circulus vitiosus.

von Maciej Zasada

Zasadas Unsterblichkeitsbeweis ist ein dialektisches Spiel. Er ist als Beweis unvollkommen (weil logisch).
Wäre er perspektivisch, müsste er aus dialektischer Sicht als vollkommen betrachtet werden.
Zasada selbst hat auf die Unvollständigkeit seines Beweises hingewiesen („es wird immer zum ersten Mal gestorben“).
Dieser Beweis operiert jedoch mit endgültigen Argumenten, d. h. mit Argumenten, die nicht mehr infrage gestellt werden können.
Somit ist das Odium der Unvollständigkeit von ihm genommen – die Unvollständigkeit dieses Beweises kann nicht als Argument gegen ihn verwendet werden.

Die endgültigen Argumente stellen die Fragestellung infrage (darin besteht das Spiel).
Sie beinhalten Mechanismen, welche die Dialektik derjenigen Instanz infrage stellen, welche sie zu widerlegen versucht.
Will man sie dialektisch widerlegen, dreht man sich im Kreis – man beweist das, was man eigentlich widerlegen wollte und widerlegt den eigenen Standpunkt.
Wie sehr man sich auch bemüht, einen Ausweg aus diesem Zirkel zu finden – man versinkt immer tiefer darin.
Die endgültige Argumente sind nicht Zasadas Erfindung, sie erscheinen ab und zu und meistens zufällig bei vielen Autoren, Zasada erkennt sie aber als endgültig – er beschreibt und kategorisiert sie hier als erster.
Endgültige Argumente gehören dialektischer Logik an, doch sie sind aufs Engste mit perspektivenlogischen An-Argumenten verwandt – sie markieren die Grenze zwischen den beiden logischen Wirklichkeiten – der Wirklichkeit der dialektischen Logik und der Wirklichkeit der Perspektivenlogik.

Nehmen wir als Beispiel den gläubigen Bürger D, der sich das Ziel setzt, Zasadas Unsterblichkeitsbeweis zu widerlegen.
Betrachtet man den Beweis aus seiner Sicht, muss man sich am Anfang die Frage stellen, warum eigentlich will man ihn widerlegen?
Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele ist doch der Grundpfeiler eigener Weltanschauung.
Allein die Fragestellung muss D zur Verzweiflung bringen, doch er geht weiter und das ist erst der Anfang.
Sollte es D tatsächlich gelingen, den Unsterblichkeitsbeweis zu widerlegen (also die Sterblichkeit der Seele zu beweisen – die Endgültigkeit verwendeter Argumente erlaubt es nicht, Zasadas Beweisführung selbst infrage zu stellen – Zasadas Argumente sind vom dialektischen Standpunkt aus nicht zu erreichen) wird gleichzeitig der Fundament seines eigenen Glaubens erschüttert.
Gelingt es D ein endgültiges Argument zu widerlegen, widerlegt er zugleich den Sinn dessen, wofür er argumentiert.
D erreicht somit die Grenze des semantischen Widerspruchs, wie auch die Grenze der Leistungsfähigkeit seiner Logik – allerdings: somit erreicht er auch die Stelle, an der die beiden logischen Räume (der dialektische und der perspektivische) sich berühren!!!!

Im logischen Endstadium werden Karten neu gemischt.
Es ist die Entscheidung eines jeden, sich der Herausforderung zu stellen oder, wie viele zuvor, vor dieser scheinbar unüberwindbaren Mauer kehrt zu machen.
Der erste Weg ist ein steiler, schmaler und verschneiter Bergpfad, der zweite führt ins warme Kuschel-Tal.
Sollst du den zweiten Weg nehmen, wirst du den Ort der Ruhe erreichen.
Dort stirbst du irgendwann einen leichten Tod.
Solltest du dich für den ersten Weg entscheiden wirst du einen schwierigen Pass bezwingen müssen, doch dies wird deine einzige Chance sein, das Licht zu erblicken.
Erblickst du das Licht, gehen deine wirklichen Augen auf, Blinder.


W
ach__auf.

oder sparst du dir deinen Tod für etwas größeres auf?
Du wirst in jedem Fall sterben,
unabhängig davon, welchen Weg du gehst .
Die Frage, die hier zählt ist einfach:
wie  w a r  dein Leben?