Die zweite Gegenperspektive – das Bild des dynamischen Universums.

von Maciej Zasada

Sphaerisches m

Abbildung 9.

In dieser Illustration fasse ich bildlich das Wichtigste zusammen, was durch die 4. Behauptung und ihre Konsequenzen als eine neue Perspektive entsteht. Das hier abgebildete Modell unterscheidet sich nicht wesentlich vom Modell des sphärischen Universums der ersten Gegenperspektive – die Gegenwart belegt hier wie dort exakt den Mittelpunkt des Universums.
Dies bedeutet nicht weniger, als dass die Zeit nicht mehr als ein beständiges, in die Zukunft gerichtetes Phänomen verstanden werden kann, nicht als eine Sequenz, die im Urknall entstand und kontinuierlich, bis auf den heutigen Tag abläuft (was freilich allgemeiner Logik und kollektiver Vorstellung entspräche), sondern dass sie in der jeweiligen Raumzeitgegenwart immerwährend entsteht, in die Vergangenheit gerichtet ist und analog zum Raum expandiert oder, wenn wir die Kausalität als ihren logischen Gerüst erhalten wollen, tatsächlich im Urknallaugenblick entsteht, in die Gegenwart gerichtet ist und sich in der Unzeit und im Unraum der Gegenwart auflöst.

Dieses ganzheitliche Bild der Raumzeit, welche aus der jeweiligen Mitte des Universums hervorkommt oder in sie kollabiert, bewirkt, dass die Alltagsvorstellung von Zeit als einem Phänomen, einer radikalen Korrektur bedarf.

Seitdem die Idee der Raumzeit existiert, nimmt man an, dass Zeit und Raum ein 4-dimensionales Koordinatenkontinuum bilden. Konsequenterweise müssen wir der Zeit räumliche und dem Raum zeitliche Signifikanzen zusprechen. Gerade das geschieht in dem Bild des sphärischen Modell der zweiten Gegenperspektive.

Dadurch, dass die klassische Zeitvorstellung überwunden wird und die Chronologie der Geschehnisse (auch als thermodynamischer oder kosmologischer Zeitpfeil bekannt) nicht mit dem Begriff der Zeit gleichgesetzt wird, ist es auf einmal möglich und erscheint keinesfalls widersprüchlich, die Zeit und den Raum als eine Ganzheit zu betrachten.
Die Zeit erscheint am Ort der Gegenwart und vergeht in die Richtung, aus der die Kausalität der Raumzeit hervorgeht, sodass beispielsweise die Expansionsrichtung der Raumzeit ihrem chronologischen Zusammenhang entgegensteht: das Initialereignis des Universums – der Urknall ist zugleich die äußerste Grenze des Weltalls, der Anfang des Universums ist von seinem Gegenwartsextremum nicht zu unterscheiden. Die verkehrte Zeitperspektive der Beobachtung erhält somit sowohl innerhalb des expandierenden, als auch innerhalb des kontrahierenden Modells eine logisch schlüssige Grundlage.

Dies ist das zweite theoretische Fundament der Äquivalenzaussage der 4. Behauptung. Hier schließt sich der Kreis.

Das Modell eines expandierenden Universums:

Die Tatsache, dass das Universum viel schneller expandiert, als die kosmologischen Modelle voraussagen wird gegenwärtig als logische Konsequenz der Auswirkung der dunklen Energie interpretiert, wobei diese aus dem Grunde „dunkel“ genannt wird, dass ihre Existenz hypothetisch, d.h. empirisch fraglich sei.
Im Flachland unserer Vorstellung und im Flachland unserer Logik existiert außer einer „dunklen Energie“ keine plausible Erklärung für das Phänomen beschleunigender Expansion – die Erklärung für dieses Phänomen scheint ohne den Übergang auf eine höhere Interpretationsebene unmöglich zu sein.

Der Schluss auf die dunkle Kraft in Bezug auf die Expansion des Universums ist aus der Perspektive des sphärischen Modells nicht nur nicht erforderlich, sondern auch nicht zulässig. Aus dieser Perspektive nämlich existiert für dieses Phänomen eine natürliche Erklärung: wir beobachten stets Ereignisse und Objekte des vergangenen Universums.
Wenn wir die Grenzregionen des Universums beobachten und dabei desto höhere Fluchtgeschwindigkeiten beobachteter Objekte feststellen, je tiefer wir in den Kosmos blicken, dann bedeutet dies, dass wir uns mithilfe unserer Apparatur sukzessiv der Urknallinie nähern – die beobachtete Expansion ist das Resultat einer Aktion, die in entgegengesetzte Zeitrichtung orientiert ist.

Die Urknallenergie musste am Anfang dieses Ereignisses am höchsten sein – ergo war die Geschwindigkeit, mit der sich das Universum veränderte im Urknallaugenblick die höchste – sie verringerte sich mit der Zeit sukzessiv.
Deshalb, wenn wir uns diesem Ereignis betrachtend nähern, wenn unser Instrumentarium es erlaubt, immer näher an den Urknall „heranzukommen“, beobachten wir immer energiereichere, schneller voranschreitende Veränderung.
Die am Rande des Universums registrierte beschleunigte Expansion ist in Wirklichkeit ein Urknalleffekt, welchen wir zeitverkehrt wahrnehmen.

Das Modell eines kollabierenden Universums:

Innerhalb des sphärischen Modells sind wir imstande eine einfache Erklärung für das Phänomen der Expansion zu liefern. Doch ebenso einfach ist es, sich dieselbe Expansion als Folgeerscheinung einer Universums-Kontraktion vorzustellen.

Innerhalb eines kollabierenden Modells kann die Kausalität der Raumzeit auf natürliche Weise erhalten bleiben – sie muss nicht uminterpretiert werden, um sich dem beobachteten Bild der Wirklichkeit anzupassen.
Der Urknall ist im Modell eines kollabierenden Universums ein Zustand maximaler Ausdehnung, und zwar auch dann, wenn wir annehmen, dass das Universum in diesem Augenblick gar keine Ausdehnung besaß.
Auch dann, wenn angenommen wird, dass die Ausdehnung des Universums im Urknallaugenblick null betrug, kann trotzdem angenommen werden, dass die Kontraktion des Universums seitdem beständig stattfindet, und zwar im negativen Raumbereich.
Man kann annehmen, dass die Gegenwart in dem förmlichen Nichts entsteht und geometrisch einem mathematischen Punkt entspricht (der Punkt, in dem sich die Gegenwart ereignet besitzt ja keine räumliche Ausdehnung…wie ein mathematischer Punkt).

Das Modell eines kollabierenden Universums enthält eine einfache Erklärung für das Einssein des Raumes und der Zeit – es gibt in ihm keinen Unterschied zwischen der räumlichen und der zeitlichen Entfernung, wie es keinen logischen Grund für die Existenz der Zukunft gibt (was die Zeit mit dem Raum zusätzlich verknüpft).
Die zeitliche Zukunft existiert nicht, weil die räumliche Zukunft nicht existieren kann…diese nimmt ihren Anfang nicht etwa in der Gegenwart, sondern erst in dem Augenblick, in dem sie vergeht.
Im Modell des kollabierenden Universums ist der Raum – als Eigenschaft der Wirklichkeit – als eine Eigenschaft der Vergangenheit zu verstehen.