Konsequenzen der 4. Behauptung IV

von Maciej Zasada

4.4.13 Konsequenz 4 – die Perspektive.

Für jeden einzelnen Beobachter gilt: es gibt keine sonstige Wirklichkeit, als seine singuläre, lokale Raumzeitgegenwart.

Hieraus ergibt sich zwingend die Verbindung zweier Konzepte: des physikalischen und des solipsistischen Beobachters.
Der Solipsismus als ein Realitätsmodell wird noch eine wichtige Rolle im Prozess der Vereinheitlichung der Wirklichkeitskonzepte spielen. Diese wollen wir im Rahmen der Perspektivenlogik vornehmen.

4.4.14 Konsequenz 5

Aus dem jeweiligen Mittelpunkt des Indiversums entspringt die Raumzeit.

Die Wirklichkeit entsteht im jeweiligen Mittelpunkt der Gegenwart.
Der Aufenthaltsort eines jeden Beobachters und seine Gegenwart sind für die Realität seines Indiversums bestimmend.

Erkenntnis 7: Korrektur des 2. Axioms.

Im Kontext der Konsequenz 5 lautet der 2. Axiom nunmehr wie folgt:

Axiom 2a

Das Universum expandiert entlang eines Zeitpfeils, der vom raumzeitlichen Mittelpunkt der jeweiligen Gegenwart aus in Richtung des Urknalls verläuft.

Die Raumzeit expandiert als ein Kontinuum in die Vergangenheit.
Dies deckt sich vollständig mit dem Bild der Wirklichkeit, das wir makrokosmisch beobachten. Die Aussage des endgültigen Axioms 2a ist aber auch für die mikrokosmische Perspektive relevant, denn es kann keine logische Gültigkeitsgrenze zwischen den Voraussetzungen der makro- und der mikrokosmischen Betrachtung geben. (siehe 3. Relativistischer Grundsatz)

Wenn dem so ist, dann muss folgende Äquivalenz ausgesprochen werden:

4.4.15 Äquivalenzsatz.

Es besteht kein logisch relevanter Unterschied zwischen dem Bild eines expandierenden und dem eines kontrahierenden Universums.

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Ilustration 8.

Anhand der Beobachtung stellen wir fest, dass das Universum expandiert. Doch wir wissen, dass es gleichzeitig vorstellbar und möglich ist, die Expansion, welche in die Vergangenheit gerichtet ist, als in die Gegenwart gerichtete Kontraktion zu beschreiben.
Diese Folgerung ist universalgültig. Sie entsteht hier nicht etwa als Konsequenz einer bestimmten kosmologischen Explikation, sie ist eine logische Konsequenz des Äquivalenzprinzips, welches man auf ein beliebiges Universumsmodell anwendet.

Das Äquivalenzprinzip, welches die logische Grundlage der 4. Behauptung ist, ist für die Konsequenz 5 und allgemein, auch für das Relativitätsprinzip (selbst der Relativitätstheorie) bindend.
Deshalb, wenn man dieses Prinzip als ein kosmologisches Grundprinzip der Wirklichkeit betrachtet, erweist sich jedes Modell eines dynamischen Universums als aus Prinzip ambivalent, und zwar in dem Punkt, in dem die Richtung seiner dynamischen Veränderung bestimmt werden soll und spätestens dann, wenn erkannt wird, dass dem jeweiligen Modell gleichzeitig zwei kosmologische Wirklichkeitsformate zugrunde liegen – die Gegenwart und die Raumzeit.

Zus. Axiom 2b

Die Raumzeit kollabiert als ein Kontinuum in (jeweilige) punktförmige Gegenwart.

Das Axiom 2b beschreibt den logischen Kontext eines kollabierenden Universums.

Wenn wir in unserem Modell die Kausalität des Universums, als seine logische Voraussetzung, beibehalten, d.h. wenn wir, unabhängig von den Ergebnissen der Beobachtung, in der Zeit, die Ursachen vor den Konsequenzen einordnen, dann müssen wir den Urknall einerseits als einen Ausgangszustand des Universums, andererseits als einen Zustand seiner maximalen Ausdehnung betrachten.
Wenn wir nämlich den Urknall als einen Zustand maximaler räumlichen Veränderung annehmen, die Gegenwart dagegen als einen Zustand minimaler räumlichen Veränderung erfahren, und wenn wir gleichzeitig die fundamentale Tendenz der Raumzeit erkennen, sich im Brennpunkt der Gegenwart äußerst stabil zu manifestieren, dann spielt es keine Rolle mehr, ob wir den Urknall als einen Zustand maximaler Ordnung, dafür die Gegenwart als einen Zustand maximaler Unordnung betrachten oder gar umgekehrt – die Expansion, wie die Kontraktion des Universums, als Modelle seiner dynamischen Entfaltung, werden gleichermaßen vorstellbar.

Es hängt allein von unserer willkürlichen Entscheidung ab, welches Modell wir bevorzugen.
Das Modell eines kontrahierenden ist dem Modell eines expandierenden Universums äquivalent.
Der einzige Unterschied zwischen ihnen zeigt sich lediglich darin, ob wir die Vergangenheit als einen entscheidenden Faktor für das Gegenwartsbild des Universums anerkennen oder nicht.
Beide Modelle sind sich äquivalent, beide anschaulich darstellbar, wobei das Modell des kontrahierenden Universums in diesem Zusammenhang sogar schlüssiger erscheint.

Nehmen wir das Modell des kontrahierenden Universums für wahr an, dann können wir uns konsequenterweise vorstellen, dass sich das Universum seit dem Urknallaugenblick kontinuierlich zusammenzieht, um sich in der jeweiligen Gegenwart als sein eigener raumzeitlicher Mittelpunkt, als sein dynamisches Minimum zu manifestieren.

Die Bedeutung des Äquivalenzsatzes.

Der Äquivalenzsatz hat für die Kosmologie der Mitte eine kapitale Bedeutung.

Diese besteht nicht etwa darin, dass wir, indem wir zwei im Widerspruch zueinander stehenden Modelle für gültig erklären, dem allgemeinen Modell des Universums ein Aspekt der Beliebigkeit zugrunde legen, sondern darin, dass wir uns in ihm von der arbiträren Entscheidung, bezogen auf die kosmische Veränderung und auf die Kausalität der Raumzeit, verabschieden.

Wir verlassen, indem wir das Fundament der Wirklichkeit unentschieden lassen, endgültig das kosmologische Entscheidungs-Flachland zweiwertiger Logik.

Den Äquivalenzsatz halte ich deshalb für die wichtigste logische Konsequenz der 4. Behauptung und für die Grundlage der Entstehung einer neuen logischen Klasse – Klasse der Äquivalenzlogiken.


4.4.17 Konsequenz 6

Es kann keine Wirklichkeit geben, welche vom Akt der Beobachtung und vom Ort ihrer jeweiligen Gegenwart unabhängig wäre.

Die Vergangenheit lässt sich nicht nachträglich verändern.

Die Wirklichkeit, die wir beobachten ist eine vergangene. Jedes Signal, das einen Beobachter erreicht ist ein Signal der Vergangenheit (weil jede, auch die kleinste räumliche Entfernung in der Zeit bewältigt wird – vgl. 2. und 3. Relativistischer Grundsatz).

Auch wenn zwei Ereignisse a und b gleichzeitig stattfinden, geschehen sie aus ihrer jeweiligen Sicht in der Vergangenheit, denn zwei isolierte Ereignisse nicht an einem Ort stattfinden können – sie müssen sich in einer Entfernung voneinander ereignen, sonst wären sie nicht zwei, sondern ein Ereignis – sie müssen sich in einer Entfernung voneinander ereignen, die selbst von schnellstem Signal in einer bestimmten Zeit bewältigt wird. „In einer bestimmten Zeit“ bedeutet nicht „gleichzeitig“, auch nicht, wenn mit „einer bestimmten Zeit“ ein unendlich kleiner Zeitintervall gemeint ist.