen Beobachters mit all ihrer räumlichen Unübersichtlichkeit widerspiegelt.
Die WMAP/PLANCK-Perspektive könnte natürlich (und wird) modifiziert und anschaulich gemacht, indem sie den Querschnitt des Universums aus der Vogelperspektive zeigt. Die beobachtete Anisotropie des Universums könnte dann als Konsequenz der Beschaffung seiner äußeren Form gedeutet werden (wenn man etwas „von Außen“ betrachtet ist man in der Lage, die äußere Form des Objektes zu „sehen“, auf diese äußere Form zu extrapolieren und sie anhand entsprechender Modelle bildlich darzustellen).
Externe Perspektive ist wie die dialektische Freiheit – sie erlaubt auch undenkbare Dinge denkbar zu machen, und zwar auch im mathematischen Sinne.
Dieselbe Freiheit führte dazu, dass ein mathematisches System, welches die Bewegungen der Planeten beschrieb, ptolemäische Thesen für Jahrhunderte denkbar gemacht hat – das mathematische Model konnte mit den Ergebnissen der Beobachtung in Einklang gebracht werden.

Eine Beobachtung, auch wenn die Evidenz der Beobachtung durch mathematische Modelle gestützt wird, hat nicht immer die Berechtigung einer Objektivität.
Mathematische Modelle haben die gleiche Funktion wie die Videoaufnahme einer implodierenden CRT-Röhre – sie sind Argumente – stützen sie falsche Weltbilder, liefern sie falsche Ergebnisse, obwohl sie mathematisch vollkommen korrekt sind. Eine rückwärts laufende Videoaufnahme ist ein unumstößlicher Beweis einer akausalen und grundfalschen Realität. Die Wahrheit ist: eine rückwärts laufende Videoaufnahme ist eine (evidente!) Lüge, obwohl sie pragmatische Kraft einer Evidenz besitzt.
Kausale Wahrheit einer Videoaufnahme, wie kausale Wahrheit der Wirklichkeit hängen im Wesentlichen von ihrer Laufrichtung bezogen auf den thermodynamischen Zeitpfeil des Universums.