Der logische Durchbruch: Gewissheit als Problem der Erkenntnis.

von Maciej Zasada

Zasada will nicht mit den Astrophysikern reden, sie würden ihm erzählen was sie alles wissen und von ihm erwarten, dass er ihre Erkenntnisse über Neutronensterne für eine Offenbarung hält.

Zasada kann durch kein Wissen beeindruckt werden. Er ist ein Perspektivenlogiker.
Zasada wird nie das Wissen über die Eigenschaften der Wirklichkeit, mit dem Wissen über das Wissen über die Eigenschaften der Wirklichkeit verwechseln.

These.
Jegliches Reden über die Wirklichkeit ist bloßes Gerede, solange man über das Wissen über die Wirklichkeit redet.

Beweis.
Das Wissen ist für die meisten eine ultimative Grenze.
Wie sehr sie sich auch bemühen – das höchste, was sie je wissen können ist das, was sie gerade wissen (können).

Was bedeutet es zu wissen, was bedeutet jede Diskussion für sich zu entscheiden, wenn die Fundamente heutiger Gewissheit schon morgen in Trümmern liegen?

Zasada ist über die Hartnäckigkeit und Überzeugung, mit der behauptet wird, verwundert.
Er wundert sich zwar, erkennt aber, dass die Gründe dafür, die hiesige Logik und die Lebenszeit der Erdlinge sind.
Die Logik der Erdlinge bestimmt, dass sie sich im Wettbewerb behaupten müssen, ihre Lebenszeit bestimmt, dass sie dies hektisch tun.
Zasadas Logik ist Balsam für die Seele des strittigen Anwalts. Sie mäßigt den Dialektiker und verleiht seinem Blick den Raum und den Radius – die Perspektive.
So gesehen ist sie ein Wunder – sie widersetzt sich, in ihrer Wirkung, dem Diktum der Natur, welche auf diesem Planeten gerade diese und nicht andere Wirklichkeit und gerade diese und nicht andere logische Kultur hervorgebracht hat.

Diese Sätze sind die wichtigsten.
Diese Sätze sind kein Zufall. Nichts ist hier zufällig.
Zasada schickt sich an, dich zu verändern, blinder Bruder.
Er wird zuerst deine Vorstellungen auf dem Kopf stellen. Du erkennst wie wenig Du in Wirklichkeit weißt und wie viel Du in Wirklichkeit glaubst (zu wissen).
Du wirst verwundert sein.
Dies sind die letzten Tage deiner Blindheit.
Die Grundpfeiler deines Wissens werden fallen.
Du weißt, dass es stimmt, jetzt weißt Du das.
Jetzt erkennst du, wer hier spielt und wer hier das Spiel ist.

Es ist menschlich, die Grenzen des Entwurfs zu erreichen. Es ist ebenso menschlich, dass man nicht alle Zusammenhänge des Jenseits dieser Grenzen erkennt.
Menschlich ist zu akzeptieren, dass etwas ist, wie es gerade ist – menschlich ist, sich damit abzufinden, was „ist“.
(Auch die Größten, auch die, welche etwas Neues erkennen oder entdecken, beschreiben die Wirklichkeit aus einer einzigen Perspektive – aus ihrer eigenen Sicht. Das Scheitern ihrer Modelle bedeutet für sie meistens das Scheitern ihrer Selbst.)
Zasada ist in diesem Sinne kein Mensch – nichts kann sein Verlangen stillen, nichts kann ihn daran hindern, dort zu gelangen, wo er sein will, auch wenn dieses „Wo“, hier nicht zu finden ist.
Er benutzt alle verfügbaren Spuren der Autobahn und jede Lücke zwischen den Fahrzeugen, sein kleines Auto wirbelt den spätsommerlichen Staub der Standspur auf, er hält das Lenkrad in der einen, in der anderen Hand die Zigarette und lächelt dich verständnisvoll an, während Du dich über seine Fahrweise beschwerst.
Seine Augen fragen dich – in welcher Welt lebst du, Bruder?
Und er gibt Gas gerade in dem Moment, in dem Du alles verstehst und in dem Du sein sanftes Lächeln erwidern willst.
Er verschwindet in der untergehenden Sonne – sein Autochen eingehüllt in einer gelben Staubwolke von einer Spur auf die andere springend und Du weißt – Du wirst ihn nie wieder sehen.
Erst dann, als es zu spät ist, fängst Du an bitterlich zu weinen, weil Du begreifst, wie allein Du hier bist.