1. Behauptung

von Maciej Zasada

Je weiter Objekte A und B voneinander entfernt sind, desto älter sind Signale A, welche von B in seiner jeweiligen Gegenwart  empfangen werden und umgekehrt.

Da keine Information schneller als mit Lichtgeschwindigkeit übermittelt werden kann (A3.), werden alle Informationen und alle beobachtbaren Effekte höchstens mit der Lichtgeschwindigkeit übermittelt.

Wenn die elektromagnetischen Signale zweier Galaxien A und B, um das Auge des Beobachters zu erreichen, jeweils eine und fünf Milliarden Jahre unterwegs gewesen sind, dann ist das lokal beobachtete Bild beider Himmelskörper entsprechend eine und fünf Milliarden Jahre alt.

Soweit klar, soweit bekannt, soweit trivial.

Wenn A und B jedoch gleichzeitig beobachtet werden und wenn ihre Lichtspektren einen messbaren Unterschied aufweisen (den wir als Bestätigung ihrer jeweiligen Fluchtgeschwindigkeit in Bezug auf den Beobachter betrachten), können wir dann, aufgrund dieser Beobachtung, ohne weiteres auf die Unterschiede ihrer Fluchtgeschwindigkeit in Bezug aufeinander und in Bezug auf den „unbewegten“ Beobachter schließen? – wir beobachten doch stets zwei Phänomene, die miteinander rein gar nichts zu tun haben, außer dass sie im Hier und Jetzt von dem sowohl räumlich, als auch zeitlich entfernten Beobachter als gleichzeitig wahrgenommen werden. Der Bezug, der dabei einerseits zwischen den Objekten AB, andererseits zwischen AB und dem irdischen Beobachter entsteht, entsteht offensichtlich künstlich, denn wir beobachten den physikalischem Zustand der Objekte A und B, wie er sich aus unserer Perspektive, jeweils vor einer und vor fünf Milliarden Jahren zugetragen hat.

Ein Beobachter, dessen raumzeitlicher Ort von unserem deutlich verschieden wäre, hätte die gleichen Phänomene u.U. völlig anders gesehen.
Angesichts der Objektrelativität, welche dem Betrachtungsakt zugrunde liegt, versagt offenbar die Exaktheit zeitlich-räumlicher Menschenlogik.
Alles, was wir beobachten, setzen wir als gleichzeitig mit dem Augenblick der Wahrnehmung – eine Praktik, die unter den irdischen Bedingungen durchaus anwendbar, bei der Interpretation kosmischer Phänomene grob unzulässig ist.
Die Verwirrung entsteht gerade deshalb, weil man zwei Zeitperspektiven miteinander vermischt: die Gegenwartsperspektive des Betrachters und die Gegenwartsperspektive der Emittersysteme (in unserem Fall A und B).
Einerseits ist man sich also der zeitlichen Linearität und der Unvereinbarkeit beider zeitlichen Bezüge bewusst, andererseits spricht man vom aktuell expandierenden Universum, obwohl die Indizien dieser Expansion eindeutig dem vergangenen Zeitraum angehören.

Das von uns beobachtete Universum ist nicht seine gegenwärtige Wirklichkeit, sondern sein eigenes Abbild, das sich auf den speziellen Ort und auf die spezielle Gegenwart der Beobachtung bezieht.
Der raumzeitliche Aspekt bestimmt daher nicht nur die Vorstellung vom Universum als solchem, sondern ist auch der Grund des Widerspruchs, der in dieser Vorstellung a priori enthalten ist.
Die Vorstellung vom Universum als einem Bezugsraum der Beobachtung, als einem Raum, in dem die Gesetze der Relativität gelten, die Vorstellung vom Universum, in dem der Raum und die Zeit mit getrennten Maßstäben gemessen werden und in dem eine Beobachtung stattfinden kann, bei der ihre eigene Gegenwart in Beziehung zu Gegenwart beobachteter Objekte gestellt wird, enthält offensichtlich mindestens einen deutlichen Widerspruch – den Widerspruch des zeitlichen Bezugs.