Wittgensteins Snickers

von Maciej Zasada

WittgensteinSo wie die anderen einen Snickers überwinden, überwinden wir Politiker, Komponisten, Stile, Komplexe – ja, selbst Wittgenstein.
Dort, wo die anderen analysieren und endgültige Wahrheit erblicken, sehen wir in welcher Verfassung er war, als er seine Sätze schrieb.
Die anderen vertrauen den Menschen, welche, wie Wittgenstein, mitten in einem logisch-analytischen Absatz von Jünglingen, Pferden und Lilien sprechen, weil sie vermuten, dass dies der Beweis ihrer außerordentlichen perspektivischen Freiheit ist, welche an sich schon, als ein Phänomen, dafür bürgt, dass ihre Sätze damit übereinstimmen, „was der Fall ist“ – wir wiederum erkennen darin lediglich eine ausgeprägte Sehnsucht nach einem bestimmten ästhetischen Muster (hier darf gutartig geschmunzelt werden).
Hinzu kommt natürlich die Begrenztheit des eigenen Entwurf-Vermögens ins Spiel – man vergleicht stets die eigene Schmallspurigkeit mit dem Wittgensteinschen Impact und Hand aufs Herz – wer kann schon von sich behaupten, zufrieden mit dem Ausgang dieses Vergleiches zu sein?
Die Sätze Wittgensteins bedeckt bis heute kein Patina und keiner, der sie gelesen und verstanden hat, geht an ihnen teilnahmslos vorbei.
Doch wir dürfen nicht alles für eine Offenbarung halten, was über die Logik von demjenigen gesagt wird, der über die Gesetze des Denkens nachdenkt und genau von diesen Gesetzen, beim Nachdenken, geleitet wird – daran scheitert auch Wittgenstein.
Wir vergleichen uns nicht mit dem Riesen, wir ersparen uns das – aber wir überwinden ihn – wir gehen durch ihn hindurch.
Wittgenstein selbst gibt uns den entscheidenden Hinweis:
TLP 6.54 „Meine Sätze erläutern dadurch, daß sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist. Er muß diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.“

Wir denken Wittgenstein zu Ende.